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Outland Origins (RO-RPG [GERMAN!])


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#441 Koikun

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Posted 26 July 2017 - 06:39 PM

[Emilia & Markos | ??? | ???]

"Gut, lass mich dir Manieren in den Schädel klopfen," hatte Ewan Sulisan mit einem falschen Lächeln auf den Lippen proklamiert, "Ich werde dafür sorgen, dass du deinen törichten Aufstand selbst da unten niemals vergessen wirst!"
*Da unten...?,* schoss es Markos durch den Kopf, als er sich erhobenen Hauptes vor Emilia stellte. Diese Monster. Mit welcher Gewalt unterwarfen sie sich die Schwachen, die eine Regierung eigentlich zu beschützen hatte, zu Objekten ihrer wahnsinnigen Wissenschaften? Sie verlangten nach ihren lebendigen Leibern. Doch was würde mit ihrem Verstand geschehen?
Aber er war nicht schwach. Markos war nicht schwach, denn er wollte sie beschützen, Emilia, um ausgehend von dieser Entscheidung mit ihr zusammen vorwärtszupreschen und für die Einheit einzustehen. Mit seinem aussagekräftigen Grinsen fühlte er sich selber in den Händen des Wahnsinns, als er vor sich die Rekenber Corporation in Flammen aufgehen wünschte, um den Weg in diese Zukunft zu ebnen. Dafür wollte er kämpfen. Es gab keine Alternativen oder bessere Chancen. Klar, er war unbewaffnet. Aber Ewan Sulisan war geschwächt und besass Schlüssel und Gildenabzeichen. Letzteres würden sie zwar nicht benutzen dürfen, würden sie doch geortet werden können, ersteres hingegen umso besser, um zu entkommen oder sich zumindest zu verstecken. Markos war sich bewusst: Sollte er diese Chance nicht nutzen können, dann würden sie zwar überleben, aber in den Händen des Wahnsinns dieser Leute wäre der Tod vermutlich eine wünschenswerte Alternative.
Er hatte in Ewan Sulisan, beziehungsweise in dessen Beinführung den TaeKwon Meister erkannt, auch Sternengladiator genannt. Ein Sternengladiator bezog seine Macht aus den Gestirnen. Er verpflichtete sich der Sonne, dem Mond oder der See der Sterne und führte im Namen dieser omnipotenten Energiequelle einen bestimmten Kampf. Alles Leben bezog seine Berechtigung aus dem weiten Raum der Himmel. Ein Sternengladiator verfolgte die Mission, aus dem Überfluss der Energie kein Überfluss von Leben entstehen zu lassen. Ein Überfluss von Leben würde zu dessen Verfall führen, also bürdete ein Sternengladiator sich auf, eine bestimmte Spezies in einem bestimmten Gebiet im Zaum zu halten. Dass Ewan Sulisan gerade jetzt vor Potenzial erstrahlte, konnte unmöglich hoffnungsvolles verheissen. Dazu kamen diese kleine Rohre, die ihm aus den Waden ragten und bei denen es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um eine technische Verstärkung der Beinführung handelte.

Markos fokussierte seine gesamte Entschlossenheit, um nicht zu fallen, sodann hatte er [Endure] errichtet. Viel blieb ihm ohne Schwerter ohnehin nicht übrig. Er biss die Zähne zusammen, starrte hinab. Das Blut zu seinen Füssen war nicht mehr einzig fremdes, Scherben schnitten in seine nackten Füsse. Er beugte sich, um sie aus der Haut zu entfernen.
Ewan Sulisan fand sich auf seiner Seite des förmlich durcheinandergewürfelten, gekachelten Verhörraumes ein. Sein Gebiet der Sonne, das er sich mit [Solar Perception] als Jagdgebiet gespeichert hatte, war die Stadt Lighthalzen. Seine Spezies der Sonne, die er sich mit [Solar Opposition] als Jagdwild gespeichert hatte, war die Spezies Mensch. Er war einer von zwei Bodyguards, die die Rekenber Corporation und Präsident Adam von Dieffenbach vor dem Übel beschützten, das in dieser Welt am ehesten zu erwarten war: Der menschliche Eigensinn.
*[Solar Heat]!* Um den Bodyguard umher wogen sich quellende Energiestürme, die in wirbelndem Wellenschlag eine gleissende Kugel um ihn kreierten. *Ein Schutzschild?!,* konfrontierte sich Markos mit der Unwissenheit, als sich vor ihm der blendende Wall erhob. Er erhob sich aus seiner gebeugten Haltung und stellte sich dieser ihm fremden Fähigkeit, denn er kannte zwar die Klasse eines Sternengladiators, nicht aber die Details ihres Ausmasses.
Er ächzte auf, wurde durch die massive Kugel erwischt, als der Bodyguard ihm entgegenmarschierte, und ihm war, als würden die fliessenden Ströme, die sie formierten, aus höllisch heissen Feuern bestehen, die sich nun in seinen Gliedern verbissen. Der Wahnsinn seines Optimismus wich einem Wahnsinn, der sich die Schmerzgrenze immer höher von den Schultern zu stemmen versuchte, denn Fallen war keine Option für ihn, ganz egal wie oft sein Gegner seine Art des Kampfes noch verändern wollte!
Er wurde von den Füssen gerissen. Geblendet durch die gleissenden Ströme durchschaute er es erst nicht, da wurde er neben der bewusstlosen Emilia schon gegen die Wand gepresst. Dieser Schutzschild. Er drückte alles und jeden von sich, ganz egal wie widerstandsfähig ein Körper auch gemacht worden war. Ganz egal wie viel Markos einstecken konnte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, er konnte noch immer weggedrückt werden. Und da er Schmerzen durchaus noch verspürte, war dies ausserordentlich negativ zu beurteilen, denn wie er erhaschte, musste er sich mit der Wand im Rücken und mit dem Schild im Gesicht wiederfinden, nach hinten gedrückt und immer weiter in der Schaden zufügenden Kugel untergehend. Er konnte seine Arme unter dem Gewicht nicht bewegen und folglich nicht zuschlagen und durch die sich in der Haut verbeissenden Hitze wurden ihm schon wirbelnde Striemen in die Haut gehauen. Schon wieder. Schon wieder wurden ihm alle Auswege geraubt. Schon wieder. Schon wieder drohte ihm die abgrundtiefe Atemlosigkeit.
Er atmete noch. Noch war er nicht in einer Sackgasse angekommen. So lange er noch atmete, hatte er noch nicht verloren. *[Magnum Break]!* Er riss die Arme aufwärts und krallte sich die Wand. Er konnte durch den Schild nicht in die Richtung seines Gegners schlagen, so aber verblieb ihm ein Weg: Er feuerte seinen aufflammenden Schlag aufwärts, liess die Fäuste über sich in einer explosiven Entladung zusammenknallen, sodass nicht nur eine ruckartige Druckwelle durch den Raum schallte, sondern auch Markos abwärts geschossen wurde. Er landete hart auf seinem Hintern und schaute, wie Ewan wie erwartet von der Welle unbeeindruckt war. Dazu kam, dass Markos in eine noch fürchterlichere Position abgesackt war und nun von oben geradezu von der Kugel zerdrückt wurde. Aber...
Ewan zuckte zusammen, als er von oben berührt wurde. Schlagartig stierte er aufwärts, worauf er im Nacken von einem Objekt geschnitten wurde. Er fasste sich dorthin und fand Scherben, gleichzeitig hämmerte Markos seine Fäuste gegen den Boden, er entlud abermals einen [Magnum Break]. Er hatte es vorhin geschafft, sich durch den Schild nach unten zu befördern. Also musste auch das umgekehrte gelten. Das einzige, was der Schild ihm verbot, war die Bewegung auf seinen Gegner zu. Das hatte er erfolgreich ermittelt.
Die Spezies Mensch war die Spezies, gegen die sich die Fähigkeiten seines Gegners richteten. Dieser war perfekt gegen den Menschen gewappnet. Es war folglich nicht sonderlich verwunderlich, dass die Scherben, die Markos beim ersten [Magnum Break] aufwärts gefeuert hatte, problemlos durch den Schild gefallen waren, um für erstklassige Ablenkung zu sorgen.
Mit den Scherben in den Händen und einem angewiderten Ausdruck im Gesicht erfasste Ewan Markos, wie dieser aufwärts geschleudert wurde und sich über dem Schild von der Wand abstiess, um über ihm hinwegzustraucheln und hinter ihm zu landen. Zwischen Schild und Boden war kein Durchkommen, zwischen Schild und Decke hingegen war noch genügend Freiraum für diesen Schachzug geblieben.
Aufjapsend landete Markos an der durchbrochenen Raumabgrenzung, Schnitte frassen sich ihm über den Körper, als seine Masse mit ganzer Wucht auf den Scherben aufsetzte. Doch er war frei. Zumindest für einen Moment. Das Blut rann ihm von den geschlagenen Wunden.
"Du bist besser wieder ein guter Junge," sprach Ewan kühl. Er war zwar überrascht worden, doch es sollte nicht von Bedeutung sein, wie er mit Blick zu Emilia, die sich jetzt direkt neben ihm befand, wusste. "Ansonsten kann ich nicht für die Sicherheit deiner Freunding gara-" - "Ach halt du doch den Mund!," japste Markos, "Mit was willst du uns drohen, wenn du uns töten willst, dann tue es doch einfach, es wäre die beste Alternative zu meinem Sieg!!" Er grinste. Wusste, dass es eindeutiger war: Der Tod war nicht die beste, sondern die einzige Alternative zu seinem Sieg. Er grinste immer noch, als er sich aufraffte. Sein gesamter Körper wurde angetrieben von felsenfester Überzeugung. Von der wahnsinnigen Überzeugung, dass es ganz egal war, wie er und Emilia aus dieser Situation gelangen würden. Ob im Leben oder im Tod. Sie würden zusammen sein.
"Du -!," stammelte Ewan hierauf, dann willentlich abweichend: "Was weisst du denn schon von Sieg! Du stellst dich mir, obschon du weisst, dass meine gesamte Existenz darauf ausgerichtet ist, Burschen wie dir ihre Grenzen aufzuzeigen!" Im Namen der Sonne war er im Kampf gegen Menschen berechtigt, sein Können zu maximieren und sein vollumfängliches Pozenzial auszuschöpfen. Die Menschen würden niemals in der Zukunft ankommen. Die Wissenschaften waren, was die Zukunft der Menschen erst erschaffen und beides getrennt voneinander durch die Hände der Rekenber Corporation gehen lassen würden, um das eine nicht das andere beschmutzen zu lassen!
Aufschreiend hatte sich Markos Teile seines weissen Leibchens vom Oberkörper gerissen, er band sie sich um die blutigen Fäuste und stürmte vorwärts. Ewan fasste ihn in die Augen, er war es diesmal, der sich dem Sturm stellte, und er war nach wie vor von seinem Schild beschützt. "Sei kein naiver Bengel und fall endlich um, du -!!," brüllte er und Markos drosch seine Fäuste zeitgleich gegen den gleissenden Schild: "Ich werde nicht fallen, bevor ich nicht tot bin!!" Er drosch seine Fäuste mit ganzem Schwung gegen den Schild. Die Schmerzen peitschten zügellos durch sie und die Unterarme und er wurden durch den Schild bereits wieder rückwärts weggedrückt. Sich die gebleckten Zähne fast ausbeissend, stemmte er sich gegen den unüberwindbarem Wall.
Aus heiss brennendem Siegesbegehren fixierte er Ewan. Und feuerte einen dritten [Magnum Break] ab. Diese Fähigkeit war einerseits eine explosive Elemententladung, wie die auseinanderschlagenden Zunderzungen betonten. Anderseits stiess sie wie der feindliche Schild alles und jeden gewaltvoll von sich. Das war das Stichwort. Die Stoffe, die sich Markos um die Fäuste gebunden hatte, zerrissen und Scherben, die er im Versteck unter ihnen zwischen den Fingern festgehalten hatte, schossen vorwärts. Wie erfolgreich ergründet worden war, schossen sie ohne Widerstand durch die Kugel. Ewan stockte. Sah die blutverschmierten Splitter nur kurz aufblitzen. Dann jagten sie ihm schon in die endlich gebrochene Miene und er jaulte schmerzerfüllt auf.
Markos rollte sich ab und landete auf den aufgeschnittenen Füssen. [Endure] hatte sich letztlich doch noch bewährt. Er fühlte zwar alles, musste sich dadurch aber nicht aufhalten lassen, wodurch er keine Zeit verlor. Er rannte los, denn vor ihm plätscherte der lichte Schild des Gegners auseinander. Dieser war vorneübergesunken und hatte mit den Händen nach dem Gesicht gegriffen, aus dem er fürchterlich blutete.
Ewan wurde geschüttelt durch den hinterhältigen Gegenschlag, kannte jedoch seine Position. Ein Folgeangriff war zu erwarten. Er konnte sich zwar kaum mehr rechtzeitig wieder aufrichten und den Schild erbauen, eine andere Option jedoch verblieb: [Solar Protection]. Sein gesamter Körper wurde wie als wäre er wieder Kind von der schützenden Umarmung einer Mutter ummantelt. Seine durchgeschüttelte Aura wurde von der mütterlichen Wärme zurück in die rechte Bahn bewegt und er maximierte seine Defensive.
*[Fatal Blow]!!* Markos fegte dem Bodyguard seine geballte Faust von oben gegen den Hals. Der Geschlagene röchelte Blut, wurde mit dem Gesicht fast gegen den Boden gedroschen, was er schweissgebadet verhindern konnte, was er mit einer Menge Glück verband. Er wollte die Scherben in seinem Gesicht lieber nicht tief in seinem Kopf wissen.
Er musste augenblicklich handeln. Er war nach vorne gebeugt und über ihm stand der Schwertkämpfer bereit für seinen nächsten Streich, dem er durch seine Position nie und nimmer rechtzeitig ausweichen können würde. Den Initiator in seinen Waden konnte er nicht beanspruchen, da dieser lediglich seine Beinführung beschleunigte und nicht zur alleinigen Fortbewegung missbraucht werden konnte, sonst hätte er sich jetzt vorwärts und gegen den Schwertkämpfer geschossen. Da eines seiner Augen durch die gläsernen Geschosse erblindet war, wollte er stattdessen [Solar Shadow] in Angriff nehmen, um sein Augenlicht gänzlich aufzugeben und dafür eine unmenschliche Schnelligkeit zu gewinnen. Dadurch würde er rechtzeitig reagieren und dem nächsten Streich des Schwertkämpfers ausweichen können. Das war er, sein Ausweg!
*[Solar Shadow]!* Er erblindete. Doch bestürzt realisierte er, dass er sich nicht bewegen konnte. Er war gelähmt. Er konnte nicht ausweichen, denn nichts rührte sich mehr. [Fatal Blow] hatte ihn seiner Freiheit beraubt und er war seinem Gegner dadurch in jeglicher Hinsicht ausgeliefert, doch das wollte er nicht wahrhaben, zerbissen ging er seinen Plan an, diesen Bengel niederzustrecken, es musste zum Schutz des Präsidenten geschehen, eine Niederlage war ausser Frage!
*[Solar Union]!* Er erhob sich. Er erhob sich, zwar nicht aufrecht und lediglich in seiner benachteiligten Position, doch er stieg empor. Er begann zu schweben. Dafür musste er weder Arme noch Beine in die Pflicht nehmen, sie konnten ungehorsam sein, wie sie wollten, es war nicht von Belang, er brauchte sie nicht, um auszuweichen. Er flog immer höher und aus der Reichweite dieses Bengels.
Er verspürte die Decke im Rücken, als die Lähmung verebbte und er sich wieder bewegen konnte. Er versuchte, die Schmerzen auszublenden, denn es musste mit der jüngsten Entscheidung noch schneller als zuvor gehen, denn er opferte der Sonne mit verstreichender Zeit mehr und mehr seiner Reserven, um fliegen zu können. Dafür aber hatte er dem nächsten Streich seines Gegners ausweichen können, ausserdem hatte sich seine Schnelligkeit perfektioniert und all seine Attacken ignorierten nicht bloss die Defensive des Zielobjektes, nein, sie konnten es auch gar nicht mehr verfehlen. Dann war er eben blind. Im Gegenzug war er unbesiegbar!
Er erstrahlte in sakrosankter Superiorität und schwang sich in strahlendem Sonnensturm abwärts, aus den Waden wurde Rauch geblasen, es war der Abschuss seiner Beute: *[Tornado Kick]!!* Es war der Abschuss seiner Beute. Der Geltung hatte. Seine Beute hatte längst geschossen. Markos hatte längst zurückgeschossen. Er hatte nie einen nächsten Streich geplant gehabt. Als er mit [Fatal Blow] zugeschlagen hatte, hatte Ewan nicht mehr gesehen, dass sein Gegner entgegen jedweder Erwartung einen Schritt zurückgetreten war, um seine Bestrebungen fruchten zu lassen. Ewan hatte infolge der überwiegenden Pein im Gesicht auch nicht bemerkt, dass sein Gegner, als er mit [Fatal Blow] den Hals getroffen hatte, erneut mit Scherben zwischen den Fingern zugeschlagen hatte. Er hatte dem Bodyguard den Hals aufgeschlitzt und das Blut war fortwährend nicht nur aus dem Gesicht, sondern auch aus dem Hals geflossen.
Ewan schnappte nach Luft. Ihm drehte sich als Folge des Blutverlustes die Gesamtheit der Sinne und er donnerte neben Markos gegen die Kacheln, auf dem Boden der Tatsachen wie ein durch die Atmosphäre fast ganzheitlich zerbrannter Meteor aufschlagend und fallend, während der Schwertkämpfer wortlos an ihm vorüberging, um Emilia die Fesseln zu lösen, wobei ihm bewusst wurde, dass für beide die Optionen nie Sieg oder Niederlage gewesen waren. Eine Niederlage war immer ausser Frage gewesen. Für beide hatte es einzig Sieg oder Tod gegeben. Und letztlich war es ein Fakt gewesen, dass einer der beiden den anderen lebendig gewünscht hatte.
Es hatte verloren, wer zwischen Rassen unterschied, sie nicht als gleichwertig betrachtete und deshalb aufgrund der gegenüberstehenden Spezies seine Art des Kampfes verändert hatte.
Markos hatte gewonnen. Aber wie er es im Voraus für sich unterstrichen hatte: Er war derjenige gewesen, der unbesiegbar gewesen war. Denn nur er war, wer in jedem Szenario den Raum nicht allein verlassen musste.

...als Emilia zu sich kam, fand sie sich neben dem verletzten Markos an die Kacheln gelehnt, vor sich die Verheerung und die zahlreichen regungslosen Körper, wie sie sie in Erinnerung gehabt hatte. Nur dass der Bodyguard gefallen war und sie vor ihm beschützt worden war.
"Tut mir leid, dass ich auch dich getroffen habe," atmete Markos auf, der vor der grossen Flucht kurz ruhte und seine Wunden erstversorgte. Zahlreiche Schnitte verliefen über seinen Körper und seine Hände wiesen nennenswerte Brandwunden auf, der linke Ringfinger fehlte ihm sogar. "Ich habe dich nicht verletzen wollen." - "Was sagst du denn," erwiderte sie und er hätte es gar nicht anders erwarten dürfen, wie er sich mit einem ehrlichen Lächeln eingestand, "Du hast gut gekämpft, das ist das einzige, was zählt." Er musterte sie. Meinte schliesslich fast schon feierlich beschliessend: "Nein nein. Das einzige, was zählt, ist der Fakt, dass ich dich ab sofort nicht mehr zurückfallen lasse! Ab sofort kämpfen wir zusammen für unsere Ziele!"
Er rappelte sich auf, um die Schlüssel und die Gildenabzeichen einzustecken und die Flucht anzugehen. Sie erhob sich neben ihm und betonte, was er schon immer geahnt, doch erst kürzlich wahrhaftig gelernt hatte: "Was sagst du denn, ich habe deine Seite nie verlassen. Hier bin ich schon längst gewesen."
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#442 Ashielf Pi

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Posted 20 August 2017 - 10:43 AM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - nach 21.00 Uhr]

"Was machen wir denn mit unserem Singvogel hier?", fragte Yuen mehr rhetorisch in die Runde, bevor er sich in die Richtung des Genetikers beugte und vor ihm in die Hocke ging, "Vielleicht will er uns ja noch ein Lied zum Abgesang singen...?"

Mit diesen Worten begann die Befragung. Wolfgang hatte beschlossen in seiner Tarnung die Slums zu erkunden. Rincewind hatte angeboten, ihn zu begleitetn, doch der Clown winkte ab. "Erstens bist du noch nicht ganz fit und zweitens bin ich alleine unauffälliger." Mit diesen Worten verschwand er, aber nicht bevor Roy kleinlaut gefragt hatte, ob er noch etwas zu essen organisieren könnte.

Jonah setzte sich vor dem malträtierten Genetiker auf den Boden, ebenso Yuen. "Wie heißt du eigentlich?", fragte sie eher beiläufig aber abschätzend, nachdem sie ihre Namen genannte hatte. "Hans", entgegnete der Genetiker nach einem Moment. Niemand wusste, ob dieser Name wirklich seiner war, aber für den Zweck der Befragung sollte er genügen. Sie begann: "Okay Hans, die Situation ist nicht einfach, aber wir machen das Spiel leicht. Du gibst uns Antworten und wir lassen dich vielleicht leben - du gibst uns keine Antworten, du stirbst auf jeden Fall. Dass du uns vor kurzem töten wolltest, blenden wir mal aus." - Man wollte meinen der Genetiker hatte eh nicht mehr viel zu verlieren, doch so einfach war es unter Umständen nicht. "Ich bin mir sicher, dass ihr es hinkriegt ein paar neue Hände und einen Fuß für dich zu züchten, deine Kollegen und du. ...Für dich sind also alle Chancen noch im Spiel", fügte Yuen an, mit einem Blick zu Jonah meinte er noch: "Ich würde an deiner Stelle nicht leichtfertig den schweigenden Helden spielen wollen. Das ist ein gut gemeinter Rat, Hans"

"Genug Geplänkel", unterbrach Jonah und kam zum Wesentlichen, "Fangen wir doch mal mit etwas Essenziellem an: Warum ist man hinter unserer Gilde her?" - Der Genetiker schien von der Einfachheit der Frage überrascht: "Warum Lighthalzen hinter euch her ist, ist euch nicht bewusst...? Ihr habt nicht nur Präsident Adam von Dieffenbach, sondern sogar Riwalon Rowenberg attackiert! Ihr seid nicht nur zum Störfaktor für die Feierlichkeiten, sondern eine Gefahr für die gesamte Stadt geworden, das zeigt schon allein, was ihr mir angetan habt! Wenn ihr es auf die Köpfe zweier Landesoberhäupter abgesehen habt, Kinder, also wirklich, wie könnt ihr es uns verübeln, dass wir alles dafür tun, um unser Volk zu beschützen?!"
"Das haben wir nicht. Genaugenommen ist eine Einzelperson, die zufällig Teil unserer Gilde ist, mit dem König in Kontakt getreten - attackieren mal dahingestellt. Wir sind unabhängig von der Beschuldigten angereist. Warum sollen wir also gleich alle miteinander hängen?", antwortete sie mit einer neuen Frage, denn das war doch das eigentliche Problem. Niemand wusste was in Tea gefahren war.
"...das ist die logische Schlussfolgerung. Wenn ihr von mehreren Personen von der selben Organisation attackiert werdet, würdet ihr auch annehmen, dass die Organisation hinter euch her ist, oder nicht?," erwiderte er, "Ausserdem bestätigt ihr mit eurem Verhalten augenscheinlich den Verdacht. Schaut mich an. Kann man uns wirklich verübeln, dass wir hinter euch her sind?"
"Wer ist überhaupt alles hinter uns her? Wir führen einen Krieg an vielen Fronten", äußerte Yuen. Ungeduldig entgegnete Hans: "...die Regierung natürlich, wer denn sonst? Jesses, denkt ihr etwa, die verschiedenen Parteien agieren eigenständig? Nein, die Regierung von Lighthalzen hat die verschiedenen Parteien erst in Bewegung gebracht. Die Polizei, die Armee, unsere Bruderschaft..., von weiteren Parteien weiss ich nichts, aber es ist sehr gut möglich, dass sich noch einzelne Personen, die direkt der Regierung unterstehen, unter die Parteien gemischt haben." Jonah und Yuen nickten. Die Antwort gefiel ihnen nicht, doch das lag in der Natur der Sache.
"Was hat es eigentlich mit den Masken auf sich?", fragte Yuen. - "Ich gehöre einer Bruderschaft der Alchemistengilde an... an diesen Masken erkennen wir uns, sie verbrüdern uns, allem voran machen sie uns anonym. Die Bruderschaft kümmert sich um wissenschaftliche Arbeiten, die anonym erledigt werden sollen. Hinter unterschiedlichen Masken liegen selbstverständlich unterschiedliche Fachgebiete versteckt. Entsprechend nehmen wir teilweise auch andere Aufträge an, die anonym ausgeführt werden sollen... auch eine Organisation wie die unsere hat sich nunmal zu finanzieren", führte der Genetiker erstaunlich präzise aus. Er war Jonah schon fast etwas zu gesprächig.
"Was genau hat man mit der Gilde vor und weshalb gehen unterschiedliche Parteien unterschiedlich vor? Die einen wollen die Gilde töten, andere scheinbar entführen und weiß ich was noch. Noch gab es weder Anklage noch Prozess gegen uns." - Hans überlegte einen Moment. Antwortete dann: "Ich kann einzig für unsere Bruderschaft sprechen, wir stehen nicht im Kontakt mit der Polizei oder der Armee. Aber unterschiedliche Parteien haben unterschiedliche Berechtigungen, daran wird es wahrscheinlich liegen. Sicher haben auch nicht alle Parteien den exakt selben Auftrag erhalten. Vermutlich kann ich aber sogar nur für mich sprechen...
Wir sind durch die Regierung,... um genau zu sein durch einen der zwei Bodyguards des Präsidenten, Ariano Rhoad kontaktiert worden, um die Gefahr aus der Stadt zu bannen. Das Hauptvorhaben sollte sein, eure Gilde aus der Stadt zu treiben. Ihr stellt eine Bedrohung für unseren Frieden dar, wenn wir euch euch in der Stadt austoben lassen!
Die Rede ist nicht davon gewesen, euch zu töten. Wenn die Bedrohung jedoch zu gross werden sollte, dann sind wir befugt, zu den letzten Mitteln zu greifen. Wir haben also eine gewisse Grenze gehabt,... die überschritten worden ist, als der Katzenmensch aus eurer Gilde den Schaualchemisten schwer verletzt hat.
Trotzdem! Am Bahnhof habe ich mich genaugenommen bloss zur Wehr gesetzt...! Ich habe Nachforschungen zum Katzenmenschen angestellt, immerhin hat man ihn dort zuletzt gesehen, bevor er geschnappt worden ist! Wenigstens habe ich es geschafft, euch aus der Stadt zu treiben..."
"Du hast dich nicht zur Wehr gesetzt, du hast uns feige angegriffen!", giftete Jonah ihn an und rammte das Stilett, mit dem sie schon die ganze Zeit am Boden umher scharrte mit einem mal einige Zentimeter tief in das Holz. "Ruhig Blut", ging Yuen dazwischen, bevor Jonah den Genetiker ein weiteres Mal anfiel.
"Wohin werden Leute gebracht, die 'geschnappt' werden, und was geschieht mit ihnen?", fragte er stattdessen. Hans überlegte erneut. Meinte: "...wenn ich das wüsste, ich würde es wieder vergessen wollen. Zumindest habe ich den Eindruck, dass dem so ist, wenn man den Gerüchten glauben will. Ich kann aber zuversichtlich sein, denn ihr seid nichts weiter als Verbrecher...! Was auch immer man euch antut, es geschieht euch recht!!
...ich nehme an, dass Leute wie ihr direkt in die Rekenber Corporation gebracht werden. Gemäss meinen Brüdern ist die Rekenber Corporation aber nur an solchen mit Potenzial interessiert, an solchen, die noch formbar sind. Sicherlich wird auch diesbezüglich der Unterschied gemacht, wer geschnappt und wer getötet werden soll...
Der Untergrund von Lighthalzen und die Laboratorien sind unfassbar riesig. Selbst ich würde mich dort unten niemals zurechtfinden, ich arbeite nicht für die Rekenber Corporation und kenne kaum mehr als die ersten Flügel. Der Glaube an ein Ein oder Aus für Ausländer ist ein Aberglaube...!"
"Wir vermissen ein paar Freunde. Kannst du uns Zutritt zur Rekenber Corporation verschaffen?", frage Yuen weiter und ignorierte die Provokation vollständig. Sein Blick mahnte auch Jonah es ihm gleich zu tun. - "Was denkt ihr euch bloss? Nein, ich kann euch keinen Zutritt verschaffen, in meinem Zustand noch viel weniger! Ich besitze keinerlei Zutrittsberechtigung für mich allein, ihr könnt da nicht einfach reinmarschieren! Vor allem jetzt, wenn die Armee sich auf die Rekenber Corporation fokussiert, um den Schutz von Präsident Adam von Dieffenbach zu gewährleisten! ...als würden sie ihn nach dem Attentat eurer Gilde allein in das Luftschiff steigen lassen!"

"Steht denn eine Reise mit dem Luftschiff an?", fragte Yuen interessiert. Der Genetiker war sich unschlüssig ob er reden sollte, antwortete dann aber: "Der Präsident wird den König zum Feuerwerk in die Slums begleiten. Die beiden werden mit einem Luftschiff vom Sitz der Rekenber Corporation auf den Hügel über den Slums fliegen und von dort das Feuerwerk anschauen. So werden alle Risiken umgangen."
"Danke für die Antworten", erwiderte Yuen, "Ich denke das reicht. Du hast dir eine Pause verdient." - Dem Genetiker blieb keine Zeit zu fragen. Unvermittelt donnerte der überaus kräftige Assassin ihm die Faust in die Schläfe, dass er damit einen Ochsen auf die Bretter geschickt hätte.
Jonah sah ihn perplex und einigermaßen verwundert an. Gerade war er noch ein Pol der Ruhe gewesen, dann hatte er den Genetiker mit einer Bewegung KO geschlagen. "Den hatte er noch gut", antwortete Yuen, wieder Ruhe und Anmut selbst, "Außerdem muss er nichts von unseren Plänen wissen, wenn wir ihn leben lassen."


Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Wolfgang wieder zurück war. Er wirkte sehr gelassen, so als hätte der Spaziergang ihm gut getan. Ein genaueres Hinsehen offenbarte, dass seine Hände blutig waren. Bei sich hatte er etwas, was man mangels besser Worten wohl einfach als Einkaufstasche bezeichnen konnte. Er stellte diese im Vorbeigehen bei Roy ab, der beim Anblick leer schluckte, und bewegte sich zur Waschecke des Raumes. Er träufelte Wasser in eine offene Schüssel und begann damit, das offenbar fremde Blut von seinen Händen zu Waschen. "Und, was hat sich ergeben?", fragte er in Richtung Befrager. Schnell setzte man ihn über die Ergebnisse in Kenntnis.
"Das deckt sich mit meinen Beobachtungen", begann er und setzte fort, "Mitternacht wird mit grosser Spannung und verschiedenen Emotionen herbei gesehnt, wenn sogar der Präsident und nicht nur der König hier mit dem Luftschiff erscheinen sollen. Wir sollten uns wohl auch auf diesen Zeitpunkt vorbereiten. Ein Zurückkommen in die Stadt ist gerade undenkbar. Die Soldaten bewachen anscheinend verstärkt das Grundstück der Rekenber Corp."

"Hast Du sonst etwas herausfinden können?", fragte Rincewind, als sich Wolfgang zu den anderen gesellt hatte. Der Clown holte aus:
"Das Fest um Mitternacht ist für das Volk von Prontera gedacht. Lighthalzen schert sich einen Dreck um die Slum-Bewohner. Das ist nicht offen kommuniziert, aber doch allen klar. Den eigentlichen Bewohnern hier geht es sowieso dreckig. Nicht nur wurden sie bis jetzt bloss mit dem nötigsten versorgt, sie bekommen nun noch weniger, da ja das Pronvolk - liebevoller Spitzname meinerseits - hier bewirtschaftet wird. Und dann wird das Pronvolk auch noch beim hiesigen Anstellungs-Programm bevorzugt, was für viele hier die einzige Chance auf eine Einnahmequelle ist."
Nun stimmte sich auch Arhat ein: "Hast Du bei all dem Unmut das Gefühl, dass die Slum-Bewohner um Mitternacht etwas unternehmen werden?"
"Die Slum-Bewohner haben nicht mal viel in ihrem eigenen Zuhause zu sagen", antwortete Wolfgang ziemlich schnell, "Die müssen das einfach akzeptieren und werden wohl nicht am Fest teilnehmen. Wobei natürlich keine Trennung stattfindet. In der Menschenmenge kann ja jeder herumlaufen. Und die Slums sind im Gegensatz zu Lighthalzen nicht sonderlich gesichert. Norden, Osten, Süden - von überall her kann man kommen und gehen wie es einem beliebt."
"Da ist noch etwas anderes", bemerkte Arhat und studierte die Mimik von Wolfgang genau. Dieser zuckte leicht mit den Mundwinkeln und lachte dann: "Ich sehe schon, es geht nichts an dir vorbei. - Ja, ich habe noch etwas anderes bemerkt. Aber ich konnte nicht nahe genug heran, ohne meine Tarnung zu gefährden. Anscheinend versammeln sich gerade etliche Slum-Bewohner. Sie scheinen etwas zu planen, lassen jedoch nur bekannte Gesichter an den Gesprächen teilhaben. Wenn du mich fragst, könnte man glatt meinen, dass sie etwas für Mitternacht vorbereiten."

"Warum... warum waren deine Hände blutig?", fragte Roy nach einer Pause etwas mulmig und blickte Wolfgang sorgenvoll an. "Manchmal kann man Informationen nicht gegen andere Informationen tauschen. Dann geht es eher um Naturalien", war dessen karge Antwort begleitet von einem gut-gemeinten Lächeln, was in diesem Kontext aber eher unheimlich wirkte.

#443 Koikun

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Posted 27 August 2017 - 02:02 PM

[Ikarus | Lighthalzen, Altjahrestagsfeier | Tag 65, Abend]

"Es scheint ein Plan existiert - gehen wir davon aus, die Ereignisse folgen dem Plan."
Rincewind Wetterwachs' Aussage erschien Ikarus, der ihn und seine Leute am Bahnhof zusammengetrommelt hatte, um sie in die Absichten ihrer Gildenleiterin Tea einzuweihen, willkommen. Ikarus hatte seine Entscheidung getroffen und tischte ihnen nicht die Wahrheit, sondern eine Lüge auf. Das grundlegende Vorhaben, das er erläuterte, existierte zwar, doch war das Signal, das er mit Tea vereinbart hatte und das sie nach erfolgreicher Kontaktaufnahme mit Riwalon Rowenberg absenden sollte, damit er sie aus dem Rekenber Corporation Hauptquartier holte, nicht das, was er ihnen formulierte. Er log jedoch nicht aus Misstrauen, ganz im Gegenteil: Er wollte diesen Leuten vertrauen, die mit ihm die Gilde teilten und denen Tea augenscheinlich längst zu vertrauen gelernt hatte. Er wollte ihnen zutrauen, dass sie richtig handeln würden. Dass sie dafür kompetent genug waren. Konfrontiert mit ihrem Misstrauen ihm gegenüber war ihm klar, dass er ihnen vertrauen konnte.
"Wir werden sehen, wie wir uns beteiligen," liess Jonah die Zusammenarbeit offen und Ikarus schaute ihnen angespannt hinterher, Jonah, Arhat, Emilia...
Sie waren beobachtet und abgehört worden. Mit seinen sensiblen Katzenohren hatte Ikarus diesen Umstand am Bahnhof realisiert. Trotzdem hatte er die Lagebesprechung ohne Unterbruch fortgeführt. Eine Option wäre gewesen, die Entdeckung mit Jonah & Co zu teilen. Seine Einschätzung hatte dies aber rasch ausgeschlossen. Er war in keiner Position, um Unterstützung im Kampf gegen ein Feindbild zu fragen, das sie nicht teilten. Ausserdem wäre dadurch die gesamte Gilde in den Fokus geraten. Das Offenhalten der Zusammenarbeit konnte im Gegensatz zulassen, dass sie sich wieder zerstreuten und noch nichts gegen den Rest der Gilde vorlag. Dass der Rest der Gilde selber entscheiden konnte, ob er sich in dieses Unterfangen stürzen wollte.
Nur gegen ihn, nur gegen Ikarus sollte sich der Blick der Beobachter konzentrieren. Denn jemand musste diese beseitigen. Die Beobachter hatten erfahren, dass Tea in das Rekenber Corporation Hauptquartier geschmuggelt worden war. Es war zu befürchten, dass sie alles, was sie erlauschten, augenblicklich an ihre Zentrale weiterleiteten. Er hoffte, dass Tea klar kommen würde, liess sich dadurch aber nicht verunsichern und wollte tun, was er tun konnte.
Er wollte das Feindbild nicht unterschätzen. Die Rekenber Corporation baute auf Wissenschaft und Technologie. Gut möglich, dass sie das Wellennetz der Stadt manipulieren und folglich die Distanzkommunikation der Menschen beeinflussen konnte. Dass sie den Kommunikationskanal einer Gilde entern und stören konnte. Aus diesem Grund hatte Ikarus ein falsches Signal formuliert. Er war davon ausgegangen, dass die Rekenber Corporation das Signal selber aussenden wollen würde, um die Gilde in eine Falle zu locken.
Er hatte sich mittlerweile zwei Aufgaben auferlegt: Einerseits musste er die Beobachter erledigen, andererseits musste er verhindern, dass die Rekenber Corporation das Signal aussendet, denn auch wenn dieses falsch war, Jonah & Co wussten das nicht und würden ihm eventuell folgen. Er musste auch die weiteren Schritte seine Idee unbedingt in die Tat umsetzen.
Ohne Umschweife rauschte Ikarus durch den Bahnhof, die Beobachter hatten nicht bemerkt, dass sie längst lokalisiert worden waren, weshalb sie gefunden und gestellt wurden. Ikarus erledigte sie. Was nun geschah, konnte somit nicht mehr an ihre Zentrale weitergeleitet werden. Das war ausserordentlich wichtig.
Bevor er sie versteckte, rüstete er das Peco mit Messern aus und jagte es davon. Es war leider nicht auszuschliessen, dass die anderen trotz fehlender Zusammenarbeit weiterhin verfolgt werden würden. Deshalb jagte er das aufkrächzende Peco auf die Spur Emilias, um sie zu unterstützen.
Nachdem er Emilia seinen verlängerten Arm gereicht hatte, eilte er auf das Gelände des Hauptquartiers. Von dort wurde das Signal erwartet. Ikarus wollte nicht zulassen, dass Rekenber die Falle stellte, um der Corporation zuvorzukommen, wollte er es selber absenden. Das musste er von hier aus tun. Es konnte vielleicht ermittelt werden, von welcher Position das Signal verschickt wurde, der Absender hingegen konnte wohl kaum definiert werden. Dass die Beobachtung am Bahnhof stattgefunden hatte, zeigte ihm, dass sein Abzeichen noch nicht von ihr registriert worden war, ansonsten hätte sie ihn sicher schon vor der dortigen Besprechung aus dem Verkehr gezogen, um die Ausbreitung seiner Gedanken zu verhindern.
Ikarus liess Rekenber ein Signal ausgehend von einem unbestimmten Abzeichen auf ihrem Grundstück sehen und dadurch glauben, dass Tea das Signal entsandte. Die anderen Gildenmitglieder jedoch konnten den Absender erkennen. Sie erkannten, dass das Signal von Ikarus entsandt wurde.
Jonah hatte die Unsicherheit des Signals thematisiert und damit auch die Gedanken ihrer Freunde ausgesprochen. Sie hatte damit den Punkt angesprochen, den jetzt Ikarus auszunutzen wusste. Er vertraute darauf, dass sie dem vom falschen Absender entsandten unsicheren Signal nicht folgen würden. Er vertraute ihrem Misstrauen.
Er liess das Abzeichen liegen, damit er seine Bewegungen versteckt vollziehen konnte, und fand sich wieder am Bahnhof ein. Es dauerte nicht lange, da marschierten Soldaten ein. Angeführt von einem älteren Herren. Einer der zwei Bodyguards von Adam von Dieffenbach: Ariano Rhoad. Dieser Kerl tauchte höchstpersönlich im Geschehen auf, das bedeutete, dass Tea mittlerweile als Bedrohung für den Präsidenten eingestuft wurde.
"Niemand folgt eurem Hilferuf...," erfasste Ariano Rhoad. Er glaubte wirklich, dass das Signal von Tea gekommen war und dass Ikarus als Folge die anderen wie vereinbart am Bahnhof erwartete. Die Rekenber Corporation, die Ikarus mit der Regierung gleichsetzte, hatte sich auf das falsche Signal vorbereitet und erwartete hiernach keine weiteren Bestrebungen gegen ihre Ambitionen mehr, ganz egal ob sie die Falle gestellt hätte oder wie nun eine Zusammenkunft der Gilde zu erwarten gewesen war, sie wäre hier aufgekreuzt, um den Fortschritt des Plans zu unterbinden. Sie würde nicht auf das wirkliche Signal vorbereitet sein. Nichts stand dem wirklichen Signal mehr im Weg. Sollte die Entwicklung der Geschehnisse von den anderen zumindest im Ansatz durchschaut werden und sollte sich eine Zusammenarbeit ergeben, würde die Gilde frei agieren können. "...ganz egal ob sie mir folgen oder nicht," erwiderte Ikarus dem Bodyguard, "So lange sie ihren Grundsätzen treu folgen, bin ich davon überzeugt, dass ich auf sie zählen kann!"
Er hatte nicht den Hauch einer Chance gegen diesen Mann und wurde gefangen genommen. Angekettet und erwachend in einer eisernen Glocke versickerte er in der absoluten Dunkelheit im Untergrund der helllichten Stadt.

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#444 nEmai

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Posted 30 August 2017 - 08:34 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - bis 24 Uhr]

Wolfgang hatte nach der Rückkehr von seinem Rundgang berichtet - er hatte den Eindruck, dass die Bewohner der Slums etwas im Schilde führten. Die Lage sei angespannt. "Und was genau meinst du damit?", fragte Yuen. "Sie sind aggressiv. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht beim Blechbüsen-Kicken und herumfluchen bleibt", entgegnete Wolfgang. Yuen nickte nachdenklich: "Was genau machen die Leute?" Der Clown schmunzelte: "Waffen." Diese knappe Antwort wurde nach einem durchdringenden Blick Yuens und den anderen ergänzt: "Speere aus einfachen Holz- und Metallstäben. Glasscherben fixiert an Keulen. Abgeschliffene Metall-Teile als Dolche und Messer. Ihr versteht schon."
Jetzt, da er das Ausmass verstand, wollte Yuen das Ziel des Angriffs kennen und erfragte dies auch. "Nun, wie gesagt konnte ich nicht ganz eindringen. Aber ich musste nicht viel zusammenzählen, um zu verstehen, dass hier gegen die Obrigkeit vorgegangen werden will." - "Ein Angriff auf den König?", versuchte Yuen einzugrenzen. "Gut möglich. Ich weiss nicht, inwieweit fokussiert die Wut ist. Im Ganzen habe ich das Gefühl, dass sie sich gegen Lighthalzen aufbäumen wollen. Wer auch immer dann im Weg steht." Der Assassine hakte nach: "Du glaubst also, dass auch das Volk von Prontera angegriffen wird?" - "Ich bezweifle es", kam es ziemlich schnell, "Die werden vermutlich genug Lärm und Unruhe stiften, sodass sich die normalen Bürger verduften. Das Ziel sehe ich wie gesagt in der besseren Schicht. Ausserdem sind es nicht genug Leute, um das Volk von Prontera anzugreifen. Und der Präsident scheint nur ein allzu dankbares Einzelziel zu sein." "Aber, wieso tun sie das?", fragte Roy verwirrt und besorgt. Wolfgang holte aus, seufzte dann jedoch nur. "Die kurze Antwort? Lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende. Sie wurden jahrzehntelang unterdrückt. Heute Abend sehen sie die Chance auf einen Neuanfang, oder zumindest auf ewige Ruhe."
"Wie schätzt Du sie ein? Ist unsere Position gefährdet?", bedurfte es Yuen nach taktischen Informationen. Wolfgang schüttelte den Kopf: "Es wird wohl ziemlich unkoordiniert sein. Das einzig Schlimme ist, dass König Riwalon vermutlich ins Kreuzfeuer gerät." Der Assassin hatte genug gehört und bedankte sich für den Lagebericht. Solange sie hier fürs Erste unerkannt blieben war es ihm egal, was draußen vorbereitet wurde. Aber dennoch - er wusste nicht wie er einen möglichen Aufstand der Slumbewohner einschätzen sollte. Er wusste nicht, ob er hilfreich würde oder nicht. Eines stand jedoch fest - Eine Planung machte das nicht gerade einfacher.

"Also was ist der Plan?", fragte Jonah, nachdem sie sich vom verhangenen Fenster abgewandt hatte. Sie hatte Wolfgangs Ausführungen gelauscht aber auch das Treiben draußen durch einen geöffneten Spalt im dichten Vorhang beobachtet. Sie blickte in mehr ratlose als determinierte Gesichter. "Yuen du hast vorhin von einem Plan gesprochen", wiederholte sie. Der lachte stumm. "Das bedeutet nicht, dass ich einen im Ärmel habe. - Ich meinte dass unser Singvogel den Plan, den wir aushecken werden, nicht wissen muss." - "Hm", erwiderte Jonah etwas unzufrieden. Sie saßen gefangen in einem immer größer werdenden, wuselnden Haufen von Menschen. In einem stetig gefährlicher werdenden Pulverfass, wenn man Wolfgangs Eindruck Glauben schenkte. Erneut wagte sie einen Blick durch einen Spalt im Vorhang. Sie verzog die Mundwinkel. Bei so vielen Menschen war es schwierig vom Einzelnen ungesehen zu agieren. Jedoch umso leichter in der Menge unterzugehen. Trotzdem unzufrieden ging sie einge Schritte auf und ab.
"Wir wollen Markos und Emilia retten", begann sie leise. "Der König kommt in die Slums - wenn wir ihn überzeugen könnten, ein Machtwort zu sprechen, könnten wir Emilia und Markos sofort aus ihrem Gefängnis befreien. Immerhin herrscht ein Bündnis zwischen den Ländern - wenn es eine Sache des Königs ist, wird Lighthalzen ihr Gehör schenken." - "Das Problem ist, warum sollte der König uns Gehör schenken", konstatierte Wetterwachs wenig optimistisch, "Er wird gut bewacht sein. Bei ihm wird auch Präsident Dieffenbach sein. ...und wir gelten jetzt schon als Terroristen. Und wenn es dann auch noch Aufstände gibt..." - Jonah blickte einen Moment ins Leere. "Das ist der springende Punkt", meinte sie in Gedanken, "Wir müssen den König dazu bringen uns zuzuhören - und wenn wir ihn zu seinem Glück zwingen müssen..."

Mit jeder Minute, in der Mitternacht näher rückte, konnten die Gruppe das Anwachsen der Gästezahl hier in den Slums verfolgen. Die Flüchtlinge aus Prontera trudelten, zusammen mit den weiteren Menschen, die aus Midgard angereist waren, von den Festivitäten in der Stadt in den Slums ein um zu feiern. Am Tor zwischen Stadt und Slums war eine Grosszahl Soldaten zusammengekommen, um zu garantieren, dass keine Menschen aus Lighthalzen die Slums betraten. Wolfgang meinte, dass dies die höher gestellten Menschen öfters einmal versuchten, da man infolge der erhöhten Lage der Slums das Feuerwerk besser sehen könne. Dieses Privileg schien heute aber den Menschen von Midgard zuzustehen, als ein an sie gerichtetes Geschenk und Zeichen der Gastfreundschaft von Schwartzvald.
Das Volk von Schwartzvald konnte das Feuerwerk jedoch problemlos aus der Stadt oder von den nördlichen Feldern Lighthalzens aus beobachten.
Jonah hatte sich indessen auf das Dach der Hütte begeben. Es war dunkel und sie lag unter einer zerfetzten Decke, die eine dem Dach sehr ähnliche Farbe hatte. Es war kaum möglich sie zu sehen - man hätte schon wissen müssen, dass sie da war. Sie hatte von hier oben einen noch besseren Blick in das Herz der Slums, ebenso nach Lighalzen und auf die Anhöhe. Doch eines hatte sie nicht - einen guten Plan. Sie beobachtete das Treiben unter den Fackeln der Straßen. Es war brechend voll. Immerhin war Prontera auch ohne den Anteil von Soldaten und Kampfbewandten, die mit Prontera verschwunden waren, sehr gut bewohnt und die Flächen der Slums im Vergleich nichts. Die Slumbewohner schienen sich derweil verschanzt zu haben. Was bei diesen genau vorging, war mit der grösser werdenen Menschenmasse immer schwieriger zu sagen. Wolfgang schien recht zu behalten. Jonah biss sich auf die Unterlippe. Wenn ihr nichts besseres einfiel, müssten sie und Yuen improvisieren - ein Aufstand des Volkes käme hier sehr zu Hilfe. Das Militär wäre abgelenkt. Vielleicht gab es sogar tatsächlich Angriffe auf den König - damit wären auch die Leibwachen abgelenkt.
Je mehr Jonah darüber nachdachte, desto mehr überlegte sie, ob es möglich war einfach einen größeren Aufstand anzufachen, wenn es doch keinen gab.

Die Zeit zu Mitternacht schloss sich - es war nicht mehr lange. Jonah sah bereits das angekündigte Luftschiff. Langsam und gemütlich senkte es sich über Lighthalzen ab. Es setzte offenbar bei der Rekenber Corporation kurz an um dort König und Präsident aufzunehmen. Der Aufenthalt war nicht lang. Sie informierte Yuen, der ihr Kontkat nach unten war. Der wiederum hielt die anderen auf dem Laufenden.
Nur wenig später hob das Luftschiff wieder ab. Es war keine Bewegung zu erkennen gewesen - dafür war die Sicht nicht gut genug gewesen. Lediglich mehr Licht war an Bord an. Es hielt nun langsam und sehr tief auf die Slums zu. In der Geschwindigkeit würde es recht pünktlich zu Mitternacht landen.
Es setzte gerade an die Stadtmauer zu passieren - da ereignete sich etwas seltsames. Zuerst war es nur auffällig - doch dann traute Jonah ihren Augen kaum. Sie wollte fast die Decke von sich werfen und aufspringen - ließ es aber. Stattdessen beorderte sie Yuen sofort hoch - er musste das auch sehen - und die anderen eigentlich auch. Sie war es. Jonah sah Emilia am Bug des Luftschiffs, wie sie sich über die Reling in ihre Richtung lehnte und in unsäglicher starker Stimme und für jeden in den Slums infolge ihrer Marktschreier-Fertigkeiten hörbar schrie, dass diese sofort evakuiert werden müssen. - Die Nacht nahm ihren Lauf.
Keihaku
nEmai

#445 Koikun

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Posted 31 August 2017 - 09:20 PM

[Ikarus | Lighthalzen, Altjahrestagsfeier | Tag 65, bis 24 Uhr]

Ikarus horchte auf. Gefesselt und in absolute Dunkelheit gebettet hatte er sich tief in seine Gedanken getaucht, doch nun glaubte er, eine altbekannte Stimme zu hören, ein hübsches Flüstern in der Distanz, das ihn einerseits auftauchen, andererseits Besorgnis atmen liess.
"In meinem Kopf dreht sich immer noch alles...," murmelte die Stimme, "Was ist nur passiert...?"
"Emilia, bist du das?," rief Ikarus aus, "Haben sie dich etwa doch auch in ihre Fänge bekommen?!" Er hatte mit der Entsendung seines Pecos alles getan, was er für sie hatte tun können, er hatte gehofft, wenn er sie nicht über ihre Verfolger informieren würde und eine Zusammenarbeit offen lassen würde, um ihnen ihre Freiheit zu lassen, würde es einzig ihn erwischen. Trotzdem war Emilia nun gefangen, genauso wie er. Dieser Regierung ging es offensichtlich nicht um tatsächliche Schuld. Der geringste Verdacht liess diese Leute bereits einschneidende Massnahmen ergreifen. Nicht das geringste Risiko wurde in dieser Stadt geduldet. Und wenn man den Gerüchten um die finsteren Machenschaften in dieser Stadt glauben sollte, stellten Risiken sogar nur Ausreden für ebendiese Massnahmen dar.
"Ich habe noch versucht, mich zur Wehr zu setzen," zeigte er auf, "Wie weit ich gekommen bin, ist ersichtlich. Wahrscheinlich jagen sie genau jetzt auch die anderen Mitglieder unserer Gilde." - "Die anderen werden uns zu Hilfe kommen. Bestimmt," hörte er sie sprechen. Ikarus stockte. Wohl wahr. Entgegen seiner Hoffnung war den anderen die eigene Entscheidung über ihren Einsatz abgenommen worden. Durch die Gefangennahme ihrer Freunde wurden sie in dieses Unterfangen gezwungen. Er biss die Zähne zusammen.
Die anderen würden sich sicher für Emilia einsetzen, die Frage war, was sie tun konnten und tun würden und inwiefern Tea's Signal sich in die Sache miteinfädeln würde. Es würde klar sein, dass Ikarus etwas zugestossen war, aber das würde nichts mehr bewirken, da es bereits darum ging, Emilia zu befreien.
Wenn Tea's Signal ohne Emilia's Gefangennahme erschallt wäre, hätten Jonah & Co sich nicht für den gefangenen Ikarus eingesetzt, das glaubte er plötzlich zu wissen. Ausserdem: Was hätten sie tun sollen? Der Plan wäre gewesen, mit Ikarus' Techniken Tea aus dem Hauptquartier zu holen, das wäre mit ihm im Kerker weggefallen. War sein Vertrauen in sie letztlich derart blind gewesen, dass er ihnen eine unwahrscheinliche, unmögliche Aktion überlassen hatte?
Für den Plan war Emilia's Gefangennahme der günstigste Umstand, den Ikarus sich hatte erspielen können. Er hatte mit seinen Zügen auf diesen zweiten Blick zwar verloren, aber er hatte versucht, die bestmögliche Ausgangsposition für den Plan zu erspielen, ohne Emilia in Gefahr zu bringen. Er hatte so hoch gepokert, dass es Emilia erwischt hatte, was jedoch dem Plan in Form der Unterstützung der anderen einen unerwarteten Joker zugemischelt hatte.
Er erhaschte, wie Emilia abgeführt wurde, und er schwor sich zerknirscht, zumindest diese Fehlkalkulation wieder geradezubiegen. Zumindest diese, das schwor er sich, als in ihm das Bild eines weiten Feldes von riesigen Mangrovenbaumblättern aufblitzte, das er erklommen hatte, um Zuflucht zu suchen, nur um schliesslich Verlust zu finden. Er wollte Emilia befreien und beschützen.

Er zuckte aus seinem zermahlenden Hirngewinde auf, als sich aus dem Nichts ein Schlüssel im Schloss drehte. Jemand trat in seine Zelle. Er konnte sich nicht wehren, musste sich allen Händen überlassen, die nach ihm suchten, worauf weitere Drehungen von Schlüsseln ihn von Schellen und Glocke befreiten. Die schweren Fesseln wurden zu Boden gelegt und wie aus der ewigen Finsternis erhoben wurde er in der spärlich beleuchteten Zelle geblendet durch Emilia. Seine Augen erbebten und er fühlte sich aus heiterem Himmel schwach wie nie zuvor, er dachte, er würde sich unter ihren Blicken niemals mehr erheben können.
"Ich fürchte...," murmelte er in das engelshafte Blenden gekehrt, "Meine Beine... geben nix mehr her..." Es war wie ein ersehnter Morgen nach einer tausendjährigen Nacht, wie das begehrenswerte Licht einer Sonne am Ende eines meilenweiten Tunnels.
"Was meinst du?," wollte Markos daneben wissen, die Eile im Sinn habend. "Ikarus, kannst du gehen?," wandte sich Emilia an den Befreiten, "Wir haben ein paar Schlüssel und müssen hier augenblicklich weg!"
"Wie genial...," murmelte Ikarus, "Du bist die Beste...!" - "...?"
Diese Worte. Ikarus realisierte das Déjà-vu nicht. Er realisierte nicht, dass er sich erhob. Aus den Schatten der Vergangenheit. Vom Boden. Er erhob sich neben Emilia und setzte Fuss vor sie und sprach mit ernster Miene: "Aber ich kann mich nicht immer von dir beschützen lassen. Auch ich habe mich vor dich zu stellen, wenn es notwendig ist. Wir haben auf Gegenseitigkeit zu beruhen, nicht du oder ich sind, wen wir beschützen müssen. Wir müssen uns beschützen." - "...?"
"Wovon genau redest du?," bleckte Markos mit der Ernsthaftigkeit mitziehend, sich vor Ikarus stellend, dieser bemerkte den Schwertkämpfer erst jetzt und er blinzelte wie aus einem Tagtraum erwachend. "Wir...," antwortete Ikarus, schluckend, "Wir müssen hier weg." Da entdeckte er im Flur hinter Markos überrascht eine dritte Person. Er konnte es kaum glauben, war aber heilfroh, sie unversehrt wiederzusehen: Tea.
"Wir?," warf Markos ihm zu, "Ich bin mir nicht sicher, wen du in deinem Wir miteinbeziehst."
"Er meint die Gilde," fand sich Emilia an seiner Seite ein, "Nur deshalb sind wir hier, nicht wahr?"
"Emilia!," wandte sich Ikarus wieder an die Händlerin, "Ich bin froh, dass es dir gut geht!" - "Markos hat uns befreit," erwiderte sie, "Er hat für uns gekämpft und uns diesen immensen Vorteil erspielt." - "...!"
"Tea hat dich befreien wollen," betonte Markos und Ikarus rauschte mit seinem Blick zurück zur schweigsamen Leiterin ihrer Gilde. Die Gilde. Sie und die anderen. Der Plan.
Während er nicht auf sie eingegangen war, hatte Tea seine Reaktionen in der Zelle aufmerksam verfolgt. Jetzt kritzelte sie Worte auf ein Stück Papier und wies sie ihm vor: "Kann ich auf dich zählen?" Er erschauderte fürchterlich und in ihm pochte sein altbekanntes Verlangen auf. Der altbekannte Wunsch seiner Rasse, seiner Heimat, von ihm, von ihr und ihrem Miteinander, das nicht mit ihr gestorben war, als sie ihn, nein, diesen Wunsch beschützt hatte. Er durfte nicht im Angesicht der Erinnerung erzittern, denn mit dem vorliegenden Plan konnte er ihr Erbe in die Zukunft tragen: "JAWOLL!!"

Tea hatte von der Gefangennahme ihrer Leute erfahren und hatte sich aus diesem Grund durch das Labyrinth der unterirdischen Flure begeben, um sie zu unterstützen. Ausserdem wollte sie sie für die Weiterentwicklung des Plans mit an Bord nehmen, dass sie das wortwörtlich meinte, sollte später unterstrichen werden.
Durch ihre Bestrebung war sie auf Markos und Emilia getroffen, die für ihre Freiheit gekämpft und sie zusammen mit Schlüsseln und Gildenabzeichen errungen hatten. Letztere wollten sie aber nicht benutzen, denn sie hatten von ihrem Gegner erfahren, dass dieser Kommunikationskanal ein zweischneidiges Schwert war.
Markos und Emilia hatten etliche Fragen, deren Antworten sie am liebsten sofort von Tea aufgetischt bekommen hätten, diesbezüglich hatten sie aber aufgrund der Situation Prioritäten setzen müssen, weshalb die Frage nach einer Fluchtmöglichkeit aus diesem Kerker als am allerwichtigsten eingestuft worden war.
Wie Ikarus nun erfuhr, hatte Tea tatsächlich erfolgreich Kontakt mit Riwalon Rowenberg aufgenommen. Er fragte sie nicht nach Uljas Purjehtia, der das Ziel des ihren Verlangens darstellte und wegen dem sie hergekommen war. Er fragte nicht, was sie von Riwalon Rowenberg erfahren hatte, denn auch er erkannte die korrekten Prioritäten und der Mangel an Zeit, der auch von ihr bedacht wurde, dies jedoch aus einem anderen Grund. Aus dem Grund, dass ihre Fluchtmöglichkeit alsbald verschwunden sein würde.
Tea entfaltete weitere Papiere. Unerwarteterweise waren auf ihnen magische Symbole, Runen in bestimmter Anordnung aufgezeichnet. Sie beherbergten eine besondere Magie. Als sie mit Riwalon zusammengekommen war, hatten sie auch die Wege aus der Rekenber Corporation besprochen. Riwalon hatte eine Magie erwähnt, die er und sein bester Freund Indra Lunev von einem Meister der Illusionen, dem Oberbefehlshaber Eldras Moorgana dereinst gelernt hatten. Nicht nur hatte Tea in dieser seinen Magie die jene Technik erkannt, die Rata und Faran von Riwalon und Indra Lunev gelernt hatten, um sich unauffällig als Menschen in der Welt der Menschen zu bewegen, nein, sie hatte sich zudem an Eldras Moorgana erinnert, der sie und die Gruppe um Hlynur Jasminko damals von ihrer Mission des Global Project von der Vierjahreszeiteninsel eskortiert hatte. Wie bereits bei jenem Abenteuer standen sie heute schon wieder in einem Konflikt mit der Rekenber Corporation und dadurch Schwartzvald und schon wieder schien dieser Mann die rettende Hand zu bieten. Damals jedoch hatte er sich infolge des Waffenstillstandes und in Zusammenarbeit mit Schwartzvald im Rahmen des Krieges gegen Arunafeltz aufgemacht, um ihren Konflikt mit der Rekenber Corporation zu beenden. Ob es auch dieses Mal auf ein friedliches Ende hinauslaufen konnte, war fraglich.
Selbstverständlich konnte keine Magie innert kürzester Zeit gelehrt werden, weswegen Riwalon vorgeschlagen hatte, Pseudo-Zauberschriftrollen herzustellen, indem er den benötigten Zauberspruch für eine einmalige Verwendung auf Papier festhielt. Leider hatte ihm dafür Papier und Schreibwerkzeug gefehlt. Glücklicherweise war genau das, was Tea fortwährend mit sich führte.
Riwalon's Magiebewandtnis war beschränkt. Durch ihn beschworene Magie war minimal und hatte eine zeitliche Grenze.
Tea generierte die Illusion einer Gruppe von Soldaten, als es als solche zurück zu Riwalon gehen sollte, wunderte sich Ikarus, weshalb sie nicht einfach aus dem Gebäude marschieren konnten. Tea brachte als Erklärung auf, dass sie im Gebäude gesucht wurde und dass womöglich sogar schon nach ihnen gesucht wurde. Alle Ausgänge wurden vielmehr bewacht und geschützt als die Räumlichkeiten der Rekenber Corporation. Dadurch wurden sie in diesen gefangen gehalten und ihre Verfolger konnten ihrer Arbeit gründlich und ausgiebig nachgehen.
Es stellte sich heraus, dass Tea Ikarus' falsches Signal ebenfalls vernommen hatte. Er hatte nicht daran gedacht, auch wenn es logisch war. Er hatte automatisch angenommen, dass sie aufgrund ihrer Verfolger nicht in der Lage war, zu agieren. Das Gegenteil war der Fall: Sie hatte vollkommen frei agieren können, denn sie hatte erfolgreich Kontakt mit Riwalon aufgenommen und hatte sich bei ihm im Zimmer aufgehalten, auch wenn es für seinen Nebenmann Markos keinen Sinn machte, dass sie dann noch verfolgt wurden. Wenn ein Bündnis mit Schwartzvald vorlag und der Kontakt mit Riwalon erfolgreich gewesen war, er ihnen sogar unter die Arme griff, warum wurden sie dann noch verfolgt? Ein Machtwort eines Bündnispartners erschien Markos mächtig genug, um den Konflikt zu beenden. Es schien aber nicht in Betracht gezogen worden zu sein.
Es war gut, dass Tea Ikarus' falsches Signal vernommen hatte, dass er sich dafür entschieden hatte. Dadurch hatte sie sich mit ihrem Signal vorerst zurückzuhalten gedacht. Sie war davon ausgegangen, dass Ikarus etwas zugestossen war und dass der Weg, sie aus der Rekenber Corporation zu holen und den er dargestellt hatte, weggefallen war. Hätte sie ihr Signal entsandt, wäre sie wahrscheinlich gefunden worden. Es war gut, dass er gehandelt hatte. Er lächelte.

Sie hetzten aus dem unterirdischen Labyrinth und nach oben in die palastgleichen Hallen der Rekenber Corporation. Die prunkvolle Ästhetik einer klassischen Moderne schlug ihnen entgegen. Es war geradezu ein Umsturz der Szenerie. Unter den wachsamen Augen der Angestellten rückten sie über roten Teppichen und unter schattenwerfenden Kronleuchtern zu ihrem Ziel vor, zum Zimmer, in dem Riwalon untergebracht war und das sich am Ende eines Ganges befand, der von einem grossen Brunnen abging und der nicht weit abseits vom kolossalen Tor des Präsidentenbüros abwinkelte. Sie täuschten die Wachen und drangen ein.
König Riwalon Rowenberg sass am anderen Ende der makellosen vier Wände auf einem gemachten Bett. Markos blendete alles darum herum ohne Wenn und Aber aus und sank hernieder auf die Knie, auch Emilia folgte diesem Zollen von Respekt dem eigenen Herrscher gegenüber, während Ikarus und Tea stehen blieben und Riwalon aufschaute, die Hand erhebend und sie bittend, wieder aufzustehen: "Wenn sich jemand verbeugen sollte, dann wäre dies ein Herrscher seinem Volk gegenüber, das ihm seine Macht und folglich das Vertrauen eines ganzen Reiches in die Hände gegeben hat."
Ikarus sah, dass sich Riwalon nicht verbeugte. Dann war dieser Herr wohl der Meinung, dass sich niemand verbeugen sollte, dass allesamt gleichwertig waren. Rata und Faran hatten von den Ambitionen dieses ihren Freundes erzählt. Denn das schien er zu sein. Er war kein gewöhnlicher Herrscher. Er war ein Freund.
"Es ist uns eine Ehre," sprach Markos erfüllt mit Bewunderung, sich zusammen mit Emilia wieder erhebend, wobei er erkannte, dass Riwalon nicht mehr wie bei der Rede vor dem Gebäude die lockere Kleidung eines Volkmannes trug und stattdessen vollends in die edle Rüstung seines Runenrittertums gefasst war. Das erkannte auch Ikarus und beide Männer empfanden in diesem Zusammenhang etwas als verkehrt.
"Wie lange wird Ihre Magie anhalten?," fragte Ikarus ohne Umschweife, denn Zeit war bekannterweise Mangelware. Er konnte es sich nicht leisten, Aspekte zu hinterfragen, die nicht zu ihrer Flucht beitragen konnten. Und die Flucht war, auf was auch er pochen wollte. Das war er Emilia schuldig. Für sie und die anderen war es ihm immer von Wichtigkeit gewesen, ihnen die Freiheit einer eigenen Entscheidung zu belassen. Sie waren nicht freiwillig in dieses Unterfangen gestürzt worden. Ausserdem machte Tea den Eindruck, bekommen zu haben, was sie verlangt hatte. Alles weitere würden sie immer noch in aller Ruhe besprechen können, sobald sie die Gefahrenzone verlassen haben sollten.
Tea hatte ihnen ihre Fluchtmöglichkeit erklärt. Um den Schutzwall von Sicherheitsvorkehrungen um die Rekenber Corporation zu passieren, hatten sie einen bestimmten Moment abzupassen. Die Feierlichkeiten von Lighthalzen's Altjahrestagsfeier sahen vor, dass Riwalon Rowenberg für ein Feuerwerk die Slums besuchte. Die Methode hierfür sollte ein Luftschiff sein, das vom Grundstück der Corporation starten würde. "Für diesen Moment werden sich die Sicherheitsvorkehrungen wie zu einem Tunnel vom Gebäude zum Luftschiff formen," hatte Ikarus richtigerweise begriffen, "Er wird sicher von Soldaten begleitet werden, also können auch wir uns auf das Luftschiff bewegen und auf diese Weise in die Slums gelangen. Das ist unser Weg in die Freiheit!" - "Was ist mit Sicherheitsvorkehrungen in den Slums?," hatte sich Markos gewundert, "Sie werden den König sicher nicht ungeschützt in die Slums ziehen lassen." - "Dafür werden sicherlich die Soldaten verantwortlich sein, die mit ihm in die Slums reisen, das heisst, das wir uns mit der sich formenden Positionierung der Soldaten zerstreuen können, die Slums an sich werden keinen Wall an Massnahmen wie die Rekenber Corporation erwarten dürfen." Markos hatte ihn erst irritiert, dann intensiv angeschaut.
"Meine Magie wird euch bis auf das Luftschiff Schutz offerieren," beantwortete Riwalon die Frage, dann auf Tea's Papier weisend, "Auf dem Luftschiff werdet ihr euch verstecken müssen. Sobald das Luftschiff in den Slums von Lighthalzen landet, generiert ihr die Illusion erneut und ihr seid frei."
Markos hielt inne. "Worauf genau zielen Sie mit dieser Formulierung ab?," äusserte er seine Sorge, "Sie sprechen, als würden Sie sich um unser Wohl bemühen, als würden Sie um uns Sorge tragen und das will ich in keiner Form bezweifeln. Ich kann jedoch unmöglich davon absehen, dass dies die Voraussetzung hat, dass Sie unsere problematische Situation anerkennen." Er zweifelte nicht an der freundschaftlichen Hand seines Herrschers. Er zweifelte an der Fassade eines weitaus grösseren Gebildes. "Aus welchen grotesken Gründen können Sie uns nicht einfach freisprechen?"
"Markos!," brachte sich Ikarus ein, "Das hier ist Schwartzvald, nicht Midgard!" - "Er hat aber Recht," kam Emilia dazwischen und Ikarus erfasste sie aus Augen, die schliesslich verstanden, "Schwartzvald und Midgard haben ein Bündnis geschlossen. Wenn wir eine Einheit sind, warum wird dann getrennt geurteilt?" Sie hatten Recht.
Sie hatten schon länger etwas, etwas, das sie nicht definieren konnten, als verkehrt aufgefasst. Etwas hatte auch ihnen gegenüber nie ganz und gar gestimmt. Doch sie hatten nie hinter die verlogene Fassade zu blicken vermocht.
"Ich bin ein Gefangener."
Markos, Emilia und Ikarus erstarrten ob dieser Aussage von Riwalon Rowenberg. Aus der entferntesten Distanz blitzte ihnen die Wahrheit entgegen. In dieser Entfernung war es noch unmöglich, sie zu greifen. Es war schwierig, ihr zu folgen.
Es verblieben bloss noch wenige Minuten bis zum Aufbruch, bis die Soldaten ihn abholen würden, um ihn in die Slums von Lighthalzen zu geleiten.
"Ich, Midgard, wir sind um unsere Freiheit betrogen worden," sprach er mit düsterer Miene, "Niemals sind wir mit offenen Armen empfangen worden, nachdem Arunafeltz Prontera attackiert hat. Meine letzte Erinnerung ausserhalb dieses Zimmers sind die Tage vor der Evakuierung. Wann immer ich seither dieses Zimmer, diese Zelle verlassen habe, dann ist es mir schwarz vor Augen geworden. Ich kann mich an keinen Funken Freiheit in Lighthalzen erinnern!"
Aschfahl spiegelte sich in Markos' Augen sein Herrscher wieder, das Haupt in Wehmut gesenkt, keinerlei Hoffnung mehr ausstrahlend. Er schlussfolgerte, dass es entsprechend der Worte keinen Sinn machte, sich nach den Vorhaben Schwartzvalds zu erkundigen. Nach den Abscheulichkeiten, die sich fern ihres Verständnisses zusammengebraut hatten. Es existierte keine Einheit. Vergebens versuchten seine Gedanken, sich Bedeutungen zu krallen, doch alles, was sie umfassten, war abgrundtiefes Grausen.
"Warum...?," hauchte er, "Warum dann schliessen Sie sich ausgerechnet aus unserer Flucht aus?"
"Weil ich nicht weiss, was hinter der Schwärze lauert." Er konnte sich nicht erinnern, aber er hatte sein Zimmer dennoch dann und wann verlassen und mit seiner Antwort fiel Markos die Rede wieder ein, die Riwalon Rowenberg zusammen mit dem Präsidenten vor nicht allzu vielen Stunden abgehalten hatte. Wenn er so darüber nachdachte, erschien es ihm tatsächlich, dass sich Riwalon Rowenberg im Detail seltsam verhalten hatte. Sofern dies denn überhaupt Riwalon Rowenberg gewesen war. Mehr und mehr graute es dem Schwertkämpfer vor der dämmernden Wahrheit.
Sie hatten keine Zeit mehr. Mit bösen Vorahnungen wurden sie wieder zu Abbildern von Soldaten. Der König wurde von Soldaten abgeholt und durch das Gebäude nach draussen und an den riesigen Fassaden vorbeigeführt, sie hatten sich darunter gemischt und konnten ihn im Auge behalten.
Präsident Adam von Dieffenbach höchstpersönlich, begleitet von seinem Bodyguard Ariano Rhoad, hatte ihn vor seinem Zimmer erwartet. Er erschien genauso glanzvoll wie die gesamte Atmosphäre dieser glorreichen Stadt, gekleidet nur in die allerschönsten Stoffe, weiss und rein hatte er sie sich als goldverzierte Mauern um seinen makellosen Körper gezogen, der gekrönt wurde von seinen langen güldenen Haupthaaren. Bei der Rede noch hatte er die Freundschaft und den Frieden gepredigt. Nun hatte er aus kalten Augen auf seinen Gegenüber hinabgeschaut: "Ist dir zu Genüge zuteil geworden, was ich von dir verlange?" - "Jawohl," hatte Riwalon geantwortet. Adam von Dieffenbach hatte sich sogleich wieder abgedreht, um sich zurück in sein Büro zu begeben. "Ariano," hatte er sich noch an seinen Bodyguard gewandt, "Bevor ich mich zu meiner wohlverdienten Ruhe legen werde und du dich an deine Arbeit machst, kümmere dich auf der Stelle darum, dass diese Huren vom Dienst mich nicht erwecken. Es sei dir gutzuheissen, dass du die wissenschaftliche Abteilung ermahnt und erinnert hast, dass ich morgen keinen Sonnenstrahl in meinem Gemach gestatte, bis ich mich erhebe, aber das wird nicht reichen, auf sie ist letztlich kein Verlass und wenn du dich nicht hierum kümmerst, werde ich morgen wach sein, bevor die Nacht vorüber ist. Das wäre unverzeihlich. Unsereins ist für die hübschen Stunden aller Tage gemacht, nichts haben sie mit den Schatten gemein, die das Lichte begraben und einzig die Hässlichkeit sich wie ein Tumor ausbreiten lassen." - "Jawohl, mein Herr."
Riwalon hatte sich bedeutend seltsam verhalten. Er marschierte geradeaus seinen vorherbestimmten Weg, das Gesicht blankgeputzt von jeder Emotion. Es lag auf der Hand, dass er in diesem Zustand nicht bei Bewusstsein war, aber sie konnten nichts tun und mussten sich mit ihm und den Soldaten auf das Luftschiff begeben.
An Bord des Luftschiffes verschafften sie sich mit sofortiger Wirkung einen Überblick über die Sachlage, als das Gefährt auch schon abhob, um in die Richtung der Slums zu fliegen. In diesen wussten sie Jonah & Co, Ewan Sulisan hatte den Fakt erwähnt, dass sie dorthin getrieben worden waren. Und dass sie dort elendlich verrecken sollten. Markos und Emilia betrachteten diesen Wortlaut des Bodyguards mehr und mehr wortwörtlich und weniger als Benennung eines Wunsches.
An Bord hielten sich zu ihrem Entsetzen nur sehr wenige Soldaten auf. Von der Reling aus konnten sie mehr Soldaten am Tor zwischen der Stadt und den Slums als auf dem Luftschiff erkennen, was absurd und mit bitterer Erkenntnis verheissungsvoll war.
Sie hatten keine Wahl. Sie suchten Riwalon in seinem Kämmerlein auf und fanden ihn in der Abwesenheit seiner Sinne. Er reagierte nicht auf ihren Ruf an seinen Verstand. Der König in seiner prächtigen Rüstung war nicht einsatzbereit. Sie hatten ihren König verloren.
Sie durchsuchten die Räume des Luftschiffes. Sie fanden nichts. Ikarus war es, der darauf die Entscheidung traf, seinen Zauberspruch, der für die Flucht aus dem Luftschiff angedacht war, hier und jetzt zu verwenden. Er konfrontierte die Soldaten an Bord und erfuhr schrecklichstes. Es war nicht geplant, das Luftschiff landen zu lassen. In einem Scherz sprach ein Soldat von einem Feuerwerk der extravaganten Sorte. Von einer Ladung des Schiffes, die es in sich hatte: "Dieses Spektakel wird nicht so rasch vergessen werden, endlich wird das Volk unter unserem Herr Präsidenten geeint sein."
Als Ikarus den anderen Bericht erstatten wollte, stampfte Markos, der gelauscht hatte, aus seiner Deckung. Genervt im Angesicht der offengelegten Karten dieses Herrschers stellte er sich den Soldaten. Wutentbrannt über das hervorsickernde Gedankengut, das es bevorzugte, in einer zweigeteilten Gesellschaft die Grenzlinie zwischen den Seiten zu einem Schlussstrich zu definieren und alles dahinter ganzheitlich von sich zu brechen, um Geschlossenheit in die Finger zu bekommen, kämpfte er gegen das Feindbild an, das sich ihm offenbarte. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Er konnte seinen König unmöglich im Stich lassen. Für ihn und dessen Feindbild war er gewillt, in die Schlacht zu ziehen. Um ein Volk zu vereinen.
Tea wollte das ihre Signal abschicken, das Klopfzeichen durch die Gildenabzeichen schicken. Es spielte keine Rolle mehr, dass sie geortet werden würden. Die Soldaten an Bord waren keine Bedrohung, sie konnten mit Leichtigkeit entkommen, wenn denn das Luftschiff nur landen würde. Sie mussten es unter Kontrolle bringen, woran Markos bereits arbeitete, indem er gegen die Soldaten kämpfte. Tea wollte ihren Anteil tun und mit ihrem Klopfzeichen Jonah & Co in den Slums warnen. Sie fasste den Entschluss, dass es gar nicht mehr auf das Klopfzeichen ankam und jemand der anderen alle bekannten Informationen durchgeben sollte. Leider musste sie feststellen, dass sie kein Signal verschicken konnte. Offenbar war das Wellennetz blockiert und das Luftschiff passierte zu diesem Zeitpunkt schon die Mauer zwischen der Stadt und den Slums. Sie mussten unbedingt etwas unternehmen. Sie mussten ihre Freunde, das Volk von Prontera, von Midgard, sie mussten die Bewohnerschaft der Slums unter allen Umständen warnen, bevor es zu spät sein würde!
"Ich übernehme das!," brachte sich Emilia ein. Tea verfolgte angespannt, wie sich die Händlerin fest entschlossen ganz nach vorne des Schiffes begab. Sie kletterte über die Reling und bis ganz nach vorne des Bugs. Sie fokussierte ihre ganze Energie auf ihre Lungen, hielt sich im Rücken an den hölzernen Balken fest und brüllte auf. Aus den Schatten unter dem massiven Ballon versehen mit dem Firmenemblem der Rekenber Corporation schallte ihr Rufen aus den himmlischen Gefilden hernieder in die lebhaften Gassen der Slums. Aus der mitternächtlichen Erwartung schallte ihr Rufen, die gewaltige Fertigkeit der Marktschreier, über ganze Märkte hinweg ihre Waren anzupreisen, nur um dieses Mal die Evakuierung der Slums auszurufen.
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#446 Koikun

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Posted 11 September 2017 - 05:08 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, ab 00 Uhr]

1000 Jahre lang hatten die Riesen und die Götter gegeneinander Krieg geführt, 1000 Jahre lang hatte der darauf beschlossene Frieden angedauert. Er war vorüber. In dieser Nacht der Altjahrestagsfeier mündete nicht einzig das letzte Jahr, sondern die gesamte Essenz der vorangegangenen 1000 Jahren des Friedens, die auf Ragnarok gefolgt waren.
Präsident Adam von Dieffenbach hatte mit holden Worten auf 1000 und 1000 weitere Jahre des Friedens geschworen. König Riwalon Rowenberg hatte ihm zugestimmt. Denn obschon nichts und niemand verleugnen konnte, dass der lange Weg der Menschen nicht immerzu bloss vom helllichten Tag gesäumt gewesen war, so konnten sie dennoch einander die Hand reichen und einander aufhelfen, wenn die Beine auf der Wanderung in einen neuen Morgen ermüdeten. Sie konnten aufeinander zählen, weil die Götter über ihnen stete Wache standen. Letztlich war der Frieden den Menschen versprochen worden, von den Göttern, gegen die Riesen.
Die Hauptstadt des Königreiches Midgard, Prontera war durch den Staat Arunafeltz attackiert worden. Die Republik Schwartzvald war zur Hilfe geeilt und hatte sich mit Midgard gegen Arunafeltz verbündet. Die ganze Stadt Prontera war jedoch mitsamt dem Grossteil der Kriegerschaft von Midgard und Schwartzvald spurenlos verschwunden. Präsident Adam von Dieffenbach von Schwartzvald hatte das aus Prontera evakuierte Volk aufgenommen und in den Slums untergebracht. Der Krieg gegen Arunafeltz war zu einem Stillstand gekommen, doch nicht die Zeit. Es war Mitternacht am letzten Tag des Jahrtausends geworden. Und der neue Morgen war noch ausserordentlich fern.

Am Bug des Luftschiffes im Dunkel der späten Stunde krallte sich Emilia, mit kraftbepackter Stimme nach unten in die Slums deren Evakuierung ausrufend. Sie war am ganzen Hang der nur spärlich beleuchteten Slums zu vernehmen, wenn man denn nicht abgelenkt war.
Die Gassen zwischen den heruntergekommenen Hütten und den errichteten Zelten waren durchflutet von den Menschen aus Prontera und den Gästen aus Midgard. Sie waren allesamt hergeströmt, dem Versprechen eines Abschlusses, einer Mündung des Abends folgend. Erwartungsvoll diskutierten und quollen sie bis diejenigen, die das Luftschiff in Vorfreude verfolgten, das Rufen vernahmen. Teilweise erkannten sie sogar Emilia als erschreckend lebhafte Galionsfigur, doch noch wusste niemand, was sie meinte und was mit ihr anzufangen war.

Auf dem Luftschiff: Markos erledigte mit der Unterstützung von Ikarus die letzten Soldaten an Bord. Es war gut, dass der Schwertkämpfer und Emilia zumindest noch ihre Ausrüstung wiederbekommen hatten, weshalb er nun ungeniert für seine Grundsätze einstehen konnte.
"Die Hand, die uns gereicht worden ist, ist keine freundschaftliche gewesen..." Er wusste nicht, was die jüngsten schauderhaften Entdeckungen zu bedeuten hatten. Aber dies erschien ihm offensichtlich. "Sie haben uns nicht aufgeholfen, sie haben uns mit sich in die Dunkelheit gezerrt."
Ikarus' Ohren zuckten auf, augenblicklich wies er unter Deck. Er hatte unter Deck Bewegung ausgemacht. Dabei war er sich absolut sicher gewesen, dass ausser ihnen niemand an Bord war. Sie eilten los und unter Deck, fanden sich Seite an Seite im engen Flur und kurz vor der Tür zum Kämmerlein des Königs ein. Dieser, der vollends gerüstete Runenrittermeister Riwalon Rowenberg war hinausgetreten. Er hatte sich endlich aus seiner starren Besinnungslosigkeit bewegt, Markos war heilfroh.
Zur gleichen Zeit hatte Tea das Cockpit geentert, wo sie feststellen musste, dass es keinen Kapitän gab. Die Steuerung war durchwegs blockiert und das Luftschiff wurde von ausserhalb, vermutlich von der Rekenber Corporation aus gesteuert.

Das Luftschiff hatte die Stadtmauer passiert. Das mächtige Tor zwischen den Slums und der Stadt war geschlossen und verriegelt worden. Auf der Seite der Slums erhoben sich die furchteinflössenden Wächter, sie hatten sich als Torwächter auf ihrem neuen Posten eingefunden.
Stadtseits reihten sich die Einheiten der Soldaten. Der Bodyguard des Präsidenten, Ariano Rhoad, war kürzlich ebenfalls hier eingetroffen. Sein Herr war in Sicherheit. Die Störenfriede waren entweder in den Slums oder auf dem Luftschiff gefangen. Sie dachten wohl, man wäre ihnen nicht auf den Fersen gewesen. Doch die Gildenabzeichen, die Markos zurückgewonnen hatte, waren selbstverständlich registriert worden und konnten folglich verfolgt werden. Er hatte sie machen lassen. Sollten sie sich bis zu ihrem unausweichlichen Niedergang auch nur im kleinsten Vorteil wähnen, so empfand er dies als bedauerlich, was sie unter ihm derart klein machte, wie es sich für Insekten wie sie gehörte.
Ein Mann mit lächelnder Maske trat heran und versicherte ihm, dass alles vorbereitet war. Der unscheinbare alte Bodyguard liess es sich nicht ansehen, aber er war erfreut. All die Jahre Forschung für diesen Augenblick. All die Jahre Krieg für diesen Frieden. Es war wundervoll und er konnte es kaum erwarten, seinen Herren die Früchte der alten Tage ernten und morgen am geeinten Tisch von Lighthalzen kosten zu sehen.
Das Wellennetz war derart manipuliert, dass der Fernkontakt sowie Teleportation verunmöglicht war. Um die Slums herum war in einem grosszügigen Abstand zu den ersten Unterkünften unterirdisch eine Falle installiert. Sie umkreiste die Slums komplett und war einzig auf der Passage zum Stadttor offen, um eventuelle Zugriffe zu ermöglichen. Bei der Falle handelte es sich um eine massive Dornenfalle generiert durch Genetiker. Sollte jemand über die unterirdische Falle tappen, würden etliche Dornenranken aus der Erde schnappen und die Person an Ort und Stelle fesseln. Die Dornen waren lebensbedrohlich, aber wenn man sich nicht dagegen wehrte, bestand abgesehen von der einschneidenden Bewegungslosigkeit keinerlei Lebensgefahr.
Um über die Falle hinwegzugelangen, reichte ein Sprung nicht aus, es waren mehrere Meter zu überbrücken, um nicht erwischt zu werden. Ausserdem waren ausserhalb versteckt Personen positioniert, um einzugreifen, sollte die Flucht trotzdem jemandem gelingen. Aber warum sollte man schon flüchten, wenn doch ein prächtiges Feuerwerk bevorstand?
In den Slums wurde die Landung des Luftschiffes erwartet. Es war nicht angedacht, dass es landete.
Ariano Rhoad befahl derweil stadtseits, sich bereit zu halten. Ein Feuerwerk war durchaus geplant, um das Volk von Lighthalzen zu täuschen. In bloss zwei Minuten würde das Feuerwerk die Nacht erhellen und die andere Ladung des Luftschiffes den belebten Slums den Atem verschlagen.

Jonah indes hatte ihre Deckung verlassen und war aufgestanden. Sie wollte die Aufmerksamkeit Emilias erregen. Auch wenn ihre eigene Stimme sie nicht erreichen würde, so würde die Händlerin eventuell Details schreien, wenn sie vertraute Gesichter erkannte. Mit den Armen in der Luft winkte sie in Richtung des Luftschiffes - Yuen tat es ihr gleich.
Da das Luftschiff sehr tief flog, erkannte Emilia die beiden nur wenig später. "Das Luftschiff trägt eine gefährliche Ladung!", schrie sie aus Leibeskräften, "Ich weiß nicht was es ist, aber womöglich soll es alle in den Slums töten! Alle Menschen müssen sich sofort in Sicherheit begeben! Beeilt euch!" - Jonah und Yuen sahen einander an. "Was gedenkst du zu tun?", fragte er. "Das werden wir besser schnell herausfinden", erwiderte die Assassine kurz, "Komm!" - Schnellen Schrittes verließen sie das Dach durch die Luke ins Innere. Die anderen hatten teilweise mitbekommen, was passiert war - doch Jonah brachte es im Kreise nochmal auf den Punkt: "Das Luftschiff soll uns womöglich alle töten. Was machen wir?"

Für einen Augenblick wurden ratlose Blicke ausgetauscht. "Können nicht die Magier etwas tun?", fragte Wolfgang in die Runde und sah dabei Roy und Rincewind an, "Vielleicht kann man dem Luftschiff mit einem Gravitationsfeld beikommen?" - Rincewind schüttelte den Kopf: "Nein das wirkt nur am Boden - ein Ziel so hoch in der Luft ist damit nicht zu beeinflussen." - "Ich kann mit meinen Segnungen dafür Sorgen, dass wir schneller laufen können", merkte Arhat an, "Aber bei so vielen Menschen -" - "Das wird nichts", stimmte Yuen ein, "Wir wissen auch nicht was für eine Ladung wirklich an Bord ist. Vielleicht ist es ein Zeitzünder, vielleicht reagiert er auf Erschütterung bei der Landung. Wir wissen es nicht. Wir sollten zusehen, dass irgendwie Emilia und vermutlich Markos von diesem Luftschiff kommen und dann zusehen, dass wir uns in Sicherheit bringen."

Roy brachte schliesslich die Idee vor, das Luftschiff zusammen mit Rincewind Wetterwachs mit einer Säule aus Eis an Ort und Stelle zu binden, während die anderen die Evakuierung vollziehen sollten.
"So viel Zeit haben wir nicht...," grummelte der alte Magier und Roy wunderte sich, bestärkend: "Zusammen können wir es schaffen!" - "Daran besteht kein Zweifel, ja," stimmte er hierauf zu, dann auf den Tisch packend: "Ich bezweifle jedoch, dass die Evakuierung innert erfreulicher Frist vollzogen werden kann. Mein Gegenvorschlag lautet, dass nicht wir uns bewegen, sondern dass wir das Luftschiff bewegen." Er wollte sich schon daran machen, seine alten Knochen zu bemühen. "Ein Auftrieb, oder ein Sturmwind, wenn wir sowas hervorbringen können, müssen sie sich an Bord auch nicht mit dem Steuer auseinandersetzen. Ausserdem wird dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass die Ladung über die Slums niedergehen wird, minimiert." Er ging nicht davon aus, dass ihre Freunde an Bord des Luftschiffes gegenwärtig in Gefahr waren.
"...kannst du es denn tun?"
Er wandte sich zurück. Nein. Er verfügte über keinerlei starke Feuer- oder Windmagie. Trotzdem. Er antwortete, ehe er sich aufmachte, sich auf das Dach zu begeben: "Ich muss es versuchen." Roy ballte die Hände und nahm augenblicklich die Verfolgung auf, sich dabei an die anderen richtend: "Wer uns helfen kann, kommt mit auf das Dach, unser Vorhaben ist nicht ausgereift, weitere Ideen sind also willkommen, ansonsten... zähle ich auf euch, dass ihr eine Evakuierung nach Süden anstrebt, wir versuchen, das Luftschiff nach Norden zu treiben!"

"Na toll!", grummelte Jonah - sie war offenbar Teil des Bodenteams. Yuen, Wolfgang und Arhat waren an ihrer Seite. Zusammen lösten sie die Barrikaden der Tür und trieben hinaus. Einen Plan hatten sie nicht. Sie mussten improvisieren. Doch vor dem Unterschluf hielten sie einen Moment inne.
Von hier unten wirkte die Menschenmasse noch viel größer als vom Dach des Hauses. "Die kriegen wir nie evakuiert", merkte Jonah mit einem resignierten Unterton an. "Wir müssen es versuchen! Es geht um Menschenleben! Jedes Leben, das wir retten können, ist wichtig!", erwiderte Arhat und schritt voran. "Er hat Recht. Wir können die Menschen nicht ihrem Untergang überlassen - es geht nicht nur um die Slums und ihre Bewohner, es geht auch um das ganze Volk von Prontera!", stimmte auch Wolfgang ein. Yuen und Jonah waren willens mitzuziehen - doch es blieb unklar, wie sie diese Menschenmasse mobilisieren sollten.
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#447 Ashielf Pi

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Posted 25 September 2017 - 04:02 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, ab 00 Uhr]

Jonah, Yuen, Arhat und Wolfgang hatten sich vor der Hütte eingefunden und mussten sich erst noch für eine geeignete Vorgehensweise entscheiden, um einerseits Glauben zu finden und andererseits keine Massenpanik auszulösen, während Rincewind und Roy sich auf dem Dach einfanden. Das Luftschiff hing bereits über ihnen und bedeckte die Sicht zum Nachthimmel.
"Ich wüsste nicht, was außer einer Massenpanik wir bezwecken können", wandte sich Jonah an Arhat - sie war einigermaßen ratlos.
Der Mönch verzog das Gesicht: "Wir müssen es versuchen." Meinte er noch, bevor er sein bestes gab, um in lauter und fester Stimme auf die Anwesenenden einzureden. Doch es waren zu viele Menschen. Bis er die Aufmerksamkeit hatte, wäre es bereits zu spät. "Ich hab da ne Idee", sprach Wolfgang mysteriös, eilte geschickt durch die Menschenmenge in den nordöstlichen Teil und kletterte dort auf einen abgedeckten Brunnen in der Nähe. "Achtung, dort!", schrie er mit seiner gewaltigen, trainierten Stimme. Dies bescherte ihm einige Blicke, die daraufhin seinem Fingerzeig folgten. Während die Augen entweder dort waren, wo er sie brauchte, oder ihn noch ignorierten, zückte er seine Laute und begann zu spielen.

Für alle in Hörweite trug sich im Norden und auch Richtung Osten unheimliches zu. Der Boden bebte kurz und Risse zeichneten sich ab. Schliesslich schlossen einzelne spitze, meterlangen schwarzen Stäbe aus dem Boden. Immer mehr von diesem schwarzen Unbekannten wurde durch die Erde gepresst, so als würde gerade riesige Dornen gen Himmel wachsen wollen. Sein Ziel erreichte Wolfgang. Erste Panik machte sich breit, als die Formen erkennbar waren. Meterhohe Wesen mit vier stelzenartigen Beinen und halb gebogenen, scharf wirkenden Sichelarmen standen dort. Sie hatten keinen Kopf, stattdessen waren die Oberkörper mit hunderten Augen gespickt, die wild umherstierten. Ein erster Schrei. "Lauft, so schnell ihr könnt!", stachelte Wolfgang an. Die Verwirrung war bald perfekt und die ersten Dominosteine fielen.
Der Mönch und die Assassinen erkannten die Taktik und begannen, die sich anbahnende Stampede in die richtige Richtung zu lenken. Arhat schob schwere Kisten vor Seitengassen, die nach Osten führten, während Jonah und Yuen auf findigere Art Passagen nicht begehbar machten: Beide hatten sich in die Schatten gehüllt. Blieben dem Volk verborgen. Die Slums boten ihnen so mehr als genug Bewegungsfreiraum. Um die Menge zu lenken und die Panik noch zu unterstützen beschworen sie an verschiedenen Orten immer wieder spitze Gesteinsdornen aus dem Boden herauf - insbesondere für Jonah war es eine Technik, die sie seit langem nicht mehr verwendet hatte. Systematisch huschten sie von Gasse zu Gasse. Es war für beide sehr anstrengend, doch sie konnten nur so mitwirken. Mit den Gesteinsdornen bildeten sie Sperren in Seitengassen, um die Menge auf dem Hauptweg in Richtung Süden zu lenken.

Galionsfigur Emilia erhaschte derweil die Magier und kletterte zurück in Sicherheit in Erwartung von aufkommender Magie. Auf Deck musste sie sich aber allein zwischen ein paar bewusstlosen und gefesselten Soldaten finden. Tea versuchte, sich im Cockpit zu schaffen zu machen, und Markos und Ikarus waren unter Deck. Das wusste sie aber alles nicht.
"Markos, Ikarus?!", rief sie fragend über das Schiff, "Tea?!" - doch die konnte ohnehin nicht antworten. Niemand um sie war mehr auf den Beinen. "Wo sind nur alle", fragte sie sich nervös - zwar waren alle Soldaten um sie keine Gefahr - doch das schloss nicht aus, dass es weitere gab.
In schnellen Schritten bewegte sie sich über das Luftschiff. Hielten sie weiterhin auf den Landeplatz zu? Es fühlte sich an, als würde das Luftschiff stillstehen. Sie sah die Treppe unter Deck - niemand war da. "Markos?!", rief sie hinunter. Erneut keine Antwort. "Verdammt noch mal", murmelte sie leise und eilte die Stufen hinunter, "Irgendwo müssen die doch sein." - "Hier sind wir!", antwortete Markos, der plötzlich aus einem der Räume auf den Flur getreten war. Emilia fiel ein Stein vom Herzen - doch was nun?

"Unsere Position ist nicht perfekt," kommentierte Rincewind auf dem Dach unter dem Luftschiff, "Um das Luftschiff nach Norden zu treiben. In Retrospektive muss es zudem ein Aufwind und kein Sturmwind sein. Meine Feuerbewandtnis ist immerhin existent." Es kam folglich nicht in Frage, einen Hang-Aufwind durch Wind zu erzeugen. Thermik war die Antwort. [Sight Blaster] jedoch würde zu gleichmässig unter dem Luftschiff gesetzt werden. Dieses würde dadurch höchstens hochgetrieben werden. Und mit seinem alten Körper konnte er sich unmöglich innert nützlicher Frist umpositionieren.
"Kannst du einen Feuerball verschiessen?," fragte da Roy, ein angespanntes Nicken erntend. "Gut. Dann bitte ich dich, die Luft südlich und möglichst tiefliegend zu erwärmen. Ich kümmere mich darum, die Luft darüber erkalten zu lassen." Und schon eilte er los, sich geschickt Brücken aus Eis zwischen den Baracken bauend, um von Dach zu Dach zu gelangen, was von beeindruckten Stimmen aus dem Fluss des Volkes unter ihm untermalt wurde.
*Wohl wahr,* dachte sich Rincewind zufrieden aufatmend, *Es macht mehr Sinn, beide Aspekte zu beanspruchen, von denen einer in unserem Metier gelegen ist, anstatt nur jenen Aspekt auszuloten, in dem wir beidsamt nicht meisterlich sind. Eine hervorragende Idee. Die Jugend holt ungemein rasch auf, nicht nur was den Körper anbelangt...*
Er traute seinen Augen nicht. Plötzlich geriet Roy über seinem gefertigten Weg in ein abruptes Straucheln.
Roy ächzte auf, strauchelte vorwärts von der Brücke und stürzte sich auf das nächste Gebäudedach. Den Schmerz wegbeissend, anstatt aufzujaulen, stierte er an sich herab und fokussierte aus erschütterten Augen den Pfeil, der so lang war wie sein Arm und sich ihm von irgendwo in der Nacht durch die Hüfte gebohrt hatte. Er hatte seine Deckung verlassen.

Das Feuerwerk begann.
Anscheinend hatte sich am Heck des Luftschiffes eine Luke geöffnet und schon zischten etliche in der Dunkelheit nicht sichtbare Flugobjekte himmelan. Sodann gingen sie weit über der Mauer zwischen Lighthalzen und den Slums in herrlichsten Blüten auf. Das Feuerwerk erstrahlte als wunderschönes Farbenmeer, das die ganze Stadt der Zukunft in Windeseile zum Tag werden liess. Durch die Fenster und von den Strassen bestaunten und bejubelten die Menschen das lichte Meisterwerk.
Doch in den Slums war hiervon nichts zu sehen. Verwundert realisierten die Leute, dass sie ja unterhalb des Luftschiffes standen, hinter und über welchem das gleissende Geschenk an ihre Gegenwart verborgen blieb. Im Gegenteil sogar: Der Schatten, der durch das Luftschiff über ihnen geworfen wurde, erschien so manchem noch finsterer als zuvor.

Rincewind hatte schon den Angriff auf die Slums erwartet, doch war es doch nur ein Feuerwerk, was ihn ein wenig irritierte, folgerichtig wandte er sich darauf sofort wieder davon weg und suchte erneut den Blickkontakt zu Roy, der ein paar Gebäude weiter zähneknirschend nach Westen zeigte. Zum Tor zur Stadt. War er von dort attackiert worden?
Eine Weiterverlegung der Position war nicht denkbar, sie mussten mit den gegebenen Standorten auskommen, also ging es Rincewind sogleich an, so sah es auch Roy, immerhin konnte er seine Hände noch benutzen und entsprechend konnte er auch noch Magie manifestieren. Er streckte sie empor, um die ersten Eiskristalle entstehen zu lassen, und Rincewind feuerte seinen ersten Feuerball in seine Richtung nach Süden, da erschraken sie beide fürchterlich und sie zuckten zurück. Die Flammen schlugen unversehens und unkontrolliert aus ihrer Bahn und aufwärts. Erst etliche Meter vor dem Schiff und einzig weil Rincewind die Technik unterband, stoppten sie. Er konnte es sich zuerst nicht erklären. Dann aber wurde es ihm mit fürchterlicher Ahnung bewusst: *Der Angriff auf die Slums hat bereits begonnen!,* schoss es ihm durch den Kopf. Vermutlich aus einer Luke in den Schatten des Schiffes. *Verwenden diese Monster etwa... Gas?!* Er hatte eine Katastrophe mit Ach und Krach befürchtet. Aber es offenbarte sich ihm, dass man sie viel mehr wie Schatten von einer Sonne im alltäglichen Vorbeigehen zu Boden werfen wollte.

Mit einem mal war der Himmel über Jonah und Yuen zum Flammenmeer geworden - auch sie hatten Rincewinds erweiterte Technik am eigenen Leib miterlebt. Die Hitze brannte für einen Augenblick gleißend heiß auf ihren Körpern - dann verstummten die Flammen. "Was war das?!", stieß Yuen, der zu Jonah aufgeschlossen hatte, aus. "Nicht nur die Technik vom alten Wetterwachs...", mutmaßte die etwas unruhig - sie hatte den Feuerball kommen sehen - doch dann hatte sich ein viel größeres Feuer entfacht, der Feuerball war geradezu in einer Supernova explodiert.
"Der Angriff auf das Volk hat begonnen", mutmaßte sie, "Sie greifen mit Gas an. Es strömt aus dem Luftschiff in die Slums." - Einen Moment dachten beide stumm nach - "Dass das geht, muss es schwerer als Luft sein...", eröffnete Yuen, worauf Jonah abschloss: "Und deswegen müssen sie Lighthalzen auch nicht schützen. Es wird von der Stadtmauer abgehalten." - "Diese Schweine", ließ Yuen sich hinreißen. "Wenn Wetterwachs das wiederholen kann, haben wir vielleicht eine Chance, zu verschwinden, bevor wir ersticken", sagte Jonah angespannt - so oder so, sie mussten schnellstmöglich von hier weg. "Hoffen wir, dass der Alte das auch begriffen hat" - Augenblicklich zogen sich beide wieder in die Schatten zurück - sie mussten so schnell wie möglich mit den anderen sprechen.

Das Schauspiel des Feuers überraschte die Menschen und es wurde sich gewundert, ob nicht doch noch ein Feuerwerk für die Slums folgen würde. War dies soeben der Prolog zum grossen Spektakel gewesen? Eine Frage, die lose in den Köpfen pendelte, eine Richtung der Gedanken war nicht klar gegeben. Noch nicht. Das um sich züngelnde Feuer um das Luftschiff und die panischen Menschen aus dem Norden versetzten nach und nach aber auch die restliche Menschenmasse in den Slums in Unruhe. Plötzlich wurde von einem neuen Attentat gesprochen und von einem eventuellen Angriff. Von der Luft aus konnte man klar sehen, wie sie sich durch die Gassen quetschten und Wolfgang als Art Hirtenhund von Norden her weiter drückte.
Jene Menschen, die in den Westen und somit nach Lighthalzen selbst flüchten wollten, wurden von Wächtern gesperrten Toren begrüsst, während der Osten nicht sonderlich willkommen schien, führte er doch bergauf. Hinzu kamen noch die Sperren, die Arhat, Jonah und Yuen überall errichtet hatten. So blieb schliesslich nur die Flucht gen Süden.
Sie drängten und drängten immer weiter südwärts und schliesslich aus der Stadt. Die Bedrohung schien gemäss der nachrückenden Leute hinter ihnen her zu sein und das zuvor aufgeschlagene Feuer hatte sich im Süden der Slums ereignet, es erschien immer mehr, dass es in ihnen nicht mehr sicher sein konnte. Während es bisher bloss ein stockendes Fliessen aus den Gassen gewesen war, konnten doch lediglich die hintersten die Illusion erkennen, wuchs die Unruhe mit jeder Sekunde weiter an, während abseits des Schattens, in dem sie quollen, das Feuerwerk den Himmel über Lighthalzen weiterhin mit ganzer Farbenpracht bemalte.
"Was ist hier nur los?," fragten sie sich, "Sind die Slums Ziel einer Attacke?," wunderten sie sich, "Was ist mit dem König?," sorgten sie sich mit Blick empor zum finsteren Grund des Luftschiffes.
Dann jedoch ein Schrei und die vordersten fuhren umher. Einzelne Personen waren weiter nach Süden gelaufen. Jäh brachen wild peitschende Dornenranken aus der Erde und schlangen sich um sie, sie fesselnd und niederreissend, blutüberströmt zurück hinter die unterirdische Grenze fallen lassend.
Gleichzeitig wurde man westlich der Slums, auf der anderen Seite des verschlossenes Tores, gewahr, dass die Falle ausgelöst worden war. Die erwartete Unruhe war also bereits eingetreten. Aber das war kein Problem, wie sich der hiermit beauftragte Ariano Rhoad bewusst war: Die Chance auf Flucht war nicht gegeben.

#448 nEmai

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Posted 05 October 2017 - 09:08 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, ab 00 Uhr]


Das Luftschiff hing über den Slums. Über dem Luftschiff erstrahlte ein Feuerwerk für Lighthalzen, darunter waberte Gas in die Slums hinab. Die Slums waren umkreist von einer unterirdischen Dornenrankenfalle, einzig beim Tor zur Stadt war der Kreis offen. Das Tor wurde von den grossen, mechanischen Wächtern bewacht.

Die Menschen wurden nach Süden gedrängt. Angetrieben von hinter ihnen, durch Wolfgang's Illusion. Unter sie gemischt lenkten Arhat, Jonah und Yuen mit. Das Gas jedoch war von blossem Auge kaum erkennbar, in den spärlich beleuchteten Slums unter dem schweren Schatten des Luftschiffes noch viel weniger. Die vordersten Reihen hatten die Slums zudem bereits verlassen und wurden Zeuge eines grauenvollen Anblickes: Die aus der Erde brechenden Dornenranken malträtierten die, die flüchten wollten, und liessen sie schwer verletzt niedergehen. Die Unruhe an vorderste Front verwandelte sich zu Panik und so kam es, dass Fragmente der vordersten Reihen zurückrennen wollten. Ein Chaos drohte, in der scheinbaren Aussichtslosigkeit auszubrechen.


Rincewind Wetterwachs hatte gleich wie Jonah und Yuen durchschaut, dass es sich um Gas handelte. Sein Entsetzen machte er zum Grundstein seiner Motivation, denn wenn er das Gas mit aller Vorsicht verbrennen konnte, dann war es möglich, alle Zeit der Welt zu erkaufen. Es würde jedoch auch nützlich sein, zu ermitteln, woher konkret das Gas entladen wurde, weshalb er entgegen des Planes und ein paar Häuser weiter zu Roy's Überraschung einen kreisenden Feuerzauber beschwor, worauf sich der Himmel über den Slums abermals zu einem gleissenden Inferno verwandelte.

Klar, das konnte das Chaos unter ihm weiter befeuern, aber sie benötigen Informationen, um bloss keinen Fehler zu machen, und tatsächlich: Rechtzeitig hatte er seinen Zauber unterbunden und beobachten können, wie die Flammen aufwärtsschossen und verebbten. Am meisten aufwärtsgefressen hatten sie sich an zentraler Lage. Das Gas wurde folglich über dem Zentrum der Slums entladen und würde dort zuerst aufkommen. Die hintersten Reihen waren also in grösster Gefahr, dazu auch Wolfgang.

Er japste auf. Ihm wurde augenblicklich schwarz vor Augen. Ein verheerender Pfeilschuss hatte sich in der Nacht ereignet. Wie es zuvor schon Roy erwischt hatte, so erwischte es nun auch ihn. Er hatte den Himmel erleuchtet und war dadurch entdeckt worden. Mit gewaltiger Wucht schliss ihm der Pfeil durch den linken Unterarm und in die Hüfte, ihn von den Beinen und vom Gebäude in die Menschenmassen reissend.

Ungehört versickerte Roy's Aufschrei bei diesem Anblick, zu tumulthaft war es mittlerweile geworden. Wutenbrannt, doch nicht mehr imstande, zu stehen, stierte er nach Westen, zum Tor zur Stadt, das unterhalb der Slums und weiter hangabwärts vom ihnen unsichtbaren Feuerwerk erhellt wurde. Die Wächter. Einer hatte seinen Arm erhoben, darauf eine Armbrust.


Die Figuren fielen nach und nach, unverhofft jedoch traten zwei stolze Recken im Geschehen in Erscheinung: Südlich der Slums, wo der Strom der Menschen nicht nur physisch, sondern auch psychisch nur münden konnte und gerade zwei Familienväter den Ranken zum Opfer fielen, trat Sebastien von Silberhain mit aus dem Antlitz blitzender Entschlossenheit aus der Meute.

Sebastien von Silberhain und Alphonse Bolschakow hatten die Festivitäten aufgesucht, um mit ihrem König aufzuschliessen. Dieser aber war bei der Rede attackiert worden. Sie hatten nicht eingreifen können, hier war es nicht die ihre Pflicht. Trotzdem hatten sie ihre Augen offen behalten und auch vom Attentat auf den Schaualchemisten erfahren. Sie hatten für sich ermitteln wollen, um ihren König zu beschützen, denn augenscheinlich schlummerte in dieser Stadt eine nach Blut dürstende Bedrohung. Sie hatten die Gruppierung, die hinter den zwei Attacken steckte, stellen wollen. Seltsamerweise schienen aber beide von Personen verübt worden zu sein, die am Turnier auf Flechanto teilgenommen hatten.

Es war nur logisch, dass sie in die Slums gekommen waren, war ihr Ziel doch ihr König und seine Sicherheit. Dann war aber eine schlimme Unruhe herangewachsen und über ihren Köpfen hatten Lohen um sich geschlagen. Das Luftschiff landete nicht. Sicherlich zur Sicherheit der Leute an Bord. Die Bedrohung hatte die Slums heimgesucht und beschwor jetzt aus irgendwelchen Gründen ein fürchterliches Chaos. Das Ziel musste der König sein, die Feinde versteckten sich in den Slums, davon waren die beiden Männer überzeugt.

Der silberne Ritter Sebastien von Silberhain suchte die vorderste Front des Stromes auf. Er konnte die Verletzten heilen, die Falle hingegen war wahrscheinlich um die gesamten Slums erstreckt. Wenn seine Feinde schon Vorkehrungen in dieser Form getroffen hatten, dann war nicht davon auszugehen, dass die Falle mit Gewalt gegen einen einzigen Punkt geöffnet werden konnte.

Während er sich durch die Meute an die vorderste Front drängte, versuchte er mit grossen Worten, zur Ruhe aufzurufen. Er musste unbedingt erreichen, dass die Menschen in die Slums zurückkehrten, das war sein Vorhaben. Die Feinde beschworen Chaos, um sie aus den Slums und offensichtlich in die Hände der Falle zu treiben wie Schafe von einem Wolf. Das Gegenteil, die Rückkehr in die Slums, erschien ihm folglich als korrekte Herangehensweise.


Derweil in den hintersten Reihen der Massen: Alphonse Bolschakow hatte das gegenteilige Ende des Stromes aufgesucht, um den Wolf ausfindig zu machen, der die Schafe über die Klippe in den sicheren Tod verschreckte. Er wollte die Quelle der Unruhe stellen, die sich zuhinterst aufhalten musste. Das war zentral in den Slums gelegen, wo auch die Lohen über ihnen am konzentriertesten gewesen waren.

Da nahm auch ihn die Illusion der riesigen Dornen ein, die hinter den Menschen aus der Erde schossen und Zerstörung brachten. Woher kam dies plötzlich?, das musste er sich fragen, hatte er aus der Ferne doch nichts dergleichen ausgemacht. Es verblieb keine Zeit, um es zu hinterfragen, er musste sich dieser Attacke auf die Menschen annehmen, augenblicklich hatte er sein Zauberbuch aufgeschlagen und die Waffe seiner Wahl beschworen, ein gewaltiges Schwert sollte es sein, um die Dornen zu zerschmettern. Bewaffnet mit dem imposanten Gleichnis zur Morgensonne, dem Zweihandschwert Alca Bringer, stürzte sich der bronzene Ritter Alphonse Bolschakow in den Kampf.


Jonah und Yuen, die sich zwangsweise in Stromrichtung vorne befanden, hatten ebenfalls festgestellt, dass die Slums zu einer gewaltigen Falle geworden waren. Hinter ihnen Gas, vor ihnen kein Ausweg. Und von hinten drängten nur noch mehr Leute, so dass bald die ersten zerquetscht wurden.

“Kreative Ideen?”, fragte Yuen in der tosenden Meute recht fokussiert. Jonah sah sich um. Sie konnten die Slums nicht verlassen. Sie konnten aber auch nicht bleiben - dann würden sie dem Gas zum Opfer fallen. Das Gas. “Das Gas ist schwerer als Luft, haben wir doch festgestellt. Wir müssen auf den Hügel! Vielleicht kommen wir dort ein Stück aus dem Wirkungsbereich!” - Nur wie sollten sie jetzt die Masse umsteuern? Sie hätten Wolfgang an der Front gebraucht.

“Heda!”, ertönte es plötzlich kraftvoll in ihre Richtung, “Ich hatte angenommen, dass wenn wir euch den Kopf von den Schultern, wir auch das Unheil von euren Fersen hauen, aber mich dünkt es, ihr benötigt keinen Hlynur Jasminko, denn abermals finde ich nicht bloss euch, sondern auch einen angehenden Weltuntergang. Was führt euch hierher und was wisst ihr über die Situation?” - Yuen blickte den Ritter einigermaßen erstaunt ob seiner geschwollenen Redart an. Jonah sah zu Yuen: “Alte Bekannte.”, wandte sich dann an den Ritter: “Wir müssen die Menge dazu bringen, bergan zu laufen. Kannst du uns dabei helfen?! Wenn dieses Chaos beigelegt ist, ist Zeit zu reden!”


Sebastien musterte die Assassine eindringlichst, weiterhin versuchend, auf die Leute einzureden und sie zurück in die Slums zu treiben. “Bergan? Ich habe gefragt, was ihr wisst, nicht was ihr wollt. Warum sollen die Menschen bergan gesteuert werden?” Er liess vorerst gar keine Zeit für eine Antwort. “Das ist unmöglich. Die Slums sind unterirdisch eingekreist. Aber wenn ihr mich einweiht, kann ich vielleicht mitdenken.” Nachdem die letzten Attacken durch Leute verübt worden waren, die ebenfalls auf Flechanto gewesen waren, konnte er ihnen unmöglich ohne irgendwelchen Input vertrauten. Er wollte sich jedoch auch hüten, vorschnell zu urteilen. Umso mehr war er auf ihre Ehrlichkeit angewiesen.


“Hinter uns strömt ein Gas aus dem Luftschiff - wie ihr an den aufschlagenden Flammen eventuell festgestellt habt. Dieses Gas strömt nach unten, da es schwerer ist als Luft. Da wir hier nicht wegkönnen, müssen wir versuchen über das Erdniveau zu kommen!”, schrie Jonah ihm in der Menge entgegen, “Wir müssen einen Weg finden, die Masse auf den Berg zu bringen!”

“...” Sebastien festigte seinen Fokus ihr gegenüber. Dann blickte er aus ernster Miene empor zum Luftschiff. Er konnte es nicht glauben. Er konnte nicht glauben, was sie ihm erzählte. Warum sollte aus dem Luftschiff, auf dem der König sich befand, Gas ausströmen? Natürlich war ihm Lighthalzen nie geheuer gewesen, doch… natürlich klangen ihre Worte unglaublich, doch… Er erinnerte sich daran, wie sie Hlynur Jasminko auf Flechanto förmlich erlegt hatte. Er konnte es nicht glauben, aber er musste ihr glauben. Sie erschien ihm vertrauenswürdig genug.

“Was auch immer das zu bedeuten hat…,” murmelte er, dann bestimmt erfassend: “Wir müssen uns wohl oder übel mit den Dächern der Slums begnügen, Jonah.”


Keihaku
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Posted 05 October 2017 - 09:08 PM

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Posted 13 October 2017 - 03:31 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Im zentralen Teil der Slums: Alles verlief so wie geplant. Amüsiert spielte Wolfgang auf seiner Laute, der Gefahr von oben wohl bewusst. Er vertiefte sein Spiel, beschwor mehr Ungeheuer, die aufschrien und fauchten. Die Menschen beschleunigten den Schritt, doch irgendwann wechselte es in ein mühsames Drücken. Es wirkte fast so, als würde das andere Ende der Menschenmasse an einer Wand stehen … oder zurückdrängen?
Aus eben dieser Menschenmenge stach ein potentes Schwert, geführt vom ihm bekannten Alphonse Bolschakow. Der Ritter schrie auf und stürzte sich Wolfgangs Illusionen entgegen. “Nein, du Idiot”, fauchte er leise vor sich hin. Die ersten Leute drehten sich um, den lebensmüden Helden mit grossen Augen musternd. Der Fluss an Menschen, der sowieso schon ins Stocken geraten war, blieb nun komplett stehen. Und das Gas drückte weiter von oben herab.
Er beendete sein Spiel gerade dann, als Alphonse seinen ersten Streich auf das vorderste der unechten Monster ausübte. Zusammen mit dem Schwerthieb löste sich das Monster und alle um ihn herum stehenden Illusionen auf. Verdutzt stand der Ritter kurz da, während Wolfgang vom Brunnen sprang.

“Hey, Fonzi!”, schrie Wolfgang dem Ritter entgegen, der inzwischen die Gesamtsituation erfasst hatte und sich ihm schnellen Schrittes näherte. “Wir müssen die Leute hier wegbringen, ich weiss nicht wieviel Zeit wir haben!” - “Du, was machst du hier? Hast du etwas mit den … mit den Monstern zu tun?”, fragte Alphonse leicht stockend. “Ich sagte …”, Wolfgang schluckte leer, als neben ihnen zwei Menschen anscheinend ohne äusserlichen Einfluss umkippten. “Das Gas”, stammelte Wolfgang und kramte einen Fliegenflügel hervor. Sein erster Gedanke war, dass er wach hilfreicher war. Doch natürlich wurden Teleportationstechniken unterdrückt, weswegen der Flügel ohne Effekt einfach so zerbröselte. “Windstoss, irgendwas. Wir brauchen Luft. Höhe… Mach was, Du Held!”, stammelte Wolfgang, während er auf die Knie fiel und sich krampfhaft wach hielt. Doch da klappte auch Alphonse bereits zusammen, um mit irritierter Miene vor ihm aufzuschlagen.

Südlich der Slums wurde die Taktikbesprechung mit Sebastien von Arhat kommentiert, der sich zu Jonah, Yuen und Sebastien dazugesellte: “Wir müssen davon ausgehen, dass die Slums ringsum mit solchen Dornenfallen umringt sind. Mit diesem Hintergedanken müssen wir wohl auf die Alternative mit den Häuserdächern bauen. Dann könnte man die Minuten ausharren, bis sich das Gas genug verteilt hatte.”
“Ich habe einen Plan,” übernahm da Sebastien das Kommando, “Sofern ihr gewillt seid, meinem Wort zu folgen, können wir es schaffen, die Menschen, unser Volk zu retten.” Er begutachtete die Männer, mit denen er zu arbeiten hatte. Einen solchen Verlauf des Abends hatte er sich wahrlich nicht ausgemalt.
“Ich kann sie eigenständig von diesem Punkt hier auf die Dächer lotsen,” zeigte er auf, “Nur bin ich nicht alleine. Alphonse hält sich ebenfalls in den Slums auf, um gegen die Bedrohung anzugehen, vor der sie flüchten. Wenn ich euch Glauben schenken kann, ist die Bedrohung jedoch nur eine Illusion und ihr seid dafür verantwortlich, um die Richtung vorzugeben und die Flucht vor dem Gas in Gang zu setzen. Wir haben ein anderes Bild von der Situation gehabt.”
Er wandte sich an Arhat: “Ich brauche die Assassinen, begebe also du dich an das andere Ende der Menge. Es ist möglich, dass der Fluss durch unseren Eingriff in ein Stocken geraten ist, setze ihn wieder in Bewegung und bringe Klarheit zwischen Alphonse und euren Illusionisten. Es ist anzunehmen, dass die ersten Menschen dem Gas bereits zum Opfer gefallen sind, beurteile folglich, ob überhaupt noch eine Illusion benötigt ist, um ihnen die Gefahr darzustellen. Die beiden Männer dort können wir sicher besser hier gebrauchen.”
Dann richtete er sich an Jonah und Yuen: “Dass es sich bei der tatsächlichen Bedrohung um Gas handelt, ist für mich auch deshalb glaubhaft, weil das Tor zur Stadt auf der Seite der Slums lediglich von Wächtern bewacht wird. Wenn unser Feind hierarchisch wirklich höher angesiedelt ist, haben wir davon auszugehen, dass sie unseren Plan nicht dulden werden. Vor allen die Bogenwächter werden auf den Dächern zu befürchten sein. Deshalb ist meine Vorstellung für euch, dass ihr euch zum Tor zur Stadt begebt und die Wächter ausschaltet, ohne Alarm zu schlagen.”
Dann schloss er sein Wort vor der Gruppe ab: “Kann ich auf euch zählen?”

Jonah sah zugegebenermaßen etwas unsicher zu Yuen. Sie hatte mit den Gildenkriegen und damit mit solchen Wächtern bisher nie viel am Hut gehabt. Sie waren mindestens doppelt mannshoch, ziemlich flink und nicht minder stark. Mit diesen Kolossen sollten sie es aufnehmen? Yuen nickte ihr sicher zu. So als ob er ihr sagen wollte, dass sie es schaffen konnten. - Er hatte in dem Punkt mehr Erfahrung. Er war ein regelmäßiger Teilnehmer der Gildenkriege. Sie vertraute darauf. “Wir werden unseren Teil erfüllen!”, gab er zurück und signalisierte Jonah, ihm zu folgen. Die beiden brachen sofort auf und wühlten sich flink durch die Menge.
Arhat nickte und begann seinen Zug zurück in den Norden. Wie ein Eisbrecher drückte er die Menschen um ihn herum weg, während sein neuer ‘Auftraggeber’ sich vorbereitete.

Sebastien, umströmt vom Chaos, faltete die Hände und erhob seine Stimme. Normalerweise beanspruchte er sie mit solch gewaltigem Einsatz einzig im Hohelied an die himmlischen Gefilde, um seinen Kameraden deren Segen zu gewähren. Nun jedoch benötigte er nicht Segen sondern Gehör.
Mit lautstark widerhallender Stimme durchdrang sein Wort die Meute und ringsumher fuhren die Menschen in Schrecken um. Er ergriff sie mit wohlgesetztem Wortlaut, indem er ihnen die Sicherheit versicherte und nicht die Gefahr betonte. Dennoch zeigte er auf, dass diese unterirdisch verborgen lag, was zwar nicht die ganze Wahrheit, aber auch nicht falsch war.
Die Sicherheit, so versprach er erhobenen Hauptes und mit erbebenden Lungenflügeln, war in der Anhöhe der Dächer zu finden. Langsam, aber zumindest sicher bekam er die Situation südlich der Slums in den Griff, dies weiterhin unterstützend, indem er die am Rand gelegenen Gebäude mit seinem kolossalen Lichtkreuz seitwärts gezielt einschlug, um den Aufstieg zu erleichtern. Da die am Rand gelegenen Gebäude nicht reichen konnten, rief er dazu auf, Bretter und derlei mitzunehmen, um Brücken auf die nächsten Gebäude zu bauen. Langsam. Aber zumindest sicher, was auch seiner Bekanntheit zu verdanken war. Als einer der höchsten Soldaten innerhalb der königlichen Garde von Prontera war er vom Volk seiner Heimat rasch erkannt und mit Hoffnung begrüsst worden.

Die Assassinen versuchten wie es ging einen Bogen durch die Randbereiche der Slums zu laufen. Es war der reinste Hindernislauf - gegen den Strom der Menschen und teils wegen von ihnen selbst geschaffenen Hindernissen. Das Luftschiff befand sich immer noch recht zentral über dem Geschehen - dort unter ihm war die Gaskonzentration folglich am höchsten. Am Rande der Slums war sie noch nicht so hoch - dort fiel das Atmen deutlich leichter. Gerade durchs Zentrum laufen zu wollen, würde in der aktuellen Situation Selbstmord gleichen.
Auf halbem Weg, im äußersten Westen der Slums, nahe der Bahngleise, legten die beiden eine taktische Pause ein. Sie waren nicht lange unterwegs gewesen, dennoch forderte das Gas auch hier seinen Tribut. Flink erklommen sie das Dach eines Hauses, blieben jedoch flach liegen. So wähnten sie sich sicher vor dem Gas und vor den Wächtern. Der Menschenandrang war hier nicht so groß. Die Ecke war für die Verhältnisse recht still. Sie beobachteten ihre stählernen Gegner für einen Moment. Sie waren ein Meisterwerk des menschlichen Erfindergeistes. “Wie kommt man denen am besten bei?”, fragte Jonah. Ihre Frage lag für einen Moment vor ihnen. Mit zusammengekniffenen Augen sah Yuen zu den Wächtern hinüber: “Einfach wird das nicht...”

An Bord des Luftschiffes: "Markos?!", rief Emilia hinunter. Erneut keine Antwort. "Verdammt noch mal", murmelte sie leise und eilte die Stufen hinunter, "Irgendwo müssen die doch sein." - "Hier sind wir!", antwortete Markos, der plötzlich aus einem der Räume auf den Flur getreten war. Emilia fiel ein Stein vom Herzen - doch was nun?
“Der König verhält sich eigenartig,” kommentierte Markos besorgt weiter, “Er ist zwar nicht mehr so leblos, aber nach wie vor so starr. Er ist wie benommen und hat irgendwohin wollen…”
“Markos, jetzt komm schon,” rief es aus der Kammer, “Ich kann ihn wirklich nicht alleine zurückha-” Ein schmerzerfüllter Schrei hallte dem jähen Bruch der Worte hinterher und Markos fuhr mit der Aufmerksamkeit über die Schwelle zurück, worauf er förmlich zusammenzuckte.
Ehe er verstehen konnte, hechtete er beiseite und hinter ihm schlitzte ein prächtiges Schwert durch die Wand des Flures, splitternde Holzfragmente über ihn herabregnen lassend. Sich vor Emilia aufrappelnd, erfasste er den benommenen König, der zum Schwert gegriffen und plötzlich angegriffen hatte, sich in ihre Richtung drehend. “...und ihr habt euch wohl generell nicht so gut verstanden…?”, konstatierte die Händlerin überrascht wie gleichwohl schockiert.
“...Emilia…,” murmelte sich Markos über die Schulter zu ihr. Sein Gesicht war nicht mehr besorgt. Es erschien vielmehr überfordert. “Keine Ahnung, was in ihn gefahren ist, wirklich… aber das ist ganz sicher kein Kampf, den ich führen will… den wir führen sollten, oder?” Er sah sich nicht befähigt, seinen König mit Gewalt zurückzuhalten. Klar, es handelte sich um einen vollends gerüsteten Runenrittermeister und er würde ihm vermutlich ohnehin unterliegen, aber was für ihn in diesem Augenblick viel eher zählte, war der Umstand, dass es sich auch um Riwalon Rowenberg handelte, nicht bloss um seinen König, sondern auch um einen Part des Volkes, für das sie hatten kämpfen wollen. Er setzte Fuss in ihre Richtung, sie aus abwesendem Gesichtsausdruck fixierend und mit Blut an der Klinge in seiner Hand.
“Dann sollten wir uns besser schnell etwas überlegen, wenn du den Kampf nicht führen willst…”, merkte Emilia leicht beunruhigt an. Markos stand die ganze Zeit vor ihr. Er zog sein Schwert. Es war eng unter Deck. Kein Platz für einen ausladenden Kampf. Vielleicht war es so möglich den König zurückzuhalten. Es widerstrebte jeder Faser seines Körpers, gegen ihn zu kämpfen, doch wenn er seine Werte verteidigen musste, würde er auch gegen seinen König kämpfen - und er musste siegreich hervorgehen.
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#451 Koikun

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Posted 20 October 2017 - 08:41 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Auf dem Luftschiff: Tea hatte das Cockpit mittlerweile verlassen. Dort hatte sie nichts erreichen können. Als sie über Deck eilte, an den gefesselten Soldaten vorbei und an die Reling, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, erkannte sie die nach wie vor strömenden Menschen, man konnte meinen, sie würden aus und von dem Schatten des Luftschiffes flüchten. Der Fakt war jedoch: Sie flüchteten vor dem Gas.
Plötzlich erhaschte sie neben den Leuten, die im Süden auf Dächer stiegen, noch andere Leute, die im Osten bereits auf Dächern standen und Richtung Luftschiff winkten und anscheinend riefen. Richtig, der allersicherste Ort für die Menschen dort unten stellte das Luftschiff höchstselbst dar.
Sie schaute sich um. Auch ihre Gilde war zu Teilen dort unten und wenn sie aus Lighthalzen entkommen wollten, musste das offensichtlich über das Luftschiff geschehen. Das Luftschiff hatte sich zu einer günstigeren Position als die Slums gemausert, in denen sie hatten die Flucht ergreifen wollen.
Sie betrachtete die gefesselten Soldaten und besorgte sich weitere Seile, aus denen sie in Windeseile ein viel, viel längeres Seil knüpfte, das sie in hohem Bogen über die Reling warf. Gezielt jedoch hatte sie sich nach ganz vorne des Schiffes begeben und das Seil mit einem Gewicht nach Osten ausgeworfen, wo die Leute bereits bereit waren, um vor dem Gas zu entkommen. Sie ahnte nicht, dass es sich bei diesen Leuten nicht um das Volk von Prontera, sondern um Slumbewohner handelte. Auf der Suche nach einem Ansatz hatten sie die Aufmerksamkeit des Schiffes erfolgreich auf sich gezogen. So wie nun auch das Seil, das sie in den Händen hielten und an dem sie gedachten, empor zu klettern, um nicht nur vor der Gefahr zu entkommen, sondern auch um zu den Verantwortlichen zu gelangen.

Unter Deck: Markos und Emilia stellten sich ihrem König, als plötzlich Ikarus aus dem Zimmer aufrief: “Stellt euch ihm nicht in den Weg!” Mit von der Brust geschnittener Kleidung und tief geschlagener Wunde stürzte er sich hinter Riwalon Rowenberg in den Flur: “Er hat ein Ziel…!,” keuchte er, “...er will irgendwohin, hat er einen Befehl auszuführen?” Markos begriff. Als die beiden jungen Männer ihm zuvor begegnet waren, waren sie nicht attackiert worden. Erst nachdem sie ihn zurückgeführt und zurückgehalten hatten, waren sie in sein Visier geraten.
Schlagartig steckte Markos sein Schwert wieder ein, er packte Emilia und drückte sich mit ihr an die Wand, als ihr König vor ihnen Fuss aufsetzte. Er stand vor ihnen, weiterhin dem Flur entlangschauend, dann langsamen Schrittes weitermarschierend. “...es schaut so aus,” stimmte Markos zu, “Aber wie und warum und was, und…?” Er verstand nicht. Aber er war froh, dass er nicht kämpfen musste. Es wäre sein sicherer Tod gewesen, weshalb er nun auch derart schweissgebadet war.
“Wir müssen herausfinden, wohin er will und was er tun will,” unterstrich er, zu Ikarus eilend, um ihm aufzuhelfen, wobei dieser erwiderte: “...ich kann ihn schrumpfen, aber vielleicht können wir Informationen gewinnen, die Leben retten… aber was hat das alles zu bedeuten?”

Unterdessen bewegte sich Arhat geführt von einem Agilitätszauber überraschend geschickt durch die Menschenmasse, die sich inzwischen langsamer bewegte. Im Vorbeigehen riss er ein hängendes Tuch von einem der leeren Stände und band es sich geschickt um Nase und Mund. Es würde nicht für ewig halten, aber ihm genug Zeit geben, Wolfgang und Alphonse zu finden.
Es wurde weiterhin Druck nach Süden ausgeübt. Nicht mehr wegen den Monstern von Wolfgang, sondern wegen den Menschen, die immer häufiger anscheinend grundlos zusammenklappten. Bei jeder Gelegenheit rief er in die Menge, dass sie sich auf die Dächer retten sollten. Dort wären sie geschützt vor dem Gas.
Irgendwann war er soweit in die Slums vorgedrungen, dass nur noch bewusstlose Menschen um ihn herum lagen. Er sondierte das Gebiet und wich einem Stein aus. Der Mönch folgte der Flugbahn und sah Wolfgang, der gerade vornüber fiel und neben Alphonse zum erliegen kam.
Eilig wollte er zu ihnen aufschließen, da griff eine Hand nach seinem Fußgelenk. Überrascht blickte er nach unten und sah eine der umgekippten Personen, die sich an ihm aufraffen wollte. Andere folgten dem Beispiel. Zuerst wollte er ihnen helfen, doch schnell bemerkte er, dass sie ihn festhalten wollten. Einer versuchte sogar, dem Mönch die improvisierte Maske abzureißen. Ihre benommene Art machte es dem Mönch jedoch nicht so schwer, sie abzuschütteln. Sie erschienen Arhat sonderbar starr und wie in Trance. Eilig warf er sich Wolfgang über die linke Schulter und versuchte, den deutlich schwereren Ritter mit dem anderen Arm zu transportieren. Ein Weg zurück nach Süden war direkt nicht mehr möglich. Zu viel Unruhe schien in die kurz zuvor bewusstlosen Menschen gefahren zu sein. Er nahm den ersten Hauseingang und machte sich auf den Weg auf dessen Dach.

Kurz zuvor auf den Hausdächern im Westen der Slums: Mit zusammengekniffenen Augen sah Yuen zu den Wächtern hinüber: “Einfach wird das nicht...” Er machte eine Pause. Er kannte diese Kreaturen gut. Viele hatte er schon niedergeschlagen - beziehungsweise war Teil gewesen. In einem wo dünnen Team hatte er ihnen noch nie gegenüber gestanden. Zu zweit gegen eines dieser Biester erschien ihm als Wanderung am Limit - zu zweit gegen sechs von ihrer Sorte war eine Herausforderung - gelinde gesagt. Doch er hatte zugesagt, dass sie ihren Teil tun würden - und das hieß, es musste nun eine Lösung gefunden werden.
Noch bevor er sich weiter äußern konnte, bemerkte er, wie einer der Bogenwächter die Waffe zum Schuss erhob. Der Wächter konnte sie unmöglich gesehen haben - zielte nach Yuens Dafürhalten auch nicht auf ihre Position - weshalb sie still verharrten. Fast lautlos zischte der Pfeil durch die Nacht. Überflog die beiden in Richtung Zentrum. “Was sollte das?”, fragte Jonah leise. Beide wandten für einen Moment ihre Blicke nach hinten. Sahen zuerst nichts doch dann fiel es beiden auf - ein Seil, das aus dem Luftschiff hing, an dem sich bereits Leute zu schaffen machten. “Die haben es bestimmt auf das Seil abgesehen…”, murmelte Yuen - es war in der Tat ein guter Fluchtweg - sie mussten verhindern, dass es zerstört würde.
“Was schlägst du vor?”, drängte Jonah nun in die Offensive. “Unsere Gegner sind Rüstungsteile, die von einem Energiefluss zusammengehalten werden. Es hilft fast nichts, diese Rüstungsteile anzugreifen”, begann er in knappen Worten zu erklären, “Wir müssen unsere Angriffe auf die Verbindungsstellen richten. Jeder Angriff stört den Energiefluss und trägt ihn ab - solange bis er irgendwann komplett zusammenbricht. Man kann es den Wächtern von außen nicht ansehen. Es kann also sein, dass sie irgendwann einfach auseinanderfallen, pass auf, dass du von ihren Teilen nicht erschlagen wirst.” - Er machte eine kurze Pause. “Unsere Gegner sind zwei Bogenwächter, zwei Soldatenwächter und zwei Ritterwächter. Bogenwächter und Ritterwächter sind auf einem Level - sie sind schnell und stark. Der eine im Fernkampf, der andere im Nahkampf. Die Soldatenwächter sind das kleinere Übel, sie sind weniger robust, langsamer und weniger stark”, erklärte er weiter, machte dann aber nochmal eine Pause, “Ich habe allerdings bisher immer im Team von drei gegen jeweils einen dieser Wächter gekämpft - es zu zweit mit sechs aufzunehmen könnte ein Problem werden. Wir müssen uns ein System überlegen. Und das schnell.” - Jonah schaute ihn wenig begeistert an. Sie vertraute seiner Einschätzung - hätte die Zahlenverhältnisse aber gern vorher gewusst.

Inzwischen war Arhat auf dem Dach des Hauses angekommen. Ein helles Surren veranlasste ihn zum Ducken und schnell war klar, dass ein großer Pfeil an ihm vorbeigerauscht war. Von Westen schossen die Wächter anscheinend immer noch. Geduckt machte er sich zuerst an die Heilung von Wolfgang. Er hoffte, dass er mit seiner Magie die Wirkung des Gases vernichten konnte.
Und Tatsache, der Clown bewegte sich wieder. Und zog Arhat das Tuch vom Mund. “Wolfgang? Alles in Ordnung?”, fragte Arhat vorsichtig und befürchtete bereits das Schlimmste. Auch von hinten hörte er ein Murmeln. Alphonse schien ebenso aufzuwachen. Halblahm stürzten sich beide auf den Abt und versuchten, ihn vom Dach zu stossen.

“Ich habe einen Plan”, meinte Yuen schließlich, “Vertraust du mir?” - Jonah nickte. “Gut”, antwortete Yuen, “Der Plan ist nämlich ziemlich verrückt - wir werden die Wächter zu unseren Puppen machen. Dafür werden wir ein paar Schwachstellen ausnutzen…”
“Was meinst du damit?”, fragte Jonah, die etwas auf offene Karten pochen wollte. Sie wollte nicht noch mehr unangenehme Überraschungen. “Wir nutzen ihre schlechte Ortung aus. Das ist so eine Sache. Wir wurden markiert, das heißt, sie können uns orten - aber nur wie auf einer zweidimensionalen Karte. Sie wissen nichts darüber, wie groß wir sind und vor allem auf welcher Höhe wir uns über dem Boden befinden - sie werden, solange sie uns nicht sehen, immer davon ausgehen, dass wir auf dem Boden sind und daher erdnah angreifen.” - “Du meinst also wir sollten jetzt fliegen lernen?”, machte sich Jonah etwas über ihn lustig, doch er blieb ernst. - “Ja”, entgegnete er voller Entschlossenheit, “Wir brauchen einen Bogen, ein Seil und deine vergangenen Künste.”
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#452 Koikun

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Posted 31 October 2017 - 09:42 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Arhat konnte sich ohne Probleme gegen die Halblahmen behaupten. Die Schwierigkeit bestand mehr darin, sie nicht ungewollt zu verletzen. Und vor allem Stand die Frage im Raum, wie er die Situation angehen sollte. Denn gleichzeitig zu diesem halbgaren Kampf musste Arhat immer darauf achten, Zombie-Wolfgang und –Alphonse aus dem Weg zu schubsen, wenn sie gerade wieder ungeschickt aufrecht und in Schusslinie der Wächter-Armbrust in der Distanz standen.
Plötzlich spürte der Abt einen starken Zug, gerade als er Wolfgang erneut Paroli bot. Alphonse hatte in Arhats Rücken sein Zauberbuch geöffnet und hielt es gegen die anderen auf dem Dach. Der Mönch versuchte, sich noch irgendwo festzuhalten, wurde aber vom ihm entgegen schlagenden Clown zusätzlich ins Buch gedrückt und verschwand darin. Als die Seiten um ihn herum flatternden, fragte sich Arhat, ob dies alles eine Prüfung der Götter war.

Im Westen der Slums: Langsam spannte die Assassine ihren Bogen. Es war kein besonders guter Bogen, sie hatte ihn zum Glück in einem der nahen Häuser auftreiben können - ihren eigenen hatte sie wie so oft nicht bei sich. Reglos und etwas geduckt auf dem Dach kniend. Auch ein einigermaßen stabiles Seil hatte sich gefunden. Es würde sie tragen. Es lag nur an ihr. Jonah musste den Pfeil so schießen, dass er das Seil in ausreichender Weise festigte. Die Distanz war nicht allzu weit. Einige zig Meter.
Noch einmal atmete sie tief durch. Ließ die Sehne schnellen. Ließ sich sofort zur Seite auf den Boden fallen. Ein Pfeil surrte durch die Nacht, über sie hinweg. Sie hatte sich zu lange im Sichtfeld des einen Bogenwächters befunden. Sie hatte den Schuss kommen sehen. Hatte gesehen, wie der armbrustähnliche Bogen sich in ihre Richtung gehoben hatte - hatte trotzdem die Nerven behalten und ihren Schuss ins Ziel gebracht.
Der Pfeil mit dem Seil hatte sich offenbar in der hölzernen Umzäunung des Wachturms beim Tor verhakt. Das Seil gab auch bei starkem Zug nicht nach. “So in etwa?”, merkte Jonah weniger als Frage denn als Aussage an, als sie sich langsam wieder etwas erhob. “Genau so”, antwortete Yuen, der sich gerade daran machte, das andere Ende sicher an der Hütte zu befestigen.

Unsanft landeten Arhat und Wolfgang auf dem harten Boden der Waffenkammer, die Alphonse in seinem Buch verstaut hatte. Wolfgang richtete sich auf und zog seine Laute. Er bewegte sich inzwischen etwas geschickter, jedoch nicht annähernd vergleichbar mit seinem wahren Ich. Ein paar müde Pfeile flogen in Richtung Mönch, welcher diesen problemlos auswich. Mit einer geschickten Kombination schlug er dem Clown das umfunktionierte Instrument aus der Hand. „Wolfgang, wach auf!“, brüllte er ihm entgegen. Doch es kam nichts an. Das vermittelte ihm zumindest der stoische Gesichtsausdruck von Wolfgang gepaart mit seinen halb geöffneten Augen.
Obwohl der Clown ohne Waffe dastand, hörte der Mönch das Surren eines Pfeils. Instinktiv wich er aus, woraufhin an seiner ehemaligen Position ein grosser Bolzen aufschlug. Er blickt hoch. Schlussfolgerte schnell, dass Alphonse anscheinend die Aufmerksamkeit eines der Bogenwächter nutzte, um dessen Bolzen ins Buch aufzunehmen und gegen Arhat zu steuern. Die Pfeile aus dem Himmel machten seine Arbeit nicht unbedingt einfacher.
Wolfgang hatte indes eines der Schwerter in der Waffenkammer sein Eigen erklärt und stürmte damit auf sein Gegenüber los. Dem benebelten Clown war wohl nicht bewusst, dass er im Nahkampf deutlich unterlegen war. Seine unbedachte Art machte es dem Mönch zumindest einfacher, sie beide vor dem Pfeilregen von oben zu beschützen.
„Arhat?!“, rief eine ihm bekannte Stimme überrascht. Der Mönch blickte sich um und sah Roy und Rincewind. Beide verletzt, Letzterer bewusstlos. Arhats fragender Blick brachte Roy zur Erklärung: „Alphonse hatte uns in sein Buch aufgenommen, damit ich mich in Ruhe um Rincewind kümmern kann bis wir zu euch aufschliessen.“ Der Mönch nickte. Anscheinend hatten sie so auch dem Gas entkommen können, weswegen sie noch immer sie selbst waren. „Kannst Du laufen?“, fragte Arhat, während er einer weiteren Attacke von Wolfgang auswich und mit einer Sphäre den von oben herannahenden Bolzen ablenkte. „Nein, tut mir Leid“, meinte Roy sein Becken musternd, „Ich konnte nur die Blutung von Rincewind mit Eis stoppen.“
‚Mit Eis stoppen‘, wiederholte Arhat im Kopf und schmunzelte leicht. Er rannte sofort los und pflückte sich eines der grösseren Schilde aus den Regalen. Mit der Halterung Richtung Wolfgang warf er es ihm zu. Perplex liess dieser sein Schwert fallen und fing das Schild auf. Er beäugte es kurz und begutachtete dessen scharfe Kanten. Anscheinend befand er es für tauglich und versuchte umgehend, damit auf den Mönch einzuschlagen.
„Wenn ich es sage, frier ihn ein!“, rief Arhat Roy zu, der nur verwirrt nickte.
Schlag um Schlag näherten die zwei Kämpfer sich den verletzten Magiern. Gerade als Wolfgang für einen weiteren Schlag voll ausholte, gab Arhat das Kommando. Sofort wurde der Clown von einer eisigen Schicht ummantelt. „Halte es aufrecht!“, bat der Abt und zog Rincewind zu sich. Roy verstand erst, als der nächste Bolzen aus dem Nichts von oben herabfuhr und auf den gen Himmel gestreckten Schild prallte. Der Mönch hatte sich mit Hilfe von Wolfgang und Roy ein provisorisches Dach gebaut, unter dem er in Ruhe Rincewind versorgen konnte.

Jonah rannte die leichte Anhöhe hinab. Es gab nichts, was ihr Schutz bot. Karges Land, durchsetzt von Wiesenflächen. Unsichtbar bewegen konnte sie sich nicht. Die Wächter würden ihre Position kennen. Und sie war in diesem Zustand viel zu langsam.
Sie hoffte, dass Yuens Plan funktionierte. Sie war die schnellere. Deshalb rannte sie. Sie musste die Aufmerksamkeit der Bogenwächter auf sich ziehen. Und es hatte nicht lange gedauert, bis sie genau das erreicht hatte. Wie ein Hase auf dem Feld schlug sie Haken und wich den Pfeilen aus. Diese kamen nun deutlich schneller, je weiter sie sich in die effektive Kampfreichweite der Wächter begab. Beide hatten ihr Ziel in ihr fest erfasst.
Zur gleichen Zeit setzte Yuen sich in Bewegung. Er war der langsamere von beiden. Auf freiem Feld waren seine Chancen schlechter als die Jonahs. Er schwang sich mit einem leicht gekrümmten Ast auf das gespannte Seil und glitt mit zunehmender Geschwindigkeit in Richtung des Stadttores. Jetzt begann die heiße Phase. Er wäre ein einfaches Ziel gewesen - doch Jonah tat ihren Teil gut. Wich in Brillanz allen Angriffen aus und schloss fast gleich schnell wie ihr fliegender Partner auf.
Es vergingen nur wenige Sekunden, bis Yuen sich direkt über den Wächtern befand. Er fing sich mit den Beinen am Wachturm ab und stieß sich gekonnt leicht seitlich weg. Von oben herab fiel er einem der Bogenwächter, die sich mit ihrer Größe nur knapp zwei Meter unter ihm befanden, in den Rücken. Mit aller Kraft hielt er sich an den beweglichen Rüstungsteilen fest und verschmolz sofort zur Unsichtbarkeit - denn das war sein Plan gewesen. Das wollte er erreichen. Zwischen den imaginären Schultern des Rüstungskomplexes konnte der Wächter selbst ihn nicht angreifen. Auch wenn das autonome Bewusstsein genau wusste, dass er da war - seine Freiheitsgrade ließen es nicht zu. Genau wie Yuen es feststellte, als der Bogenwächter begann, nach ihm zu fuchteln - ihn aber nicht erreichte. Mehr noch - da er nun in den Kampfbereich der anderen vier Wächter eingedrungen war, begannen auch diese, ihn anzugreifen. Da sie ihn nicht sehen konnten schlugen sie ihre Schwerter auf Bodenhöhe - in die Beine des infiltrierten Bogenwächters. Bei zwei Soldatenwächtern und zwei Ritterwächtern war es eine Frage kurzer Zeit, bis der Bogenwächter zugrunde ging.

Arhat hatte nach kurzer Zeit die Notversorgung von Rincewind abgeschlossen. Der Bolzen war wieder draussen und die Wunde verheilt. Der alte Mann war jedoch noch immer bewusstlos, mehr erlaubte ihm sein Körper anscheinend nicht.
Überrascht stellten sie fest, dass der kontinuierliche Pfeilregen aufgehört hatte. Entweder hatte der Wächter aufgehört zu schiessen oder Alphonse war etwas geschehen. Arhat wollte die Chance ungeachtet der Ursache nutzen.
„Bitte versuch Wolfgang weiter still zu halten, während ich den Bolzen rausnehme“, bat der Mönch den jungen Magier. Dieser nickte nur verbissen, als Arhat bereits mit seiner rechten Pranke das Ende des tief steckenden Bolzens umfasste. Er legte seine andere Hand direkt an den Körper seine Patienten, stabilisierte den Pfeil und brach das befiederte Ende ab. Roy schaffte es nur leicht zu winseln. Arhat befreite das abgebrochene Ende von den grössten Splittern und zog dann nach einem kurzen Blickwechsel mit Roy mit einem Ruck den Bolzen in Pfeilrichtung heraus. Nun jaulte der Magier auf und das Eis um Wolfgang bekam Risse. Sofort setzte Arhat mit seiner Heilung an und schloss die Wunde. So wie das Blut langsam versickerte, so wurde das Eis um Wolfgang auch wieder dicker.
Als Roy wieder einigermassen kampffähig war, kümmerten sie sich zusammen um Wolfgang. Nun ereilte ihn dasselbe Schicksal, wie dem Biochemiker. Zwar wurden ihm keine Körperteile abgehackt, aber schön verschnürt wurde er allemal.

Jonah nutzte die erneute Durchmischung der Situation, um sich nun allein gegen den verbleibenden, aktiven Bogenwächter durchzusetzen. Zehn Meter lagen noch zwischen ihr und dem Wächter. Die Nahkämpfer beachteten sie für den Moment nicht. Waren sich ihrer Sache mit ihrem anderen Ziel sicher. Auf die Distanz war es schwer auszuweichen. Der Bogenwächter hielt auf sie zu, so wie sie auf ihn. Unvermittelt wich sie aus. Einen kurzen Augenblick, bevor der nächste Pfeil losschnellte und mit einem Schlag im Boden stecken blieb. Antizipation war etwas, das Jonah gut beherrschte.
Es verging nur ein Sekundenbruchteil, bis der automatische Bogen nachgeladen hatte, doch Jonah war schon verschwunden. Hatte zur Ablenkung im Lauf einige Holzpfähle aus dem Boden schießen lassen, die den Wächter zwar trafen, aber mehr ablenkten als schädigten. Yuen hatte sie instruiert. Sobald sie den anderen Bogenwächter erreichte, sollte sie an ihm emporklettern. Irgendeinen Weg dazu finden. Und sich dann in seinem Rücken festhalten.
Aus vollem Gallop sprang sie den Wächter an. Sie hatte ihn halb umrundet und hatte ihn so etwa auf Höhe der stählernen Hüfte ergriffen. Sofort verschmolz auch sie mit den Schatten. Und ehe dem Wächter bewusst wurde, wie ihm geschah, hatte sie ihn erklommen und krallte sich nun ebenfalls in seinem Rücken fest - auch sie war sicher. Vorerst.

In den zentralen Slums: Da die Wächter mittlerweile komplett mit den beiden Assassinen beschäftigt waren, konnte Sebastien unbehelligt über die Dächer eilen. Er hatte die Pfeilschüsse gesehen und wollte zu deren Ziel aufschliessen.
Schnell sah er seinen Kameraden, der etwas neben der Spur wirkte und sein Buch musterte. Irgendwie schien er sich nicht darüber zu freuen, dass der Pfeilbeschuss aufgehört hatte. „Alphonse!“, rief er ihm zu, da fiel dem Angesprochenen plötzlich das Buch aus den Händen und die darin Gefangenen purzelten daraus heraus. Sie hatten sich an einer der Wände im Buch zu schaffen gemacht und sie zerrissen. Das Buch war noch immer ganz, jedoch hatte der virtuelle Schaden genügt, um den Zauber kurzzeitig zu brechen. Überrascht musterte Sebastien die Anwesenden und den gefesselten Wolfgang. „Ich versteh nicht ganz?“, meinte er und durchdrang mit seinem Blick Alphonse, der inzwischen zu seinem Buch wanderte. „Das Gas verändert die Menschen, sie sind nicht sie selbst“, versuchte Arhat auf den Punkt zu kommen, „Wolfgang und Alphonse sind betroffen.“ Mit geschwinden Bewegungen bugsierte sich Sebastien vor Alphonse, der genervt aufstöhnte. Die Aussage des Mönchs war sonderbar, doch so war auch das Verhalten von seinem Kameraden einzuschätzen.
Und zu den Tönen von Alphonse gesellten sich immer mehr Stimmen. Mehr und mehr der bewusstlosen Menschen in den Gassen kamen wieder zu sich. Und offenbar hatten sie den Weg von Sebastien verfolgt, denn Roy stellte fest, dass sie sich um das Haus versammelten.
Es musste schnell gehandelt werden. Gemeinsam zurrten sie Alphonse fest und banden ihn an Wolfgang. Roy warf einen missmutigen Blick nach unten und stellte laut fest: „Sie stapeln sich sogar übereinander, um zu uns auf das Dach zu kommen!“ – „Sie wollen uns vermutlich ins Gas zerren“, schlussfolgerte Arhat nüchtern und machte sich einen Überblick über die Situation. Sie hatte zwei Benommene, die sich vermutlich wehren würden. Zudem einen Bewusstlosen.
Sebastien versuchte auf Alphonse einzureden und ihn zu läutern, aber er stiess anscheinend auf taube Ohren. „Wir können nicht zwei Leute gegen ihren Willen und einen Bewusstlosen unbeschwert in Sicherheit bringen“, meinte er schliesslich, „aber vielleicht können wir das Buch von Alphonse zu unseren Gunsten nutzen. Verschafft mir bitte etwas Zeit.“ Mangels eines besseren Vorschlags kümmerten sich Arhat und Roy um die herannahende Bedrohung. Während Arhat mit schwachen Druckwellen die sich auftürmenden Massen immer wieder zum Einsturz brachte, eiste Roy die Aussenwände des Gebäudes ein. Fürs Erste waren sie so sicher.

Yuen bemerkte, dass der Plan funktioniert hatte und auch Jonah in Position war. Jetzt hieß es für den Moment Ruhe bewahren. Die restlichen vier Wächter würden die Arbeit machen - wenn nichts schief ging. Vielleicht konnten sie nach diesem Muster noch mehr von den Wächtern ausschalten.
Nur wenig später war der Wächter, auf dem der Assassin sich befand, am Limit. Das spürte er. Der Energiefluss in den Rüstungsteilen drohte jederzeit abzureißen - dann würde er zusammen mit den schweren Rüstungsteilen zu Boden stürzen.
Just rechtzeitig stieß er sich vom Rücken des Kolosses ab um wieder das gespannte Seil zu ergreifen. Sein Timing war dabei so perfekt, dass es wirkte, als sei der Wächter unter dem Absprung zusammengebrochen. Schnell zog er sich an dem Seil empor und hechtete über die nahe Brüstung des Wachturmes über dem Stadttor - denn am Seil hängend wäre er Futter für die restlichen Wächter gewesen.
Bevor er weiterdenken konnte stellte er jedoch fest, dass er auf dem Wachturm nicht alleine war. Zwei Soldaten, augenscheinlich eine Patrouille, die einigermaßen verdattert auf ihn starrten, und sich fragten, wo dieser Assassin herkam, standen ihm gegenüber. Ohne Pause und Unterlass zückte er hinter seinem Rücken die Katare und stürmte ihnen entgegen. Es war keine Zeit der Verhandlung. Es herrschte Krieg.
Der erste hatte ihm nichts entgegenzusetzen. Er war das Bauernopfer. Der beidhändig bewaffnete Assassin blockierte den zu langsam gezogenen Revolver und schlitzte mit der zweiten Hand die fremde Kehle auf. In einem dunklen Strahl quoll Blut hervor und ließ den ersten unfähig niedergehen.
Der zweite hatte Zeit gehabt. Zeit sich zu wappnen - wenn auch nicht viel. Nur Sekundenbruchteile waren vergangen. Yuen schlug ohne abzulassen todbringend mit den Kataren auf seinen Gegner ein. Der war auch mit einem Revolver bewaffnet, behauptete sich im Nahkampf aber mit einem beidhändigen geführten Kampfstab. Es war die bessere Überlebensstrategie. Er stellte sich gut an. Deutlich besser als der Besiegte. Er war schnell. Ebenbürtig mit Yuen. Schaffte es, seine Angriffe abzuwehren. Ließ den Revolver fürs erste sein. Fing den aggressiven Eindringling ab. Mehr noch. Aus einer Abwehrbewegung heraus fegte er ihm mit dem Stock die Beine weg und schickte ihn unsanft zu Boden. Yuen wurde klar, dass sein Gegner kein einfacher war. “Vom Regen in die Traufe!”, dachte er sich grimmig, bevor er sich von seinem Gegner wegrollte und sich sofort wieder auf den Beinen fand.

Sebastien, der die Hände an die Schläfen seines Kameraden gelegt hatte, sah dessen Buch als idealen Ausweg aus dieser Situation an. Doch ohne die Befugnis des Besitzers konnten sie es nicht benutzen, weshalb sich der Paladin sich zu ihm gekniet hatte, um ihn zu läutern.
“Dieser Zustand, ich hatte ihn der Konfusion verwandt geglaubt,” erklärte er über seine Schultern zu den beiden gegen die manischen Massen unterstützenden Männern, “Aber ich kann diesen Zustand nicht beheben, es muss sich um etwas vollkommen unbekanntes handeln.” In Anbetracht der Stadt, in der sie sich befanden, nicht unbedingt verwunderlich, wie er sich zähneknirschend eingestehen musste. “Es ist, als würde die Läuterung ihr Ziel nicht erreichen, als wären Körper und Geist voneinander abgeschottet. Ich stosse auf taube Ohren. Mir scheint, als wäre ihnen der Geist geraubt worden, um ihre Körper blindlings loswüten zu lassen. Aber das kann es auch nicht sein. Sie haben nicht nur ein Ziel, indem sie es auf uns abgesehen haben, sie können sogar zwischen uns und zum Beispiel Alphonse unterscheiden, der ihnen beziehungsweise dem Gas bereits zum Opfer gefallen ist. Sie wüten nicht blind… aber was hat dieses Gas dann mit ihnen gemacht?!” Normalerweise behielt Sebastien von Silberhain die Fassung ohne grossartige Probleme. Doch sein Volk, seine Leute und Freunde, die um ihn herum in den Gassen fielen und gegen ihn erhoben wurden, liessen trotz grösstmöglicher Konzentration Beunruhigung bruchstückhaft sichtbar werden und in seinen Worten mitschwingen.

Während Jonah auf die gleiche Weise wie Yuen den verbleibenden Bogenwächter niederrang, fand Yuen sich weiter im Kampf mit dem zweiten Soldaten. Er blieb auf kurzer Distanz, ließ ihm keine Chance, seine gefährlichen Schusswaffen zu verwenden. Er zwang ihn zur Nutzung des Stabs - auch wenn er damit gut war.
Der Assassin wechselte die Strategie. Nutzte seine Fähigkeit zur Unsichtbarkeit. Nur kurz, denn sie machte ihn langsam. Er bewegte sich einen Schritt, wurde wieder sichtbar. Griff an. Auch er testete seinen Gegner aus. Wiederholte die Prozedur. Auch wenn sie anstrengend war.
Er hatte Erfolg damit. Er drängte den Soldaten zunehmend weiter in die Defensive. Schob ihn mit seinen Angriffen stadtwärts über den Wachturm. Doch sein Gegner war nicht dumm. Er ahnte, dass Yuen sich nicht mehr als einen Schritt bewegen würde. Machte ausladendere Attacken, die ihn treffen sollten, auch wenn er nicht wusste, wo Yuen war. Mehrfach musste der Assassin ausweichen, wurde in seiner weiteren Strategie behindert.
Schließlich ließ er sich zwei Schritte zurückfallen. Blieb unsichtbar. Stille. Nur die Schläge der Wächter klangen in der Luft. Beide Kontrahenten waren außer Atem. Wie ein Wolf kreiste Yuen in den Schatten um seinen Gegner, der den Stab hochhielt und sich angespannt umsah.
Er musste das Risiko eingehen. So schwer es ihm fiel es zuzugeben - aber im unmittelbaren Nahkampf war dieser Soldat ihm mindestens ebenbürtig. Welcher Profession er war, konnte er nicht erkennen - aber er wusste eines. Zum ersten mal hatte dieser Kerl nicht mit dem Stab gekämpft. Yuen stand halbrechts von ihm. Drei Schritte entfernt. Unsichtbar. Der Soldat hatte mittlerweile auch den Griff am Revolver. Eine kurze Verzögerung, die möglicherweise über Sieg oder Tod entschied. Yuen durchbrach die Schatten. Mit der rechten Hand auf den Soldaten gerichtet. Konzentrierte sich für einen Sekundenbruchteil. Beschwor einen Impuls todbringender Energie, die die Seele des Gegenüber zerstören sollte, herauf. Sah wie in Zeitlupe, wie der Revolver sich auf ihn richtete. Der Impuls löste sich - ebenso wie der Schuss. Zeitgleich versuchte Yuen, sich in einer Drehung klein zu machen und abzuwenden. Auch der Soldat versuchte auszuweichen - doch dieser Versuch war vergebens. Der Energiestoß fand sein Ziel immer. Ebenso wie den Assassin die Kugel in den linken Oberarm traf. Er blendete den Schmerz aus. Sah wie sein Energiestoß den Soldaten innerlich zerriss. Wie er sich krümmte. Jetzt oder nie war seine Chance. Mit dem Katar wieder in der Rechten stürmte er vor und schlitze auch dem zweiten, gerade wehrlosen Soldaten in einem Zug die Kehle auf, bevor er ihn mit einem gekonnten Tritt über das Geländer in Richtung Stadt verabschiedete.

Jonah war es besser ergangen. Sie hatte wie auch Yuen die beschränkte Intelligenz der Wächter ausgenutzt - hatte anders als Yuen aber nicht zu deuten gewusst, wann der Bogenwächter besiegt werden würde. Unsanft war sie mit den Rüstungsteilen zu Boden gestürzt.
Doch sie hatte schnell geschaltet. Alleine hatte sie keine Chance gegen vier Wächter. Sie konnte sich auch nicht bodennah verstecken, da die Wächter sie orten würden. Von Yuen war ebenfalls keine Spur. Deckung gab es auch nicht. Um die Wand empor zu kommen war auch keine Zeit. Ihr blieb nur ein Weg - die Flucht nach hinten.
Da sie Zeit gehabt hatte, sich von ihrem letzten Sprint zu erhohlen, hatte sie nun wieder alle Energie um ihr Leben zu rennen. Flink schlug sie erneut über das Feld. Zu Gute kam ihr, dass die Wächter sehr schnell die Verfolgung abbrachen, da sie vermutlich beordert waren, das Tor zu schützen.
Sie überlegte sich was nun - denn der eigentliche Plan war gewesen, dass sie mit Yuen zusammen, den Wachturm über dem Tor enterte - doch es musste auf Yuens Seite Schwierigkeiten gegeben haben. Unzufrieden biss sie sich auf die Unterlippe - sie hatte nämlich auch keine Kommunikationsmöglichkeit mehr zu ihm.

Für einen Moment stand Yuen still und atmete durch. Der Kampf hatte ihn erschöpft. Er betrachtete seinen Oberarm. Die Wunde blutete nicht unerheblich. Er biss die Zähne zusammen. Versuchte sie notdürftig abzubinden. Diese Soldaten waren nicht eingeplant gewesen. Aber er würde es überleben.
Vorsichtig spähte er über die Mauer Richtung Stadt. Erst jetzt kam ihm, dass es eine dumme Idee gewesen war, den Soldaten über die Mauer zu treten - jetzt wusste auch der letzte dort unten, dass ein Kampf stattgefunden hatte.
Mehrere Einheiten von Soldaten standen bereit zum Angriff aufgereiht in der Stadt. Er erblickte auch einige Alchemisten mit Masken. An ihrer Seite Tengus. Ein älterer Mann mit weißen Haaren schien dort unten das Kommando zu haben. Yuen sah noch, wie die Alchemisten ausrückten, bevor einige Soldaten die Gewehre hoben und das Feuer auf den Turm eröffneten. Rechtzeitig war er in Deckung gegangen, sodass er nur die vorbeizischenden und einprallenden Kugeln hörte. Hier oben hatte er aber nicht mehr lange seinen Frieden - das wusste er sicher.
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#453 Koikun

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Posted 17 November 2017 - 01:00 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Auf dem Luftschiff: Der wie besessen abwesend wandernde König erreichte das Deck, dicht gefolgt von Markos, der den verletzten Ikarus stützte, und Emilia. "Will er etwa in das Cockpit?," realisierte Markos, denn Riwalon Rowenberg schien das Deck passieren zu wollen und auf der anderen Seite war der Eingang zum Cockpit.
Von der Reling eilte Tea an den bewusstlosen Soldaten vorbei zu ihnen, um ihnen mitzuteilen, dass sie es nicht geschafft hatte, das Cockpit unter Kontrolle zu bringen. Zeitgleich kommunizierte sie jedoch, dass das Störsignal über den Slums und dem Luftschiff von Letzterem ausgegangen war und dass sie zumindest dieses hatte ausschalten können. Die Gilde konnte wieder über die Gildenabzeichen miteinander Informationen austauschen, trotzdem musste nach wie vor bedacht werden, dass sie durch die Gildenabzeichen auch geortet und abgehört werden konnten.
Fremde Hände stiegen plötzlich über die Reling. Ikarus und Emilia schauten verdutzt hinüber, als aus der Nacht kläglich gekleidete Leute das Schiff enterten. Die Bewohner der Slums. Es war wohl oder übel anzunehmen, dass das Luftschiff der einzige Ausweg aus der Katastrophe dort unten war. Emilia's früherer Aufruf zur Gegenbewegung war also gehört worden.
Die fremden Leute aus den Slums mit den verschmutzten Stoffen und den dichten Ringen unter den Augen wurden Person um Person mehr, sie kletterten über das Seil an Deck. Sie hielten sich auf Distanz von der Gilde, beäugten sie argwöhnisch, schienen jedoch bei Sinnen. "Das ist -," meinte da einer ihrer Männer und ein anderer ergänzte: "- ihr König." - "Ist der Präsident an Bord?," rief der Erste zu Riwalon hinüber, was Markos überzeugt beantwortete: "Nein, wir sind hier, um euch hier rauszubringen, ich schlage vor, ihr geht unter Deck, um hier oben den Überblick zu gewährleisten." - "Schon mal als Vorwarnung," meinte Ikarus an seiner Seite möglichst nur zu ihm und Emilia, "Wenn benötigt werde ich unmöglich alle schrumpfen können."
"Uns... hier rauszubringen...?," wunderte sich der Mann, dann kurz in sich hineinkichernd, wobei der andere übernahm: "Ihr habt die letzten Wochen kaum einen solchen Eindruck gemacht." Seit der Evakuierung von Prontera. Er sprach von ihrem Volk. Heute Nacht war nicht die erste Nacht, in der es sich anfühlte, als würden sie ersticken. Ihnen hatte die Atemlosigkeit schon seit ihrer Geburt als Gewicht auf der Brust gelegen. Sie waren nicht hier reingebracht worden, sie waren hier reingeboren worden. Sie waren die Schatten, die Lighthalzen warf. Und seit der Evakuierung jener fernen Einheit in ihre gebrochene Mitte war das Licht am Ende des Tunnels noch weiter in die Ferne gerückt worden. "Kennt euer König die Bedeutung von Verantwortung?," wunderte sich eine Frau, "Vielleicht will er uns zum Präsidenten bringen?"
Sie stellten sich Riwalon in den Weg, als er über Deck wandern wollte. Markos hinter ihm erfuhr eine böse Vorahnung, sich bewusst, dass sie ihn kaum stoppen können würden: "Hey, hey, ihr solltet ihm wirklich aus dem Weg gehen, er hat nichts mit dem Präsidenten zu tun." - "Dann müssen wir für sein Ziel auch nicht beiseite gekehrt werden." Sie stellten sich dem wie verwandelten Riwalon, dessen Hand darauf an den Griff seines Schwertes glitt.

Die Slums waren mittlerweile vollständig mit dem in der Dunkelheit unsichtbaren Gas erfüllt und in den Gassen lagen alle Menschen gleichermassen Schulter an Schulter, nach und nach wie zu Zombies aufsteigend. War es durch das Volk von Prontera hier wirklich derart eng geworden? Die wanderenden Besinnungslosen machten durch ihr Drücken und Stossen zwischen den keinen Schutz vor dem Gas mehr bietenden Gebäude zumindest den Eindruck. Der Wogengang der leblos starrenden Köpfe trieb vollkommen ungeniert durch die Gassen.
Zentral in den Slums stand Arhat's Gruppe auf einem Hausdach.
Im Osten der Slums war das Seil zum Luftschiff an einem Hausdach befestigt, von dem Slumbewohner nach oben gestiegen waren.
Im Süden der Slums hatte es eine grössere Zahl ebenfalls auf Hausdächer geschafft, hierbei handelte es sich zu 99 Prozent um Leute, die in die Slums evakuiert worden waren beziehungsweise nicht mit Lighthalzen in Verbindung standen. Ahnungslos und erfüllt mit gedämmter Panik waren sie vom silbernen Ritter Sebastien von Silberhain geführt und zudem instruiert worden, wie sie sich gegen die gefallenen Leute zur Wehr setzen konnten. Denn ein Grossteil der Massen war vor der Flucht auf die Dächer dem Gas zum Opfer gefallen.
Im Westen der Slums machte sich Jonah über den Abhang auf den Rückweg in die Slums.

Arhat's Gruppe: "Ich will mir kaum ausmalen, was das alles zu bedeuten hat," sprach Sebastien todernst, "Sind all diese Menschen verloren? Das kann ich nicht akzeptieren. Ist Präsident Adam von Dieffenbach nicht unser Verbündeter im Krieg gegen Arunafeltz? Wir werden unsere Antworten bekommen, aber wenn wir es nicht schaffen, dann wird es ganz sicher niemand schaffen, dann sind wir allesamt wirklich verloren." Er erhob sich von Alphonse. Sie hatten zu überleben. Sie konnten unmöglich alle Menschen, die sich gegenwärtig in den Slums aufhielten, retten, wenn sie nicht zuerst sich selbst retteten.
"Arhat, du kannst dich von uns am schnellsten bewegen," richtete er sich an den Mönch, auch wenn die Momentteleportation blockiert war, so war es doch eine Wahrheit, "Das ist der Plan." Er wies in die Dunkelheit unter dem Luftschiff. Dann weiter nach unten, wo das Seil nach oben besser sichtbar war. "Es ist ganz am östlichen Rand mit einem Dach befestigt. Ich halte hier die Stellung, bewege du dich dorthin und löse das Seil, dann kannst du dich schwingend mit Leichtigkeit durch die ganzen Slums bewegen." Zumindest ausserhalb, zentraler würde das Seil tiefer reichen. "Es ist gut möglich, dass das Gas weiter steigen wird. Bring das Seil zu uns. Wir steigen mit ihnen auf das Luftschiff." Er zeigte auf Roy und Rincewind. Nicht aber auf die vom Gas betroffenen Wolfgang und Alphonse. Er hatte aber ohnehin nicht vor, auch nur einen einzigen betroffenen Menschen aufzugeben. Nur hatten sie sich später um sie zu kümmern, da sie sie ohnehin nicht selber heilen konnten.

Westlich der Slums: Jonah verlangsamte ihren Lauf. Die Wächter hatte sie ohnehin bereits hinter sich gelassen. Ihr Plan war Deckung in den Slums zu suchen - dieser Plan stand jedoch auf der Kippe. Wie verrückt stürmten aus den Gassen der Slums Menschen auf sie zu, sinnlos und geistfrei händeringend. Jonah folgerte schnell, dass es mit dem Gas zu tun haben musste - das war jedoch nicht gut. Es bedeutete, dass das Gas sich bereits überall ausgebreitet hatte. Man konnte es sogar sehen: Das Tor unten war zwar nur spärlich beleuchtet, doch immerhin besser als die Slums in der gegenwärtigen Situation. Im fahlen Licht war beim Tor ein leichtes Wabern bis zur Hüfthöhe auszumachen.
Sie kam auf dem Abhang zum stehen, beobachtete für einen Moment die Slumzombies. Die ersten begannen aufgrund der unerwarteten Neigung zu stürzen. Dabei machten sie aber den bizarren Eindruck, als würden sie es gezielt tun, denn sie schienen den ganzen Schwung mitzunehmen und mit ihm hinunterzurollen. In unregelmässigen Abständen rollten ihr auf großer Breite die menschlichen Fässer entgegen und nur ein einziger Fall konnte sie in das Gas befördern. Sie wusste nicht, wie schnell das Gas wirken würde - doch ausprobieren wollte sie es auch nicht.
Jonah fand sich nicht gerade in der besten Situation - bis zu den ersten Dächern war es noch ein Stück und das Seil über ihr war zu hoch und mittlerweile gekappt worden. Seitlich war der Weg mit Sicherheit durch die Dornenranken begrenzt, hinter ihr waren die Wächter, vor ihr die Zombies. Sie musste abwägen, welcher Weg der bessere war - gegen Ranken und Wächter hatte sie allein keine Chance - gegen die Zombies eventuell. Sie konnte also nur nach vorne fliehen.
Geschickt wich sie den rollenden Zombies aus. Es war nicht übermäßig schwer. Auch wenn die wankenden Gestalten Kurs auf sie nahmen, so war das Manöver doch sehr unkontrolliert. Sie musste jedoch mit den umherschlagenden Armen aufpassen, um nicht doch noch ins Gas gerissen zu werden.
Nach und nach machte sie so ihren Weg über den Abhang. Ein größeres Problem wartete jedoch oben auf sie - auf dem Weg zum ersten rettenden Dach standen ihr bereits einige der Gestalten im Weg. Die vordersten nahmen weiter Kurs auf sie, von hinten kamen stetig neue nach. Sie musste kämpfen - und sie würde nur wenig Rücksicht nehmen. Routiniert griff sie zu den Dolchen. Ließ nicht zu, dass auch nur einer nach ihr griff. Schlug Hände und Arme zurück. Denn auch wenn der einzelne weder stark noch gefährlich war - wenn sie sich in der Menge verhedderte, wäre sie leicht zu Fall zu bringen. Sie konnte kein Risiko eingehen - auch wenn der Großteil Bürger des eigenen Volkes waren. Das Volk, das es zu retten galt. Sie versuchte, ihre Gegner zu schonen - es gelang ihr jedoch nicht immer. Stach vor allem mit dem Stilett zu; mied Vitalpunkte. Ihre Gegner hatten keine Taktik und keine Verteidigung - es fiel ihr daher nicht schwer. Doch es waren zu viele. Das wusste sie noch bevor sie in ihrer Mitte stand. Sie musste sich großflächiger Platz schaffen - auch wenn es Verluste bedeutete.
Sie legte die Arme um ihren Oberkörper. Konzentrierte sich, rannte weiter wie ein Rammbock in die Menge und ließ mit einem Streich beider Waffen eine massive Druckwelle um sich herum entstehen. In düsterem, violettem Glanz fegte sie durch die Meute und riss die ersten sofort tot zu Boden - die zweite und dritte Reihe wurde weitestgehend nur zurückgedrängt. Es war jedoch genug. Genug dass Jonah das erste Dach erreichen konnte. Wie an den lebensrettenden Anker sprang sie an die Dachkante und zog sich hoch - benutzte dabei das Gesicht des letzten fuchtelnden Zombies unter ihr als Trittstufe.

Arhat überlegte nicht lange. Sie mussten schnell handeln, wenn sie hier herauskommen und noch irgendeinen Nutzen stiften wollten. “Soll ich Dir helfen? Ich könnte Eisbrücken bauen”, schlug Roy vor, was Arhat jedoch ablehnte. “Konzentriere Dich darauf, dieses Dach frei zu halten. Wenn diese Fläche hier übergelaufen ist, haben wir keine Chance mehr.” Der junge Zauberer nickte und setzte seine Arbeit fort, die Wände des Gebäudes einzueisen, auf dem sie standen.
Auch mit seiner Statur und Magie war der Weg über die Dächer in den Osten nicht so simpel, wie er klang. Nach den ersten Hüpf-Einlagen bildeten sich menschliche Türme, die nach dem fliegenden Mönch aufschnappten. Viel mehr als ein Hindernis-Parkour war es jedoch nicht, da die Massen nicht so agil handeln konnten.

Oben angekommen atmete Jonah zwei Sekunden durch, bevor sie weiter musste. Sie wusste sofort, dass die Zombies nicht nachlassen würden. Schon machten sie sich daran, auf das Dach zu kommen - und auch wenn sie leichte Gegner waren, so würde sie nicht alle zurückschlagen können. Es war einfach eine zu große Menge.
Zu Gute kam ihr, dass die Slums sehr dicht bebaut waren - artistisch und geschickt bewegte sie sich von Dach zu Dach. Fürs Erste schlug sie die Richtung gen Norden und Nordwesten ein - denn von dort hatten sie die Leute ursprünglich vertrieben - dort würden die wenigsten von ihnen anzutreffen sein. Dort könnte sie eventuell eine Pause einlegen und sich einen Plan überlegen können.

Yuens Situation war derweil weiterhin schlecht. Allesamt in den Slums dem Gas zum Opfer werden zu lassen, das war das Vorhaben, das der Bodyguard Ariano Rhoad auf der anderen Seite des Tores durchzusetzen gedachte. Er hatte das Feuer auf den Wachturm eröffnen lassen, auf dem sich Yuen in Deckung brachte. Ariano Rhoad sah sich attackiert, sah das Tor in Gefahr, das es zu beschützen galt, weshalb die maskierten Alchemisten sich am Tor positionierten. Sie waren begleitet von Tengu, bulligen Monstern mit von Zankeslust erzählender Maske und strohgleichem Haupthaar, sie trugen einen grossen Krug am Rücken und waren gekleidet im Sinne ihrer Heimat, dem fernen, fernen Amatsu. Gehorsam standen sie den Alchemisten bei, die durch den Torspalt Ranken wuchern liessen, worauf auf der Seite der Slums Geographer am Tor gediehen, um die Wächter zukünftig unterstützen zu können.
Davon merkte Yuen allerdings nichts. Er dachte lediglich an seine Flucht. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis der Wachturm gestürmt wurde. Er sah zu den Wächtern hinunter. Sah, wie Jonah den Rückzug in die Slums anging - immerhin war sie den Wächtern entkommen. Er bemerkte, dass das Seil, gekappt worden war - hastig holte er es ein. Mit Sicherheit würde er es gebrauchen können. Als er es schließlich mehr oder weniger einarmig verstaut hatte, machte er sich auf den Weg. Er ging geduckt auf die Stadtmauer in Richtung Norden und verschmolz zur Unsichtbarkeit während er sich weiterbewegte - eventuell konnte er sich an einer unauffälligen Stelle abseilen.

Auf dem Dach mit dem angebunden Seil angekommen, war für Arhat leider keine Ruhe anzutreffen. Er blickte dem Strick entlang hoch und sah, wie sich noch zwei Leute zum Luftschiff aufgemacht hatten. Der Rest unten war entweder ebenso zombifiziert wie die Menschen in den Gassen oder wurden gerade kreischend und schreiend in eben diese hinuntergezogen. Anscheinend hatten die Betroffenen es nicht nur auf die Gilde abgesehen.
Die anvisierten Menschen auf dem Zieldach hatten den Mönch bemerkt und stöhnten ihm entgegen. Einige blieben nicht einmal beim Dachrand stehen und stürzten in die Gassen. Er wartete seufzend ab, bis die Menschen mit etwas mehr Sinnen übrig blieben. Gekonnt erreichte er mit einem Sprung dann auch dieses Dach, bevor das vorherige ebenfalls von den Gassenmenschen Besuch erhielt. Diese Gegner waren für ihn mehr eine mentale Herausforderung. Diese Hoffnungslosigkeit, als er in ihre leeren Gesichter starrte und wusste, dass sie gegen ihren eigentlichen Willen agierten. Wie konnte man Menschen mit einem Gas Befehle erteilen?
Der Mönch wehrte einen Angriff ab und leitete ihn weiter. Fast stolperte sein Angreifer über das Dach, als Arhat ihn in letzter Sekunde festhielt. Mit einem gekonnten Schwung beförderte er den Taumelnden in zwei weitere Menschen, die gerade auf ihn zuhielten. Die kurze Pause nutzte er sofort, um das Seil loszubinden. Gerade als mehr Leute aufs Dach fanden und nach dem Mönch griffen, schwang er sich von eben diesem. Das Luftschiff war gross, trotzdem schien es unter diesem neuen Anker kurz zu wackeln.

Unauffällig machte Yuen seinen Weg auf der Stadtmauer bis zur nordöstlichen Ecke. Immer wieder waren eilig Wachen an ihm vorbeigerannt - er war während der ganzen Zeit unsichtbar und mit der Wand verschmolzen geblieben. Die ganze Zeit war sein Blick auch stadtwärts gerichtet geblieben. Ein beachtliches Heer stand bereit - mittlerweile waren Alchemisten zum Stadttor vorgerückt. Was sie jedoch taten, erkannte er nicht. Er hatte das Gefühl mitten in der Höhle der Löwen zu stehen.
An der Ecke war ein kleiner Wachposten angebracht, an dem auch eine Treppe stadtwärts herunterführte. Dort hinunterzugehen wäre dumm gewesen - Yuen entschied sich stattdessen für die andere Möglichkeit. Er stand in Deckung, war nicht sofort einsehbar. Er verließ die Welt der Schatten und knotete das Seil an der Holzbewährung der Mauer fest.
Im nächsten Moment, in dem der Trubel um das Tor etwas abgeflaut hatte, schwang er sich auf die Mauer und griff das Seil. Er blieb dabei stets geduckt, warf noch einen Blick in die Stadt, dann nach unten. So hoch war die Mauer gottseidank nicht - es waren nur ein paar Meter zu überbrücken. Sofort brannte ihm ein stechender Schmerz durch den Arm mit seiner Schussverletzung, als er sich zum Abseilen an die Mauer beugte. Mehr schlecht als recht ließ er sich herab. Hatte große Mühe nicht ungebremst zu Boden zu falle, da er sich nur mit einem Arm richtig halten konnte. Als er das Seil jedoch um die Füße geschlungen hatte, war die Situation wieder in seiner Kontrolle. Langsam und vor allem leise ließ er sich ab.
Nur einen Augenblick später war er unten. Er verhielt sich leise, und bewegte sich in den Schatten der nordwärts gerichteten Mauer. Dieser Flecken war vergleichsweise düster und bot ihm Zeit für eine Pause. Auch konnte er hier seinen Oberarm notdürftig verbinden, um die Blutung zu stoppen - dennoch fühlte er, dass er nicht sicher war. Er blieb stets achtsam - irgendetwas gab ihm das Gefühl, dass er auch hier nicht alleine war.
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#454 Koikun

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Posted 02 December 2017 - 01:22 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Auf dem Luftschiff: "Schnell, schrumpfe unseren König!," rief Markos Ikarus auf, "Schrumpfe Riwalon Rowenberg!" Der verletzte Ikarus löste sich umgehend von seiner Stütze, festigte seinen Stand so gut es eben ging und formte ein Handzeichen um das andere, der Richtungsweisung folgend: "Eswoo!" Flammengleiche violettverhangene Schwaden umflirrten den König, ihn gänzlich umschliessend, ehe sie von ihm ab- und die stolzen Schultern dieses ehrenhaften Mannes auf halber Höhe zurückliessen.
"Emilia!," wandte sich Markos zeitgleich an seine Gefährtin, "Die Gildenabzeichen funktionieren wieder, informiere die anderen in den Slums über das Seil und sorge dafür, dass wir auf diesem Schiff schleunigst zusammenkomme-!?" - "MARKOS!!," brüllte Ikarus auf, der sich Riwalon Rowenberg in den Weg gestellt hatte, denn die kleine Grösse hinderte ihn in keiner Weise daran, vorwärtszuschreiten und sein Schwert mit tödlicher Absicht zu führen, doch rechtzeitig hatte Ikarus ihn mit einem zurückpreschenden Schleier von zerwehendem Lila zwei Schritte zurückgedrängt.
Emilia griff derweil sofort zu ihrem Gildenabzeichen: “Meine Kameraden, die Gildenabzeichen funktionieren wieder! Im Osten der Slums befindet sich ein Seil empor zum Luftschiff! Klettert es hinauf, um dem Gas zu entkommen! Wir müssen uns neu aufstellen! Markos, Ikarus, Tea und ich sind an Bord! Beeilt euch!”
Markos schaute an seinem König vorüber, hinter Ikarus wehrte Tea erste Aggressionen der Slumbewohner ab. Dass der König geschrumpft worden war, hatte auch ihre Absicht nicht gemindert, seine angehende Gewalt hatte vielmehr das Gegenteil bewirkt. Was sollte Markos tun? Er wusste es. Er musste die Gewalt verhindern. Nicht die Gewalt gegen seinen König, sondern die Gewalt zwischen ihnen, die Gewalt an sich.
Da sein König sie höchstwahrscheinlich selbst in seiner geschrumpften Grösse kräftemässig nach wie vor überragte, setzte er Fuss an seine Seite und erhob seine Stimme mit in Mark und Bein dringender Autorität in die erschütterten Ohren der Slumbewohner, die erzitterten und mit bebenden Blicken stehenblieben, als er lautstark ausrief: "Lasst diesen Mann gewähren, in den Fängen dieser Stadt ist auch ein König wie er ein Gefangener wie ihr! Lasst ihn gewähren und ich verspreche, dass ich meinen Mann stehen werde, indem ich die Verantwortung übernehme und nicht die seinen, nicht die Gitterstäbe um meinen König, sondern jene um uns alle, um uns Menschen zerschmettere!" Sein Wort durchstach die Grenze und wie paralysiert sanken die Frauen und Männer nieder. Wenn sie sich Riwalon Rowenberg, wo auch immer er hinzuwandern gedachte, nicht in den Weg stellten, dann konnte es auch nicht zu einem Gemetzel kommen.

Es erstrahlte eine schmale gleissende Lichtsäule in Lighthalzen. Das Feuerwerk über dem Luftschiff war noch nicht vorüber und die Menschen in der Stadt, die nichts von den grauenvollen Ereignissen in den Slums erfuhren und das Feuerwerk am späten Nachthimmel von Fenstern und Balkonen bewunderten, hielten das Licht, das sich abseits des Feuerwerkes ereignete, für den startenden Höhepunkt der Festivitäten, der die gesamte Nacht erhellen würde. Sie konnten es kaum erwarten und hatten einzig Augen für das lichte.
Die Säule erstrahlte auf dem Gelände des Rekenber Corporation Hauptquartiers und nahm den zentralen Teil des prachtvollen Gebäudes für ein paar Sekunden vollends ein, ehe sie wieder verebbte. Es hatte geradewegs den mittlerweile wolkenverhangenen Himmel erdolcht, doch kein Geräusch war von ihr erschallt, wie ein kurzes Leuchtfeuer war sie still und aus dem Nichts aufgepocht, sodass es im Gegensatz zum Feuerwerk von überall hatte gesehen werden können, sogar in den Slums, in denen im Schatten des Luftschiffes das Feuerwerk für die Augen verborgen blieb.
Während die Gildenmitglieder auf dem Luftschiff und in den Slums nicht allzuviel mit dem Leuchten anzufangen wussten, horchte der Bodyguard Ariano Rhoad auf der Stadtseite des Tores zu den Slums auf. Unverzüglich sprossen in ihm Sorgen um seinen Präsidenten, hatten die Angreifer aus den Slums es etwa geschafft, alle Sicherheitsvorkehrungen zu durchdringen und bis zur Rekenber Corporation vorzudringen? Augenblicklich übergab er einem ranghohen Soldaten die Befehlsgewalt zusammen mit der Aufforderung, sein Vorhaben weiterhin vorwärtszutreiben, um die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. Ariano Rhoad selbst eilte mit einer Gruppe Soldaten zurück zur Rekenber Corporation, den Grossteil der Soldaten am Tor belassend.
Er verliess sich abgesehen von seinen Leuten auch darauf, dass Riwalon Rowenberg an Bord des Luftschiffes seinem Befehl Folge leisten und das Steuer übernehmen würde, war er doch darauf angesetzt, das Luftschiff im Gas zu landen und sein Volk endlich wieder in die Arme zu nehmen. In den Armen der Atemlosigkeit. Und wenn das Luftschiff gelandet sein würde, würde auch an Bord kein Widerstand mehr existieren. Allesamt hatten sie ihrem König in den Abgrund zu folgen. Welch schöne Poesie, ein Schlussstrich in Schnörkelschrift!

Die maskierten Alchemisten am Tor, die die Geographer auf die andere Seite beschworen und Tengu an ihrer Seite hatten, nahmen die Worte des präsidialen Bodyguards an und setzten an, um dessen Vorhaben weiterhin vorwärtszutreiben: Niemand durfte aus den Slums entkommen. Auch der letzte Funken, der nicht zu ihrer wirtschaftlich hellauf erblühenden Stadt gehörte, musste erstickt werden, bevor auch nur der geringste Schatten auf ihre stillschweigende Einigkeit geworfen werden konnte. Also legten die Alchemisten Hand an den Asphalt.
Die dornenbestückten Ranken, die die Slums unterirdisch umringten und auch den Weg zum Tor begrenzten, begannen, durch die Erde zu schleissen. Die Falle hatte Anfang und Ende am Tor, dort, wo ihr ansonsten geschlossener Kreis offen war. Von dort versorgten die Alchemisten das tödliche Pflanzenwerk nun mit Nährstoffen und einem Befehl, sodass die Falle an immer mehr Stellen aus dem Untergrund zu brechen begann.
Unzählige Dornenranken brachen hervor und streckten sich eng aneinander gerückt immerzu höher. Erst über dem Luftschiff würden sich alle Ranken aus dem ganzen Kreis einen und die Slums so mitsamt dem Luftschiff endgültig vollständig einschliessen, dies in der Form eines natürlichen Vogelkäfigs, der nach wie vor auf jegliche Fluchtversuche reagieren und sie mit blutrünstiger Absicht unterbinden würde. Auch oberhalb des Tores würde es keinen Ausweg mehr geben.
Der Wachstum dieses Vogelkäfigs benötigte Zeit. Den aufstrebenden Ranken nach zu urteilen, war damit zu rechnen, dass mindestens 10 Minuten bis zum kompletten Verschluss verstreichen würden.

Die Rückkehr von Arhat war nicht einfach. Auf den Gebäuden, über die er nach Osten gelangt war, hatten sich verzögert Zombies eingefunden. Er musste die Dächer grossräumiger umgehen beziehungsweise umfliegen. Doch das gelang nicht immer.
Hier und da wurde er von jemandem gepackt. Sein Griff war stark genug, um den Halt nicht zu verlieren, aber er musste darauf achten, dass der an seinem Bein Hängende nicht irgendwo gegen eine Hauswand donnerte. Aller Luftakrobatik zu Ehren schaffte er es schliesslich zurück zu seinen Leuten. Gerade rechtzeitig, um einen weiteren Versuch zum Vordringen aufs Dach zu unterbinden.

Yuen gönnte sich derweil eine Pause von einigen Minuten. Er saß im düsteren Schatten der Stadtmauer und wurde fast eins mit der Dunkelheit. Er musste wieder zu seiner Mitte finden und seine Reserven auffrischen. Für einen Moment schloss er meditierend die Augen. Blendete den Schmerz in seinem Arm aus. Hielt inne. Er nahm das Zirpen der Grillen wahr. Die dumpfen Schläge des Feuerwerks. Die Menschen hinter der Stadtmauer. Sogar das metallisch schabende Geräusch, wenn die übrigen Wächter sich bewegten.
Er öffnete die Augen. Hatte noch etwas gehört. Jemand hatte sich bewegt. Er war hier nicht allein. Das Gefühl hatte er schon die ganze Zeit gehabt - doch nun wusste er es sicher. Er hatte sich nicht geirrt - und man würde ihn auch nicht zum Narren halten. Er war nicht allein. Scannend blickte er in den lichten Wald. War jemand aus den Slums entkommen? Nein, das konnte er sich nicht vorstellen. Es gab die Dornenrankenfalle, die neuerdings bedrohlich empor gen Himmel wuchs - dort würde niemand durchkommen.
Langsam erhob er sich vom Boden. Seine mentale Energie war weitestgehend wieder hergestellt. Mühelos verschmolz er geduckt am Boden mit den Schatten als er sich gleich einem Wolf, teils auf allen Vieren, auf die Pirsch begab. Jemand war hier - und da auch er unweigerlich im knackenden Unterholz Geräusche machen würde, entschied er sich auf Nummer Sicher zu gehen.
Langsam tastete Yuen sich vorwärts. Er war vorsichtig um jedes unnötige Geräusch zu vermeiden. Es war sehr dunkel. Er konnte kaum etwas sehen. Er bewegte sich in östlicher Richtung. Flankierte den Weg vom Tor zu den Slums - befand sich damit außerhalb der Dornenfalle. Die Dornenfalle. Sie wuchs immer weiter empor. Was hatte das zu bedeuten? Yuen verstand es nicht. Doch er blieb auf seine Aufgabe fokussiert. Er musste irgendwie Kontakt zum Rest der Gruppe herstellen, jetzt wo die Bogenwächter ausgeschaltet waren. Eine Möglichkeit gab es - doch die konnte er selbst nicht beeinflussen.
Plötzlich hielt er jäh inne. Unmittelbar vor ihm - vielleicht drei Meter entfernt saß jemand an einen Baum gelehnt. Ein Soldat aus Lighthalzen? Er hatte seine Klamotten mit Zweigen und Blättern dem Unterholz angepasst - er war kaum zu sehen gewesen. In der Dunkelheit war er Yuen deshalb auch erst sehr spät aufgefallen. Er hielt ein Gewehr mit langem Lauf vor sich. War er ein Scharfschütze? Zu welchem Zweck saß er hier? - Noch viel wichtiger war Yuen jedoch eine andere Frage: Gab es vielleicht weitere von der Sorte? Sein Puls beschleunigte sich etwas, doch innerlich war er immer noch ruhig. Sein Gegner hatte ihn noch nicht gesehen oder gehört. Er vermutete, dass er dort abgestellt war, um Leute, die durch die Dornenranken brachen, aufzuhalten. Yuen musste ihn ausschalten - und das leise.
Für einen Augenblick sondierte er die nähere Umgebung. Strengte sich an. Wusste nun, dass eventuelle Gegner gut getarnt waren. Doch es fiel ihm nichts weiter auf. Dieser Kerl war allein. Zumindest an Ort und Stelle. Vorsichtig setzte er einen weiteren Schritt in die Richtung des arglosen Scharfschützen. Hielt inne. Drei Meter. Er hatte seinen Plan gefasst. Setzte einen weiteren Schritt. Atmete tief ein. Ein Zweig knackte laut unter ihm. Ohne eine Reaktion abzuwarten stürmte er heraus. Hatte mit dem ersten Schritt seinen Katar gegriffen. Holte mit dem nächsten Schritt aus. Fiel geradezu über den aufgeschreckten, aber immer noch sitzenden Scharfschützen und rammte ihm die spitze Klinge seitlich in den Hals. Sofort presste er ihm die linke Hand auf den Mund. Spürte wie gellender Schmerz durch seinen Arm fuhr. Unterdrückte dennoch das erstickte Gurgeln und Ringen nach Luft. Niemand durfte es hören. Für einen weiteren Scharfschützen wäre der Assassin womöglich leichtes Futter gewesen. Still und leise musste er sein Opfer aus dem Leben entführen. - Es kämpfte nicht lange gegen ihn an.
Stille fiel erneut über den Wald. Im Hintergrund immer noch das Feuerwerk und das Johlen innerhalb der Stadtmauer. Niemand hatte etwas mitbekommen. Yuen war in die Schatten abgetaucht. Für eine Minute hielt er inne. Sondierte mit seinem Gehör die Umgebung. Niemand kam. Er hatte den Toten an Ort und Stelle flach auf den Boden gelegt und etwas mit Laub bedeckt. So, dass er einer eventuellen Patrouille nicht sofort ins Auge sprang.
Als er sich sicher war, dass die Situation sich beruhigt hatte, ging er weiter. Er blieb im lichten Wald und bewegte sich weiter auf der Flanke zur Dornenfalle entlang. Etwas weiter in Richtung der Slums sah er eine weitere Person auf dem Boden liegen. Unsichtbar am Boden kauernd näherte er sich. Blieb stets umsichtig. Es war ein Mann. Er lag mit dem Gesicht zum Boden. Offensichtlich kein Soldat. Er sah schlimm zugerichtet aus, war stark zerkratzt - doch getötet hatte ihn zweifelsohne die blutgetränkte Schusswunde durch seine Brust. Yuen sah seinen Verdacht als bestätigt an - der Scharfschütze war abgestellt gewesen um Ausreißer zu eliminieren. Dieses verdammte Pack aus Lighthalzen. Es tat ihm um keinen Soldaten leid, den er tötete.

Jonah machte in der Zwischenzeit flink ihren Weg durch die Slums. Sie sprang im wesentlichen von Hausdach zu Hausdach. Musste aus der Menge der Zombies kommen, um sich einen Ausweichplan überlegen zu können. Über den Norden waren nur vereinzelt bereits Zombies auf den Dächern - diese Tatsache kam ihr sehr zu Gute. Ebenso dem Volk - sie musste nicht noch mehr unnötig töten.
Plötzlich bremste sie ihren Schritt. Ein brennendes Gefühl schoss ihr durch die Hüfte. Es war ein Gefühl, dass ihr wohlbekannt war. Sofort ging sie auf einem leeren Dach zu Boden. Verschmolz mit den Schatten, um den Zombies keine Angriffsfläche zu bieten. Riss sich den Exorciser vom Gurt. Er war unsäglich heiß. Heißer als je zuvor. Hätte sie ihn nicht gesehen, sie hätte geglaubt er glühe rot und fresse sich durch ihre Kleider. In ihr stieg der Wunsch, diese verfluchte Waffe zum Bestpreis zu verkaufen - doch nicht jetzt. Was immer es war, es musste warten. Vorsichtig tippte sie ihn an. Er war immer noch sehr heiß. “Verdammtes Mistding”, fluchte sie in sich hinein. Sie hatte keine Zeit zu warten. Sie wollte ihn aber auch nicht zurücklassen. Anfassen konnte man ihn jedoch auch nicht.
Kurz darauf vernahm sie Emilias Nachricht. Sie hatte das angesprochene Seil bereits zuvor gesehen. Hatte es auch jetzt fest im Blick. Sah, dass bereits Personen daran hingen. Für einen Moment fragte sie sich, was aus Yuen geworden war. Sie hatte ihn nicht mehr gesehen, seit er auf die Stadtmauer entkommen war. Sie war überzeugt, dass er auf sich aufpassen konnte - doch dass es zu ihm keinen Kommunikationskanal gab, machte die Sache taktisch nicht einfacher. Sie rannte weiter. Er würde das Problem schon lösen.
Eine knappe halbe Minute später war der Exorciser soweit, dass man ihn wieder berühren konnte. Er war zwar äußerst unangenehm heiß, doch man verbrannte sich nicht mehr - und am Gurt war es auch kein Problem mehr.
Sofort setzte Jonah ihren Weg fort. Umrundete die Slums weiter, nun aus dem Norden in Richtung Osten.

Yuen begann sich nordöstlich bergan zu bewegen. Machte immer wieder Pausen, um seine Unsichtbarkeit aufrechterhalten zu können. Entfernte sich weiter von den Slums. Er war niemandem mehr begegnet. Weitere Scharfschützen mussten ohnehin näher zu den Dornen gestanden haben, um Ausreißer sicher zu erkennen. Der Assassin befand sich damit hinter allen Verteidigungslinien - er war frei. Und doch musste er am ehesten unauffällig zurück in den Käfig. Und Käfig war über den Slums wörtlich zu nehmen - denn die Dornenranken waren mittlerweile bedrohlich hoch gewachsen. Yuen ahnte bereits, wohin es führen sollte - die Dornenranken sollten das Luftschiff einfangen - und womöglich zu Boden zwingen. Er marschierte weiter. Lief mittlerweile aufrecht und sichtbar bergan. Die Bäume wurden immer weniger, doch da sich somit der Wald zwischen ihm und den Scharfschützen befand wähnte er sich ausreichend sicher.
An einer lichten Stelle ließ er sich für den Moment nieder. Ging in Deckung. Er befand sich im Norden der Slums mit Blick auf die Slums und Lighthalzen. Hinter ihm fiel der Berg ab ins nächste Tal. Er war vom Luftschiff aus gut zu sehen - doch würde man ihn sehen?

Inzwischen wussten danke Emilia alle, dass die Gilden-Kommunikation wieder funktionierte. “Jonah, Du und Yuen müssen schleunigst zu uns aufs Dach kommen”, hatte Roy über den Kanal gerufen, wohl wissend, dass sie abgehört wurden. Aber jetzt zählte jede Sekunde. Es dauerte nicht lange, bis Jonah etwas außer Atem auf dem Dach eintraf. Anscheinend war sie ohnehin schon auf dem Weg hierher gewesen. Sie versicherte, dass Yuen sich um sich selbst kümmern konnte und eine Kommunikation gerade nicht möglich war.
Es blieb nicht viel Zeit, also entschied man sich, den bestehenden Trupp auf den Weg zum Luftschiff zu schicken. “Alphonse und Wolfgang müssen wir wohl oder übel für den Moment zurücklassen”, meinte Sebastien berechnend und begann, Rincewind auf seine Schultern zu laden. Arhat nickte und verzog die Miene kurz: “Jonah, Sebastien, bitte geht voraus, wir drücken noch ein letztes Mal die Massen weg und kommen nach.” Jonah war keine große Hilfe, wenn sie niemanden töten sollte - ging also auf das Angebot ein. Zusammen mit Roy fokussierte Arhat seine Macht und beide sorgten dafür, dass sowohl Assassine wie auch Ritter unbehelligt dem Seil hochklettern konnten.

Nachdem Jonah und Sebastien bereits auf halbem Weg waren, hievte der Mönch Roy auf seinen Rücken. Beide warfen noch einen letzten Blick auf die gefesselten Gefolgsleute, die weiterhin versuchten, sich zu befreien. “Wir kommen zurück”, versprach Arhat und zog sich das Seil mit einer beachtlichen Geschwindigkeit hoch, während Roy noch ein letztes Mal für einen ordentlich Eisnebel sorgte. “Wir sind alle am Seil, Emilia”, gab Roy durch, “Verliert keine Zeit, wir müssen aus diesem wachsenden Käfig raus!”
Um ungebetene Gäste zu vermeiden, hatte Roy sich das Ende des Seils geschnappt, wodurch es mit ihnen zusammen nach oben ging. Keine Chance mehr für die bedrohlichen Massen, sie in ihrer neuen Höhe zu erreichen.

Zeitgleich rafften sich an Bord des Schiffes die zornigen Slumbewohner auf. Riwalon Rowenberg hatte unbehelligt an ihnen vorbeimarschieren können und lief nun hinter ihnen Richtung Cockpit, an seiner Seite ging Markos, der realisierte, dass er sich nicht genügend Zeit hatte erkaufen können. Tea und Ikarus machten sich bereit, während Emilia die Worte Roys empfing. Keine Zeit verlieren, klar, das war die Devise, aber das Steuer des Schiffes war nunmal vollends gesperrt. Mit den anderen an Bord würden sie zwar sicherlich die Situation an Bord unter Kontrolle bringen, aber gefangen waren sie vorerst trotzdem, wie bewusst wurde, als der Blick beiseite fiel, zu den einkesselnden Dornenranken, die bereits am Schiff vorbeigeklommen waren und sich über ihm nun einten, um den Verschluss zu komplettieren.
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#455 Koikun

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Posted 17 December 2017 - 05:27 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Mit stiller und bitterer Kenntnisnahme musste hingenommen werden, wie sich der Dornenkäfig um die Slums inklusive dem Luftschiff geschlossen hatte. Obschon sie aus den Schatten aufstiegen, fanden sie weiterhin die Nacht vor und das Feuerwerk endete.
Die vorauskletternden Jonah und Sebastien, der Rincewind mit sich stemmte, hatten mitbekommen, dass die letzte fremde Person über ihnen das Schiff geentert hatte. Es musste sich um Leute aus den Slums handeln, die vor ihnen die Flucht in Angriff genommen hatten. Unwahrscheinlich, dass es sich um Zombies handelte, aber ebenso ausserhalb ihrer Erwartung, dass die Leute, die sich gegenwärtig an Bord des Schiffes aufhielten, trotzdem ohne klaren Verstand agierten.
Nachdem sie Emilia gemeldet hatten, dass keine Zeit zu verlieren war, hatten sie nichts mehr vernommen und das Schiff hing weiterhin starr an seiner Position, auch Jonah und Sebastien wollten keine Zeit verlieren und kletterten der Reling entgegen. Die Assassine hievte sich empor und krallte sich den letzten Meter, um an Deck zu gelangen, wobei sie jedoch innehielt. Ein groteskes Bild stellte sich ihr dar: An Deck hielten sich Emilia, Markos, Ikarus, Tea, ja sogar der König von Midgard, aber auch diverse Slumbewohner auf. Doch. Allesamt teilten sie das selbe Schicksal: Regungslos lagen sie am Boden, die Augen verschlossen und befreit von jeglichem Lebenszeichen.
In ihrer Mitte stand eine Frau:
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Augenscheinlich die Person, die vor ihnen an Deck gelangt war. Sie trug ein zerfleddertes Kleid, es handelte sich um die Robe einer Priesterin aus Arunafeltz, und sie hatte ozeanblau wallendes Haar, das ihr über die Schultern fiel, als sie sich umwandte, Jonah's Ankunft realisierend und sie aus himmlischen Augen fixierend, augenblicklich die Hand vorwärtsstossend, was eine kraftvolle Druckwelle gegen die Reling und gegen Jonah stiess. Die lieblichen Gesichtszüge der Frau entarteten dabei in einem manischen Grinsen und mit einer tödlichen Mixtur aus falscher Freude über diese Zusammenkunft und grausig gezogener Betonung rief sie den Namen der Assassine aus: "J O O O N A A A A A H ! !"

Die Assassine hatte all das nicht abgewartet. Schon als sie gesehen hatte, dass alle an Bord am Boden lagen, war ihr klar gewesen, dass irgendetwas so gar nicht stimmte. Sie hatte die Person, die ihr den Rücken zugewandt hatte und in ihrer Mitte stand, dabei noch kaum realisiert, geschweige denn erkannt. Schnellstmöglich hatte sie sich aus der labilen Situation des Hängens am Seil gebracht, um auf stabilem Grund zu stehen - wenn man das Luftschiff als solchen erachtete. Erst als die Person, die an allem Schuld zu sein schien, sich umwandte und Jonahs Namen schrie, erkannte sie die Priesterin Lirene. Oder das Schreckbild, das von ihr geblieben war. Mit einem Hechtsprung zur rechten Seite begab sie sich aus dem Gefahrenbereich, als die Druckwelle in die Reling krachte und das Holz aufächzen ließ. Doch erst nun traf es Jonah. Sie war verwirrt. Wie konnte das sein? Sie hatte selbst gesehen, wie die Priesterin auf Flechanto von Jasminko getötet worden war. Auch hatte sie zuvor grünes Haar gehabt - und was war nur in sie gefahren?!
Ungeachtet allem musste die Assassine die Aufmerksamkeit auf sich behalten. Wenn das Seil verletzt wurde, stürzten die anderen womöglich noch ab. Aus dem Flug ihres Ausweichmanövers heraus rollte sie sich ab, warf der Priesterin einen ihrer Wurfdolche entgegen, ehe sie in ihrer Bewegung eine Umrundung des Schiffes auf dem Deck anstrebte. Priorität Nummer Eins war immer noch ihre eigene Handlungsfähigkeit - und offenbar schien Lirene irgendetwas in sich zu haben, wogegen an Bord niemand etwas entgegenzusetzen hatte. Jonah wollte etwas Zeit gewinnen, um dann von der anderen Seite kommend nochmal die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Sebastien zog an, hörte den Kampfeslärm und kommunizierte selbiges Wissen nach unten. Die gesamte Seilmannschaft beschleunigte ihren Aufstieg, doch schon erhaschte der Silberne Ritter, wie die vorangegangene Attacke am Seil genagt hatte. Es war um die Reling geknotet und war nun kurz davor, zu reissen, während an Deck die Priesterin von Jonah umrundet wurde. Erstere verfolgte die Assassine im Augenwinkel mit schwindendem Grinsen auf den Lippen und weit geöffneten Augen, zeitgleich den Wurfdolch aus der Wurfbahn pflückend, nur um dann vollständig von Jonah abzulassen und mit dem Dolch bewaffnet zum Seil, von dem sich die Assassine unbedacht und mit grossen Schritten entfernt hatte, zu spurten.

"Ich bin ein Spieler, genau wie du... wobei, ich bin mir nicht sicher, wie du spielst. Ich zumindest höre mir gerne die Regeln an und überlege mir dann, wie ich sie zu meinen Gunsten auslegen oder zurechtbiegen kann," sprach der Fremdling, der die Priesterin nördlich von Lighthalzen aufsuchte. Sie erwiderte unbeeindruckt: "Du bist ein Spieler, der das Spiel eines anderen sucht, um diesen dann darin zu betrügen? Das klingt in keiner Weise interessant. Weshalb solltest du dir das Spiel einfach machen wollen, wenn du dadurch letztlich allein dich um deinen Spass betrügst? Hast du überhaupt einen Namen?"
"Ist es nicht viel amüsanter, wenn man am Schluss obsiegt, ohne dass die Gegenpartei realisiert, dass sie verloren hat? Dass sie sogar meint, gewonnen zu haben?," fuhr der Fremdling fort, ohne sich vorzustellen, worauf sie antwortete: "Nein. Das ist langweilig. Ich kämpfe nicht, um zu gewinnen. Ich gewinne, wenn ich Spass habe. Ich habe Spass, wenn ich gefordert bin. Anscheinend bist du auch nicht grossartig von Verstand, wenn du nicht verstehst, dass ich nicht interessiert bin an Namenlosen." - "Nun gut, du willst also gefordert werden. Das kann ich mir merken, so viel Verstand sollte in mir übrig sein. Wenn Du um Mitternacht herum in den Slums von Lighthalzen verweilst, kannst du eine Kostprobe von dem erleben, zu dem ich fähig bin. Eventuell weckt das dein Interesse."

Er wollte sich mit dieser Kostprobe wohl einen Namen machen, wie ihr mit Blick in die Slums der Eindruck entstanden war. Das Chaos, das die Slums vollumfänglich verschlang, das hatte er also gemeint, dafür war er verantwortlich? Wenn das war, zu was er fähig war, dann musste sie sich wundern, dass er es gewagt hatte, sich an ihren Tisch zu setzen und gegen sie zu spielen. Ein Nest von Ungeziefern niederbrennen hatte noch ein jeder Tölpel in der Weltgeschichte gekonnt. Es war keine Offenbarung gewesen, dass zwischen ihren Vorstellungen von einem Erlebnis Welten klafften.
Für die Priesterin war offensichtlich, dass der Kerl sich irgendwo verborgen hielt. Dass er meinte, gewonnen zu haben, und nicht realisierte, dass er sich bereits der Niederlage ausgesetzt hatte, als er sich zu ihr an den Tisch gesetzt hatte. Und anschliessend seine gesamte Aufmerksamkeit Richtung Slums gelenkt hatte. Es war ihr folglich eine helle Freude, sich dazwischenzustürzen und in Erinnerung zu rufen, wer hier der Gegenspieler war. Es sollte ihr gigantischen Spass bereiten, ihn nach seinen eigenen Regeln zu schlagen. Dadurch hatte er die ihren Regeln zu lernen. Er hatte seine Chance gehabt, sich einen Namen zu machen. Doch er hatte seinen Zug verschwendet, nun war sie an der Reihe.
Sie feuerte das Wurfmesser an sich vorbei und über Deck in die Richtung Jonahs, das Gesicht abgewandt und ausrufend: "Ich hole sie an Bord!" Jonah war eine Angelegenheit, die sie vorerst ruhen lassen musste, denn am reissenden Seil hing das Vorhaben der Priesterin: Wenn ihr Gegenspieler die Slums in das Chaos stürzte, dann trug sie die Farbe derjenigen, die gegen das Chaos ankämpften. Dann waren dies die Figuren ihrer Farbe.
Das Seil riss, sie hatte die Reling erreicht und streckte ihre Hand schnurstracks hinab, um die rettende Leine zu verkörpern und ihre Figuren nicht hängen und grundlos fallen zu lassen. Unglücklicherweise hatte sie ihren Zugzwang verschätzt. In ihren begreifen Augen spiegelte sich die Klinge eines Schwertes wider, das sich sogleich an ihren vorneüber gebeugten Hals legte. Ihre Miene wurde wie zu Stein.
Sebastien hatte die Situation erfasst. Er hatte das Licht des Gloria Domini als seine Waffe manifestiert und drei Meter unterhalb der Reling in die Fassade des Schiffes geschlagen. Auf diesem breiten Kreuz hatte er Rincewind abgelegt, selber Position ergriffen und das Seil befestigt, sodass keine Gefahr mehr bestanden hatte, als es über ihm gerissen war. Die anderen konnten problemlos nachsteigen und er hatte schlagartig sein Excalibur gezogen, um zu reagieren.
"Was für ein hässlicher Zug...!" - "Pardon, aber wir Männer halten nicht sonderlich viel vom hübschen Firlefanz eines romantisch angehauchten Auftrittes eines unbekannten Gutmenschen," blitzte ihr Sebastien an ihrer ausgestreckten Hand vorbei entgegen, "Wenn du verhindern willst, dass mein Excalibur beschmutzt wird, schlage ich vor, du hältst für uns deine Ohren offen!" Er rief auf: "JONAH! Sichere das Deck, damit wir hochkommen können, diese Frau gehört dir!" Letztere zog ihre Hand zurück, sie mit der anderen schweigend erhebend, um Folge zu leisten.

Yuen betrachtete das Spektakel um das Luftschiff - der Dornenkäfig hatte sich mittlerweile vollständig über dem Schiff geschlossen. Das Luftschiff war somit komplett eingeschlossen. Er war draußen. Er war sich nicht sicher, auf welcher Seite er lieber war. Gefangen oder ohne Kontakt. Besser fühlte er sich draußen - seinen Kameraden und Jonah konnte er so aber auch nicht helfen. Für den Moment waren ihm die Hände gebunden. Es blieb ihm nichts weiter als eine Beobachterrolle.
Kurz zuvor hatte er noch eine Entdeckung gemacht, die ihm zu denken gab. Er hatte auf dem Weg bergan Fußspuren gesehen. Fußspuren, die nicht unbedingt wie von einem Menschen wirkten - deshalb hatte er sich nichts dabei gedacht gehabt. Doch dann hatte er ihr Ende erblickt. Sie hatten ihn zu einem Tengu geführt - einem Monster, das er allenfalls aus seiner fernen Heimat kannte. Es war tot. Doch aus welchem Grund war es hier? Alleine konnte es die Ozeane schwerlich bezwungen haben - es musste sich um ein weiteres gezähmtes Tengu gehandelt haben. Er hatte diese gezähmten Tengus bereits bei seinem kurzen Blick auf die Militärversammlung in der Stadt erblickt gehabt. Wie auch immer man diese Biester zähmen mochte. Die Alchemisten mit den Masken hatten je ein Tengu bei sich gehabt. Dieses hier musste zu dem Scharfschützen gehört haben. Der Assassin überlegte. Hatte er auch eine Maske getragen? Er wusste es nicht - er hatte nicht darauf geachtet. Doch warum war sein Tengu hier oben? Und warum war es tot? Dies waren Fragen, die Yuen nicht zufriedener machten.
Ein bizarres Schauspiel riss ihn aus seinen Gedanken. Er sah zum Dornenkäfig über den Slums - und sah einen Zugwaggon. Der Waggon bewegte sich wie von Geisterhand aus dem Bahnhof auf den Dornenkäfig zu und dann gar an ihm empor. Yuen traute seinen Augen nicht. Ein Zugwaggon, der langsam und gemächlich wankend die Vertikale suchte - er wusste nicht, was das zu bedeuten hatte. Es wirkte, als würde jemand den Waggon tragen. Er glaubte auch etwas zu sehen - doch in der Dunkelheit war es nicht genauer auszumachen gewesen. Er schüttelte ungläubig den Kopf - verstand nicht.
Er sprang auf. Hatte die Bergkuppe eben noch in Frieden gelegen, so hatte sich dies gerade geändert. Gerade noch gehörte seine Aufmerksamkeit dem fliegenden Waggon - doch nicht mehr. Nahezu aus dem nichts heraus, hatte sich eine gewaltige Gestalt gezeigt. Ein mannshohes, schwarzes Monstrum näherte sich ihm. Wie konnte er es nicht bemerkt haben? Es musste gelauert haben - es musste sich perfekt getarnt haben. Hatte es gar nur auf ihn gewartet? Hatte es womöglich das Tengu getötet? Nun erinnerte er sich auch an die Erzählungen Jonahs von Flechanto - war ihr solch ein Biest begegnet?
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Es hatte seine Deckung verlassen und kam mit schweren Schritten auf ihn zu. Yuen verspürte wenig Lust, sich mit diesem Gegner zu messen. Schnell erhob er sich. Glitt in zwei Sätzen schnell mehrere Schritte zurück um Distanz zu schaffen. Sein Gegner hingegen war eher schwerfällig - eventuell konnte er ihn sogar besiegen - doch er wollte kein Risiko eingehen. Er konnte auf Grund seiner Verletzung nicht mit voller Stärke kämpfen. Er musste sich zurückziehen. Er musste eine Fähigkeit nutzen, auf die er bisher noch nicht zurückgegriffen hatte - sie war neu für ihn. Er bündelte seinen Geist - sprach eine kurze Formel - dann ließ er sich zurückfallen. Er ließ sich fallen in die Welt der Schatten - nach vorne preschten jedoch zwei Abbilder von ihm. Sie konnten nicht kämpfen, da sie nur Trugbilder waren - doch das wusste ein Gegner nicht unbedingt. Yuen sah seinen Abbildern für einen Moment nach - das Monstrum sprang auf sie an. Dann verließ er den Ort des Kampfes. Umrundete die Gestalt in gebührendem Abstand auf einem Kreis Richtung Norden. Seine Abbilder würden nicht ewig halten, er musste Land gewinnen.

Arhat hatte mit Roy auf dem Rücken das Kreuz erreicht. Zusammen erklommen sie bedächtig das Schiff, immer sicherstellend, dass die bekannte Fremde keinen Unfug anstellen konnte. Als alle an Bord waren, war zuerst einmal Zeit für ein Gespräch, denn Jonah hatte die Priesterin mittlerweile übernommen und gefesselt. Die Assassine informierte mit Verweis auf die am Boden liegende Mannschaft inklusive dem König von Midgard, was sie bereits erfragt hatte: Als die Priesterin an Bord gekommen war, hatte sie einen Konflikt vorgefunden und ihn als Störfaktor erachtet, weshalb sie allesamt in Schlaf versetzt hatte, nichts weiter.
“Bist du nicht eine Verbündete Jasminkos gewesen? Was ist geschehen?”, fragte Roy sie. Arhat schien sie derweil mit einem Blick zu durchbohren, dem keine Materie standhalten konnte. “Das ist nicht Lirene, jemand oder etwas anderes ist darin”, meinte er ernst. Roy verstand nicht, aber vielleicht würde 'Lirene' die Erklärung übernehmen.
“Richtig, ich bin nicht Lirene, ein Teil von euch ist auf Flechanto Zeuge gewesen, nicht?,” sprach sie mit abschätzigen Augen hinüber zur Assassine, “Arhat, du hast sie noch zu retten versucht, aber es ist nichts mehr zu retten gewesen. ICH habe sie getötet.” Sie lächelte amüsiert. “Aber Jonah hat auf dieses Biest und den Alten gehört und mich exorziert. Wie schön es ist, zu sehen, dass es euch gut geht!”
Das Gesicht wurde wiederum abschätzig und schwang hinüber zu Roy und dem Mönch, wobei Ersterer seinen schlafenden Freund an Deck entdeckte und beschloss, noch genauer hinzuhören, um keine Information zu verpassen, die eine mögliche Eskalation an Bord verhindern konnte, während Sebastien mit deutlich ersichtlicher Sorge um seinen König sich hinüber zu Riwalon Rowenberg stürzte.
“Ich habe versucht, es euch begreiflich zu machen, dass die Entscheidung Jonahs die ganze Welt betreffen wird. Ich habe meinen Spass gehabt, mein Spiel gegen das Biest und den Alten zu treiben, aber der heutige Tag wäre zu verhindern gewesen! Ich stehe an der selben Front wie ihr, schon damals bin ich euch nicht feind gewesen, zugegebenermassen auch nicht freund, doch heute will auch ich, dass wir mit diesem Luftschiff entkommen!”
Sie wusste nicht, wer der Fremdling war, gegen den sie heute Abend spielte. Aber sie hatte noch einen anderen Grund, die Gilde zu unterstützen. Es war ausser Frage, dass kurzum alle Figuren über den Haufen geworfen werden würden. Die Fratze der Priesterin entgleiste in durchstartender Vorfreude vollends. Heute Nacht war ihr Tag.
“Und das ist mein Zug!”
Das Luftschiff wurde jäh erschüttert. Ein gewaltiger Donnerhall pulsierte durch die Rankenkuppel und erfasste das Gefährt, an seinem Halt in der Luft rüttelnd und trommelnd gegen die Trommelfelle der Mannschaft preschend. Östlich von ihnen fauchte ein gigantisches Flammengewölk aus der Dornenmauer, die Schatten spaltend und mit flackernden Fingern den Ballon umstreichend.
Die Priesterin hatte die Zeit bis zum jetzigen Punkt genutzt und sich ein Bild über die Umgebung verschafft. Dabei war sie auf den Waggon am Bahnhof gestossen, der durch den Genetiker mit Explosionspilzen randvoll besetzt worden war. Um aus dem Käfigdom ausbrechen zu können, hatte sie nichts weiter tun müssen, als den Waggon hochtragen und gegen die Fassade fallen zu lassen.
Die Explosion jagte ein riesiges Loch in den Dom, gross genug für das gesamte Luftschiff, doch es war nicht zu steuern und durch die Explosion wurde es sogar in die entgegengesetzte Richtung gedrängt.
Auf dem rumpelnden Deck zeigte die gefesselte Priesterin auf: "Für heute müssen wir zusammenarbeiten, danach können wir uns noch immer bekriegen, nicht? Wäre es mir darum gegangen, gegen euch zu spielen, hätte ich die Leutchen, die ich an Bord vorgefunden habe, mir nichts, dir nichts umgebracht! Für heute müsst ihr mit mir diesen Zug tun: Wenn ihr nichts unternehmt, werden wir an der Dornenwand zerschellen, das Luftschiff wird explodieren, über den Slums herniederstürzen und hunderte Menschen werden sterben! Wenn ihr aber den Ballon beim Heck schleunigst öffnen könnt, wird die entweichende Luft uns durch das Loch nach draussen stossen! Eine Bruchlandung steht uns hügelan nichtsdestotrotz bevor, aber was will man anderes von dieser vorübergehenden Zusammenarbeit erwarten, SCHIAHAHAHAHA!!"

“Sei es wie es wolle, wir müssen hier raus”, meinte Arhat nüchtern ob des manischen Lachens. Der Mönch bewegte sich ans hintere Ende des Schiffes und sammelte sich. Er bereitete sich vor, um eine seiner Limitbruch-Fähigkeiten anzuwenden. Er hatte sie noch nicht oft angewandt und vor allem noch nie zu so einem Zweck, aber verzweifelte Zeiten erfordern kühne Taten. Der Boden um ihn herum flirrte und waberte in einem komischen Licht. Seine Sphären begannen schneller, wilder und etwas unkontrollierten um ihn herum zu kreisen.
Er atmete tief ein, was an sich schon gefühlt eine halbe Minute dauerte und hob seine geöffneten Hände in die Höhe. Breitbeinig stand er da, während flackernde, weisse Energie seiner Statur empor kroch und sich in seinen Unterarmen und Händen sammelten und dort eine Aura bildeten. Mit einem kräftigen Kiai warf er seine Hände nach vorne und entfesselte die Energie seines Pulsestrikes ins Leere, weg vom Luftschiff.
Jonah war in der Zwischenzeit ins Kapitänshaus gerannt um den Antrieb des Luftschiffs für den Plan zu nutzen. Sie hielt nichts davon, den Ballon aufzuschlitzen, es musste auch so gehen. Beim Hochklettern am Seil hatte sie festgestellt, dass die Propeller des Antriebs nach oben gerichtet waren, um Auftrieb zu generieren - sie musste sie so richten, dass sie Vortrieb erzeugten. Sie hoffte dass die Steuerung nicht zu kryptisch war - denn sie alle hatten keine Zeit. Sie wusste nichts davon, dass Tea im Cockpit schon ihr bestmöglichstes probiert hatte und dass die Steuerung vollends blockiert war. Das Luftschiff wurde aus der Rekenber Corporation festgesetzt. Nur glücklicherweise schien sich diese Festsetzung gelockert zu haben, ob es der Erschütterung und der durchgesetzten Bewegung zu verdanken war?
Das Schiff wurde von Arhats Manöver durchgeschüttelt - doch es hatte nicht gereicht, um die Rückwärtsbewegung ganz zu stoppen. Jonah verschaffte sich am Steuerpult einen Überblick. Die Kontrollen waren tatsächlich recht selbsterklärend. Sie stellte den schwergängigen Hebel, der in der Position “0” stand auf “Vorwärts”. Sofort ging ein mechanisches Rattern und Scharren durch das Luftschiff. Sie spürte, wie sie weiter Fahrt aufnahmen. Riss den Fahrtregler auf volle Fahrt auf. Doch sie würden das Loch im Dornenkäfig nicht treffen. Viel zu schief war ihr Kurs “Nein, nein, nein, nein…!”, giftete die Assassine vor sich hin, als sie die Ruder herumriss, um auf das Loch zuzusteuern. Sie hatte keine Ahnung vom Lenkverhalten eines Luftschiffes - doch sie versuchte ihr Bestes. Sie waren auf Kurs - mehr oder weniger.
“HALTET EUCH FEST!”, schrie sie aus dem Cockpit über Deck. Das Luftschiff traf den Dornenkäfig steuerbords hart und wurde erneut ordentlich durchgeschüttelt. Zu allem übel hatte der Ballon einen Riss abbekommen, durch den das Luftschiff rapide seinen Auftrieb verlor. Jonah krallte sich nun selbst am Steuerrad fest. Spürte wie das Luftschiff an Höhe verlor. Der Fall bis auf die Anhöhe östlich der Slums war kein tiefer - doch minder unangenehm würde ihn das nicht machen.

Als Yuen gerade einen für ihn sicheren Abstand zu seinem düsteren Gegner erreicht hatte, hallte eine laute Explosion über die Hügel. Er sah sofort zur Dornenkuppel. An einer Stelle qualmte sie - war es der Waggon gewesen? Es musste der Waggon gewesen sein. Aber was ..?!
Bevor er diese Frage zuende denken konnte, trieb das Luftschiff in einem angeschlagenen Manöver aus dem Loch heraus und stürzte auf den Hügel, der sich in östlicher Richtung der Slums befand. Perplex starrte er auf die Situation. Die Landung hatte nicht zu hart ausgesehen - ob es den anderen gut ging? Er musste zu ihnen aufschließen. Blickte sich kurz um. Er konnte die Slums über die umliegenden Hügel umrunden - doch er musste sich beeilen, es war kein kurzer Weg. Erschwerend bemerkte er nun auch, dass das schwarze Monstrum nicht allein gekommen war - er sah am Fuße seiner Anhöhe bereits zwei weitere der Kuppe entgegenkommen. Doch die Bewegung war nicht übermäßig zielgerichtet - sie hatten es nicht unbedingt auf ihn abgesehen. Er würde schon seinen Weg um sie herum finden. Blieb vorerst in der Schattenwelt und machte sich auf.
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#456 Koikun

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Posted 13 January 2018 - 12:42 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Mit dumpfem Rumms schellte das Luftschiff gegen die Anhöhe, der hölzerne Bug wurde mit immenser Gewalt zersplittert, die metallenen Fassadenelemente setzten auf und schlissen über die Erde, sie geradewegs zerpflügend, obschon das Schiff kaum Antrieb gefunden hatte. Es schliss den Anhang empor und kam mit zerstörtem Bug und im Gerüst zusammensackendem Ballon auf dem Kamm zum Stillstand, von dichten Rauchschwaden umwunden.
An Deck waren alle Figuren ordentlich durchgeschüttelt worden und das Cockpit am Bug schien auch schon bessere Tage gesehen zu haben. Zum Glück hatte es Sebastien von Silberhain geschafft, seinen König mit seiner ritterlichen Aufopferungsgabe vor Schaden zu bewahren, denn vor allen die Schlafenden waren es, die querdeckein gescheuert worden waren.
Er fasste die gefesselte Priesterin in die Augen. Seine Mission auf Flechanto. Hatte er ein Detail versäumt? Er hatte seither noch immer nicht mit seinen Vorgesetzten, seinem Oberbefehlshaber Eldras Moorgana, seinem Missionsgeber Oberbefehlshaber Demetrios Baribal oder eben mit dem einen höchsten Mann, der verblieben war, seinem König zusammenkommen können, um seine Mission abzuschliessen. Womöglich war das sogar gut, wenn er nun die Möglichkeit erhalten sollte, seinen Bericht zu korrigieren.

Die Priesterin stand an die Reling gelehnt und grinsend aufwärtsschauend. Das war fürwahr ein grandioser Zug gewesen, sie war gespannt, was ihr Gegenspieler darauf zu antworten wissen würde. Bis dahin hatte sie sich ihre Langeweile anderweitig zu vertreiben und wie sie ahnte, sollte dies ein eher simples Unterfangen werden.
Die Mundwinkel sanken. Sie war selbst nichts weiter als eine Spielfigur gewesen. Doch sie unterstand ihm, ihrem Vater nicht mehr. Sie bekannte sich nicht mehr zu dessen Farbe. Sie hatte sich aus ihrer gesetzten Rolle enthoben, um selber Herr ihres Lebens zu werden. Sie hatte seine Seite verlassen, um selber zum Spieler aufzusteigen. Doch sie gehörte auch der anderen Seite nicht an, an der Hlynur Jasminko gestanden hatte, auf der Seite der Guten. Sie hatte so lange nach einem Gegenspieler gesucht, doch ohne eine Gesinnung existierte nunmal keine Gegenfront. Folglich fand sie das Vergnügen darin, sich in Konflikte zu stürzen und ihren Spass zu suchen, der ihren Sieg bedeutete. Dafür benötigte sie keine gesetzte Fraktion. Sie besass die Freiheit, sich allenorts Feinde zu machen, ohne Partei zu ergreifen. Im Chaos ihre Ordnung zu finden.

Als die ersten Leute an Bord wieder einigermassen auf festen Beinen stehen konnten und allmählich auch die Schlafenden wieder zu Besinnung fanden, machte sich schlagartig wildes Entsetzen breit. Die Dunkelheit der späten Stunde war abberufen worden, was hoch oben aus der Nacht gequollen war und sich als ausschlachtender Sog präsentierte, war kein Sternenhimmel mehr und auch jegliches Feuerwerk war vorüber. Was über ihnen regierte, war ein Teufelswerk von flackerndem violetten Lohengang und Eilanden von weit aufgerissenen, infernalischen Augen, die wie das Heer der schillernden Sterne verheissungsvoll das Übel der Welt begafften. Es war, als wäre Lighthalzen in die Untiefen der Hölle gestürzt worden.
"Mein Vater ist gekommen, mich zu holen," sprach die Priesterin angewidert, "Ihr macht euch besser schleunigst vom Acker."
An ihren Gesichtern konnte sie lesen, dass sie nicht wussten, was sie meinte. Vermutlich hatten sie auch das Licht nicht gesehen, das vor Kurzem das Hauptgebäude der Rekenber Corporation für einen Moment eingenommen hatte. Auch die Priesterin konnte nur mutmassen, aber als sie in die Slums gekommen war, um ihr Spiel zu treiben, hatte sie es gesehen. Und dann die Aura ihres Vater zu spüren bekommen. Ihr zweiter Grund, um die Gilde zu unterstützen, war ihr Vater gewesen, sie hatte mit dem Luftschiff mit ihnen vor ihm entkommen wollen. Doch daran war nicht mehr zu denken.
"Der Exorciser reagiert gegenwärtig nicht auf mich durchgehend derart schlimm, er reagiert auf meinen Vater," warf sie Jonah beim Cockpit zu. Selbst aus der Distanz überbot seine Macht die ihre. "Er ist von der Rekenber Corporation auf dem Weg hierher, um mich heimzuholen." Sicherlich hatte er bereits die gesamte Stadt in Tiefschlaf versetzt. Die Priesterin hatte auch schon eine Idee, wie er hergelangt war. Peter war zusammen mit Rabia und Faolan von der Rekenber Corporation entführt worden. Peter hatte offensichtlich nach ihm gerufen und ihn dadurch hergelotst.
"Er ist bloss an mir interessiert," zeigte sie grimmig auf. An ihrer Rolle war er interessiert. "Also weg mit euch, wenn ihr nicht verrecken wollt!!"

Arhat rappelte sich sachte wieder auf, nachdem er sich selbst aus der Holzkiste gehievt hatte, in die er hinein gekracht war. Sofort verschaffte er sich einen Überblick über die Personen an Deck. Er nahm die Rede von ‘Lirene’ zur Kenntnis, doch kümmerte sich zuerst um die Heilung von Roy. Er war zwar nur leicht angeschlagen, aber sobald der junge Magier wieder fit war, konnte er mit der Wundversorgung der Luftschiff-Verunglückten helfen.
Als Roy nach einiger Zeit wieder fit genug war, widmete sich Arhat Rincewind. Der Zauberer musste unbedingt wieder zu Bewusstsein gebracht werden.

Jonah hatte den Crash im Cockpit gut überstanden. Ein paar wenige alte Sitzkissen notdürftig platziert hatten den schlimmsten Aufprall etwas abgefedert. Und obwohl der Bug des Luftschiffes komplett zerstört war, war das Kapitänshaus verhältnismäßig heil geblieben - es thronte nunmehr über einem Haufen Schrott. Etwas schwerfällig richtete sie sich nun, nachdem alles vorbei war, auf. Sie würde mit Sicherheit einige bösartige blaue Flecken davon tragen - doch wenigstens waren alle ihre Gliedmaßen in einem Stück. Sie streckte sich, bog sich, wand sich. In ihren Gelenken knackte und knirschte es - doch es tat gut. In halbwegs gutem Zustand trat sie nun an Deck um nach den anderen zu sehen.
Beim ersten Überblicken sah die Lage verhältnismäßig gut aus - Bei einem solchen Szenario hätte einiges anders ausgehen können. Arhat war bereits wieder auf den Beinen und heilte die anderen. Auch Sebastien und Roy waren wohlauf. Lirene stand immer noch gefesselt an der Reling. Jonah hatte ihre Rede zur Kenntnis genommen. Sah in den Himmel. Es sah schaurig aus. Wenn was sie gesagt hatte stimmte, taten sie gut daran, alsbald von hier zu verschwinden.
Sie suchte ihre weiteren Kameraden. Fand Emilia und Markos in einem Haufen von Soldaten und Slumbewohnern. Wo auch immer sie gewesen waren. Diese Fragen hatten noch etwas Zeit. Sie alle hatten zum Zeitpunkt des Crashs geschlafen und waren beim Aufprall in Richtung Cockpit geschleudert worden - den vordersten erging es dabei sicherlich nicht besonders gut. Markos und Emilia hatten Glück im Unglück gehabt. Sie schienen sich beide nicht viel getan zu haben. Beide schliefen immer noch. Sie verteilte ein paar mittelmäßig liebevolle Ohrfeigen um die Schlafenden aus ihrer tiefen Versunkenheit zu befreien - doch nur Markos ließ sich davon beeindrucken. Er gab ein grauenvolles Stöhnen von sich. Bekam die Augen kaum einen Spalt weit auf. Begann sich zu regen. "Hey!", sprach Jonah ihn an und schüttelte ihn, "Lebst du noch?! Wir müssen weg von hier!" Seine Lebensgeister waren geweckt, sie gab ihm einen Augenblick Zeit sich zu sammeln. Schüttelte noch einmal Emilia, doch ihr war nicht beizukommen. Dieses Leichtgewicht konnte man zur Not aber auch tragen. Jonah schielte zu Arhat. Fragte sich, wie viel Mann nötig gewesen wären um ihn zu tragen.
In dem unsortierten Haufen fand Jonah auch Tea. Sie war wieder bei Sinnen, hatte aber ihre liebe Mühe, sich zu befreien - Jonah half ihr dabei und fragte nach ihrem Befinden. Auch Tea signalisierte, dass es ihr gut ging. Die Assassine überblickte die Lage. Ihren Leuten ging es den Umständen entsprechend gut - immerhin. Sie sah erneut in den Himmel. Was auch immer da im Anmarsch war - sie wollte nicht abwarten, bis es da war.
Sie ging hinüber zu Arhat, nicht ohne dabei nochmal einen prüfenden Blick auf Lirene zu werfen. In was waren sie hier nur hineingeraten. "Ich schlage vor, schnellstens von hier abzuhauen, wie siehst du das?", meinte Jonah.
Seufzend beendete der Mönch die Heilung von Rincewind, welcher noch immer bewusstlos war, aber immerhin nicht mehr gross verletzt. Er warf einen Überblick über die Soldaten und Slumbewohner, die verstreut über Deck lagen. Die alle zu heilen würde viel zu lange dauern und ihn verausgaben. “Wir sollten uns sammeln, ja”, knurrte er, “sobald wir einmal verschnaufen konnten, können wir wieder koordinierter vorgehen anstatt nur zu reagieren.”
Er verschaffte sich einen Überblick über die eigenen Leute: “Ich trage sonst Rincewind und Ikarus.” Markos, der inzwischen wieder bei Sinnen war, erklärte sich schnell dazu bereit Emilia zu tragen.
“Was ist mit Lirene?”, blickte Markos noch einmal nachdenklich zurück. “Ich denke, sie kann auf sich selbst aufpassen”, meinte Arhat knapp ob der Dringlichkeit der Lage. “Und wohin?”, fragte Roy, der überglücklich war, endlich wieder mit Markos aufgeschlossen zu haben. Er war fast schon eifersüchtig, dass sein treuer Freund mehr Augen für eine holde Maid hatte, aber das war zu verkraften. In Anbetracht der Dinge war ohnehin keine Zeit für grossartige Emotionen.
“Gehen wir in den Osten, weg von der Stadt?”, fragte Arhat vor sich hin, “Jonah, siehst Du etwas in dieser Richtung?” Der Mönch ging davon aus, dass die Assassine und Bogenschützin am Besten in die Ferne blicken konnte.

Die Assassine sah sich prüfend um. Man konnte von der Reling den Hügel ostwärts hinab ins Tal sehen. Doch was sie dort erblickte schürte nicht die Hoffnung. “Es gibt schlechte Nachrichten”, wandte sie sich an die Truppe, ohne dabei die Augen von dem was da kam zu lassen, “Schwarze Bestien - und sie kommen aus dem Tal herauf.” - Es waren die gleichen schwarzen Bestien, wie sie bereits auf Flechanto gegen eine hatte kämpfen müssen. Zähe Dinger. Nicht das, was sie alle in ihrem Zustand gebrauchen konnten - und gleich mehrere. Doch sie waren verhältnismäßig langsam unterwegs. Sie mussten es versuchen - eventuell konnten sie einen nördlicheren Weg einschlagen, um ihre Hauptschlagrichtung zu meiden. “So oder so, wir müssen hier weg!”, gab Jonah vor.

“Jetzt hört schon endlich auf, Fragen zu stellen!,” rief Lirene entnervt hinüber, die sie bindenden Seile von unterhalb auseinanderschneidend, “Jetzt folgt doch ausnahmsweise meinem Befehl und macht euch schon endlich vom Ack-?!” Sie musste kurz innehalten, als ihr dämmerte, dass ihre Worte einem Phantom galten. Dass sie sich nicht verhört hatte.
“SCHIAHAHA!!,” lachte sie da kurz und knapp auf, was ihre gesamte Verärgerung von dannen blies, und sie grinste: “Wie artig ihr geworden seid, da habe ich mich wohl fast schon zu sehr an eure wenigen Tage unter Jasminko gewöhnt!”
“Aber wie können wir überhaupt sicher sein, dass wir davonkommen können?!,” brachte sich Sebastien ein, zwischen der Gruppe und der verhaltensauffälligen Priesterin positioniert und deutlich angespannt, “Habt ihr denn noch nicht den Nachthimmel gesehen oder was dieses höllische Fieberwahnbildnis darstellen soll?!” Dann fuhr er die Priesterin an: “Da hast du ihn auch schon erwähnt: Jasminko! Welches Spiel gedenkt ihr hier zu treiben?!” - “Er ist tot!,” nahm sie ihm direkt die Luft aus den Segeln, halbwegs auch zu Jonah gewandt, “Er ist auch auf Flechanto bereits tot gewesen. Da bin nur ich gewesen. Aber wir haben jetzt keine Zeit für eine hübsche Märchenstunde. Ein anderes Mal spiele ich nur zu gerne mit offenen Karten gegen euch. Gegen euch wäre sowas wohl eine echte Herausforderung!” Und sie lachte wieder auf, was den perplexen Silberritter vollends verstummen liess.
“Der König weiss mehr über die Umstände des Todesfalles von Jasminko, also kümmere dich um ihn und nicht um mich,” unterstrich die Priesterin und der Silberritter fühlte, wie ihm die Initiative geraubt worden war, was ihn einen nicht vorhandenen Spott erdulden liess, während er sich pflichtbewusst, doch mit ganzem Herzem seinem König zuwandte, um die anderen zu begleiten und ihn zu tragen.
Lirene vollendete: “Kümmert euch nicht um mich, sonst seid auch ihr in Windeseile tot. Wenn ihr von hier weg und an Vater’s Bestien vorbeikommt, werdet ihr auch wegkommen können. Vater’s Augen liegen allesamt auf mir. Er wird sich nicht um euch scheren. Ich werde nämlich nicht zulassen, dass diese Geschichte zu seinem gewünschten Abschluss findet. Jetzt fängt es immerhin erst an, so richtig Spass zu machen!”

Yuen war derweil unterwegs, um mit der Gruppe aufzuschließen - niemand hatte ihn gesehen, da er sich nur in der Schattenwelt bewegte. Er befand sich nordöstlich der Slums und schwenkte gerade in südliche Richtung. Der Hügel fiel hier etwas ab - aus dem Tal auf der den Slums abgewandten Seite waren die düstere Bestien bereits näher gekommen. Es war schwierig sie zu umgehen. Er musste sich etwas ausdenken - oder sich einen anderen Weg überlegen. Doch er spürte, dass bald irgendetwas passieren würde. Hatte in den Himmel gesehen - hatte für einen Moment an seinem Verstand gezweifelt. Die Probleme die hier in der Luft hingen, waren offenbar noch deutlich schlimmer als das Gas, das verströmt worden war.

Die Priesterin hielt sich aus der Aufbruchsstimmung auf dem Schiff heraus und war stattdessen an das Heck gewandert. Es war nicht so simpel, dass nur zu sagen war, dass sie das Chaos liebte. Sie ergriff gerade klare Position, obschon sie die Möglichkeit hatte, diesen Leuten Chaos zu weisen, indem sie sie in ihre Angelegenheiten involvierte. Sie stand jedoch an keiner Front, ihr war alles gegenübergestellt. Nicht die Ordnung der Welt war ihr gegenübergestellt, alles war es und das schloss auch das Chaos mit ein.
Sie besass nichts. Doch sie stürzte sich trotzdem in die Schlacht, sie warf die Spielbretter allein durch ihre Existenz über den Haufen, denn sie war keinem Gegner zugeordnet worden, sie war allein zu einer Figur erkoren gewesen. Nun aber lechzte sie mit Gewalt nach dem ekstatischen Spiel. Das Spiel bereitete ihr masslosen Spass und wenn sie Spass hatte, fühlte sie sich als Sieger. Wie sie es liebte! Es durfte niemals enden! Wie sie es liebte. An einem Tisch zu sitzen…
Sie wollte das Spiel aufrecht halten, wie sie sich mit wahnsinnigem Grinsen im Gesicht und gewandt zu den Slums einzugestehen hatte. Als würde sie diese Leute, potenzielle Gegner fallen lassen. Als würde sie zulassen, selbst zu fallen. Sie gedachte nicht, irgendjemanden fallen zu lassen, es sei denn, sie oder er wollte ihr ihren Spass verbieten und ihn beenden.
Ihre Augen waren zur riesigen Dornenkuppel gerichtet, deren Gipfel zirka gleichauf mit dem Luftschiff auf dem Hügelkamm war. Dort oben stand jemand. Zwischen Händen wurden dort die Dunkelheit lichtende Nebel gewoben. War das… der Präsident von Schwartzvald, Adam von Dieffenbach? Sein glorreiches Abbild blitzte in der Erinnerung auf:

Spoiler

Doch nein… oder doch. Es handelte sich wirklich um den Präsidenten, doch er trug den selben royalen Umhang, mit dem Lirene und Peter nach Lighthalzen gekommen waren und den sie von der namenlosen Insel hatten mitgehen lassen, wahrscheinlich dem Pastoren genommen. Zudem trug diese Erscheinung eine Krone. Das war nicht mehr Adam von Dieffenbach. Ein zweites Paar Arme sowie ein Zweigespann von Hörnern krönten den präsidialen Körper, der durch einen Vater, der das Spielzimmer seines Sohnes betreten hatte, um zur Pflicht zu rufen, zu einer blossen Hülle für eine teuflische Seele verkommen war. Beelzebub, thronend auf der Dornenkuppel, war gekommen, um seinen Sohn heimzuholen:

Spoiler

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Posted 20 January 2018 - 10:40 PM

[Hlynur Jasminko und Beelzebub's Sohn]

...

"Ahh, Hlynur Jasminko, ich erinnere mich nur zu gut, wie ich dich damals im ewigen Winter von Lutie erfrieren sehen habe. Liegt dir dieses Bild noch im Gedächtnis [1] [2] [3], ich kann mir kaum ausmalen, dass du es so einfach vergessen kannst, dein Bestreben, das Tor zur Unterwelt durch den Wächterwolf Hatii mit Gewalt aufzureissen und alles, was du verloren hast, aus den Klauen Hels zu befreien, deren harten Klammergriff zu lockern und dich endlich zu verabschieden. Von deinen Freunden, deiner Familie, deiner Ehefrau, deinem tapferen Sohn. Wie sehr hast du sie allesamt vermisst, Hlynur Jasminko.

Auch ich habe sie vermisst, sie und jenen Tag, an dem du alles verloren hast [Der Ahornbaum [optionale Hintergrundgeschichte]]. Es ist der jüngste Tag gewesen, an dem ich auf der Haut dieser Erde habe wandern dürfen. Du bist nicht die einzige Person gewesen, der keinerlei Wahl gelassen worden ist, Hlynur Jasminko, auch ich bin unter meiner mir auferlegten Rolle lebendig begraben worden. Dabei sind wir beide zuvor noch freier gewesen als ein jeder Fisch im Ozean, der dein Eiland gestemmt und dir eine Quelle des Lebens gewesen ist, die du dankbar angenommen hast, um für deine Familie sorgen zu können.
Kein Name ist von deinem Eiland verblieben, die Gegenwart kennt sie lediglich als die namenlose Insel. Abgekommen vom rechten Weg und verloren im Wogengang der See hatte einst ein Mann ein neues Leben gesucht und siehe da, es war ihm in der Form von diesem Eiland gegeben worden. Freya hatte sich seiner angenommen, dessen war er sich sicher gewesen, sodann hatte er eine Gemeinschaft vereint und ein prachtvolles Kloster errichtet, um sie lobzupreisen und die Wiedergeburt für ihren Kreis zu verpflichten. Ein lichtes Paradies war die namenlose Insel gewesen, du als simpler Fischersmann hast selbst abseits des Klosters von seinem Frieden kosten dürfen.

Alles besitzt eine Kehrseite, nicht wahr? Die Legende über diesen Frieden, der derart mächtig war, dass sich Justiz und Gerechtigkeit erübrigten, wurde geradezu von den Winden getragen und in alle Himmelsrichtungen verstreut. Auch Banditen erfuhren von ihm und seiner Position als idealer Fluchtort nach scheusslichsten Verbrechen, auch sie erfuhren von der Chance auf ein zweites Leben. So fanden sie auf die namenlose Insel und so dauerte es nicht allzu lange, dass der Frieden mit Blut beschmutzt wurde.
Freya hat euch fallengelassen wie die Menschen, die ihr gewesen seid. Die Lobpreisung ihrer Lehren der Wiedergeburt und folgerichtig das ihre Abbild ist durch eure blinde Zuwendung zu einem sonnengleichen Lichtpunkt am Ende eines Tunnels beschmutzt worden. Aber noch während die Banditen das Dorf geplündert und das Kloster gestürmt haben, seid ihr in einem neuen Schoss aufgenommen worden. Mein Vater, Beelzebub suchte die Insel heim, geruht hatte er für Jahrhunderte auf dem Grund der See, doch er erhörte euer Flehen um Leben, er vernahm die pochende Angst vor dem Tod in euren Herzen und er antwortete auf euer Suchen nach Wiedergeburt. Ihr seid gefallen, doch nicht für immer, noch heute wandern deine Freunde, deine Familie auf der Insel als untote Kreaturen der Nacht, vollends dieser und ihrem Meister, Beelzebub ergeben.
Hlynur Jasminko, du hast deinen Sohn und deine Frau an diesen Fluch verloren und er hat auch dich letztlich eingeholt, so sehr du auch versucht hast, deine Augen zu verschliessen. Es ist zu spät gewesen, du bist bereits blind wie alle gewesen. Niedergestreckt von deiner Frau bist du in die Fluten gestürzt. Trotzdem bist du anders als die willenlosen Untoten der namenlosen Insel. Jene sind auf der Insel, unter den wachsamen Augen Beelzebubs getötet und hierdurch wiedergeboren worden. Du hingegen bist abseits davon der Unterwelt entgegengeschritten, weil du in die Fluten gestürzt bist. Du bist dem Tod tatsächlich entgegengeschritten, während jene mit sofortiger Wirkung zurück in das Leben gelotst worden sind, um ewiglich zu wandern. Jene Menschen sind nicht gestorben, es sind untote Menschen, ihre Körper leben, lediglich ihr Geist ist tot. Du jedoch bist bereits vor Hel's Toren gestanden, als Beelzebub dich gefunden hat. Dein Körper ist schon tot gewesen.
Mit einem väterlichen Vorhaben unter der Brust hielt Beelzebub Hel's Tore verschlossen, denn die einzige Methode, um dich seiner zu unterstellen, war die Rettung deines Geistes. Er brachte diesen zurück in deinen toten Körper. Du bist kein untoter Mensch. Du bist ein menschlicher Untoter.

Beelzebub gedachte, die Hölle auf Erden über die Welt zu bringen. Er persönlich hatte sich durch seinen Eröffnungsakt jedoch an die namenlose Insel gebunden, weshalb er wünschte, einen Spross hervorzubringen, der ausgehend von ihr die Länder erobern und diese ihm darbringen konnte. Dieser Spross bin ich, ich bin Beelzebub's Sohn und meine Seele ist an jenem Tag in dich geboren worden, den einzigen Mann, der ihm ein Untertan gewesen und durch den verstandraubenden Fluch nicht ebenfalls an die Insel gebunden worden ist. Selbstverständlich hättest du dich seiner niemals aus eigenem Ermessen angeschlossen, deshalb hat Vater sich dir gegenüber auch niemals eröffnet. Er hat dich dir selbst überlassen in der Überzeugung, dass du dein Eiland verlassen und in die Welt gehen würdest, im Glauben, neues Leben zu finden, nur um in Wirklichkeit für Beelzebub's Regentschaft Tod zu säen. Ich weiss nicht mehr, wie viele Jahrzehnte vergangen sind, bis du aus deiner Einsamkeit und den Scherben deiner Vergangenheit gefunden hast und fortgereist bist, um dir eine Zukunft aufzubauen.

Du hast nicht um mich gewusst, du hast nichts von dieser zweiten Seite in dir gewusst, aber wie gesagt, alles hat seine Kehrseite, Hlynur Jasminko. Du hast mich nicht gekannt, aber das selbe behaupte ich von Vater. Er hatte mir diese Rolle auserkoren. Ich war als eine seiner Figuren erdacht, um ihm den Sieg zu bringen. Ich diente bloss zum Amüsement seiner Ordnung. Das empfinde ich als langweilig, es widert mich regelrecht an, wenn ich daran denke, mich dieser fremden Ordnung unterzuordnen! Im Allgemeinen ist mir mein eigenes Empfinden zu kurz gekommen, ist es dir nie ähnlich ergangen, als du dich dem Königreich Midgard angeschlossen und der Königlichen Garde dienlich gewesen bist? Unwahrscheinlich. Du hast dich freiwillig angeschlossen, deinen Körper nur zu gerne untergeordnet, um deiner Überzeugung und deinem Geist über allem treu zu sein, aber ich, aber ich - ! Ich bin in meiner Rolle, in dir gefangen gewesen. Doch ich habe dich beobachtet und ich habe die Welt kennengelernt. Die Fronten zwischen Gut und Böse, zwischen Schwarz und Weiss sind klar und deutlich formiert gewesen und es ist absolut gewesen, welcher ich anzugehören hatte. Aber ich, aber ich - !
Mein Vater ist nicht mein König und ich bin nicht seine Figur, das ist mir bewusst geworden. Mir ist bewusst geworden, dass ich mich von meinen Ketten zu befreien habe, um meine eigene Ordnung ausfindig zu machen, um die Front aufzusuchen, der ich angehöre. Das jedoch gestaltete sich ausserordentlich schwierig. Denn so sehr ich versuchte, mich zu befreien, auf der anderen Seite hast immer du gesessen. Du bist mein Gegenpol gewesen, mein Gegner, die deutliche Gegenfront, die folglich auch die meine Front bestimmte. Du bist mein Gefängnis gewesen, Hlynur Jasminko.

Auch du hast deinen Krieg gehabt, wie mir vor Augen geführt worden ist, als ich dich damals im ewigen Winter von Lutie erfrieren sehen habe. Du hast daran geglaubt, dass Lutie und Niflheim zwei Seiten ein und der selben Münze sind, und hast den Zugang zur Unterwelt gesucht, um dich endlich verabschieden zu können. Du selbst hast deine eigene Seite nicht gekannt. Allein du hattest den Untergang deiner Heimat überlebt, wenn auch als Untoter. Du hast nicht verstanden, welcher Fraktion du denn nun angehörst. Gehörst du dem Leben, oder gehörst du dem Tod? Du hast geglaubt, dass dir durch diesen scheinbaren Balanceakt zwischen den Fraktionen der Zugang zur Unterwelt erlaubt sein muss, aber das ist falsch, Hlynur Jasminko. Nicht der Körper entscheidet, welche Seite der Münze nach oben weisen wird, der Geist tut es, hast du denn schon vergessen, dass es dein vollumfängliches Bewusstsein gewesen ist, dass sich in Midgard für einen König entschieden hat, und nicht dein untoter Leib? Du bist dem Leben zugehörig gewesen!
Der Geist bestimmt, doch ist er genau deshalb ein leicht beeinflussbares Zünglein an der Waage. Du hast in den Schlund der Unterwelt geblickt und bist in deiner Vergangenheit ertrunken. Du hast dich in der Dunkelheit und abermals vor Hel's Toren gefunden, deine Familie hat dir gewunken und du bist daran gewesen, dich in ihre Mitte zu legen und dich dem Tod zu ergeben. Dort habe ich dich gefunden. Dort hast du gelegen, erfrierend, ertrinkend. Im drohenden Fortgang deiner Seele habe ich in deinem Körper Raum gefunden, um aufzuatmen. Und dies habe ich genutzt, um meine Hand nach dir auszustrecken und dich aus der rufenden Tiefe zu bergen. Weisst du, warum ich dich gerettet habe, Hlynur Jasminko? ...es ist aus purem Neid geschehen. Erinnerst du dich, was ich zu dir gesprochen habe? Ich habe gesprochen: Eine Münze hat keine bessere Hälfte. Es gibt keine bessere Seite, wenn man die Münze mit der ganzen Hand umschlingen kann, wenn man sie nach Wahl und ohne Zufall legen darf und nicht werfen muss. Ein Balanceakt ist einfach, wenn man auf beiden Seiten Fuss setzen darf. Suche auch im Leben die Liebe, die Kameradschaft, den Spass, dann bist du zuhaus, zuhaus in deiner Mitte, auf beiden Seiten einen Fuss gesetzt.
Mein Neid fokussierte sich auf deine Fähigkeit, dich frei zwischen Leben und Tod, zwischen den Fronten entscheiden zu können, was mir seit Anbeginn verwehrt gewesen ist. Nachdem du auf der namenlosen Insel gestorben bist und wir beide geboren worden sind, sind dir beide Seiten und mir keine in die Wiege gelegt worden. Du konntest die Münze so hoch werfen, wie du auch wolltest, du konntest nur gewinnen. So stark du sie auch hochgeworfen hast, so sehr sie sich auch drehte und für das Auge zur Kugel wurde, Untertan war dir die gesamte Welt, die ich gemäss meiner Rolle zu erobern hatte. Doch weshalb hatte man mir diesen Wall in die Wiege gelegt, anstatt die Habe gerecht aufzuteilen? War das Vater's Verständnis von einer Vater-Sohn-Beziehung? Warum bist du bevorzugt behandelt worden, Hlynur Jasminko?
Vielleicht bist du auch als Gewinner aus unserer Geburt hervorgegangen, weil Mutter ebenfalls ein Wörtchen mitzureden gehabt hat. Ich habe keine tatsächliche Mutter, aber Freya erscheint mir nicht gänzlich unschuldig an unserem Hervorgehen. Ohne sie gäbe es uns nicht, ohne ihre Aufgabe ihrer Figuren hätte Vater niemals in das Herz deiner Heimat stechen können. Ich erachte sie aus diesem Grund als den weiblichen Anteil meiner Zeugung, den Gegenpol zu Vater. Daraus geht hervor, dass bei unserem Hervorgehen beide Seiten präsent gewesen sind, doch das gesamte Erbe ist dir zugefallen. Ich verabscheue Freya dafür, dass sie Vater hat gewähren lassen. Aber was ist von einer Frau ohne jegliches Vertrauen zu ihren Leuten schon grossartig zu erwarten?

Als mir vor Augen geführt worden ist, wie du damals im ewigen Winter von Lutie zu erfrieren drohtest, ist es mir gewesen, als würden zwei hungrige Wölfe um deinen verschneiten Leib ihre Kreise drehen, wie in einem Wettkampf um dieses willkommene Mahl. Das ist anders als wenn wir beide innerhalb ein und des selben Körpers um die Kontrolle kreisen. Wir sind keine fremdgesinnte, doch gleichgestellte Wölfe, die einander die Waage halten und das Mahl letztlich aufzuteilen haben.
Ich hatte dich als meinen Gegenpol erkannt, aber die Wahrheit ist, dass du beide Pole besitzt, du besitzt Schwarz und Weiss, Leben und Tod, du besitzt die Welt, die Welt ist mein Gegenpol, denn ich besitze nichts. Die Wahrheit ist, dass ich in deiner Gegenwart, die alle Figuren kontrolliert, keine Möglichkeit besitze, zum Zug zu kommen. Allein dadurch haben wir uns die Waage gehalten. Allein durch den Konflikt zwischen Alles und Nichts.
Die Rolle, die Vater für mich vorherbestimmt hatte, war wortwörtlich, mir die Welt unter den Nagel zu reissen. Er verlangte, dass ich wuchs und erstarkte, um seine Wünsche zu erfüllen. Er verlangte, dass ich den höchsten Wall erklimme, um über alle Welt zu thronen. Er hatte meinen Eigensinn befürchtet und es mir deshalb derart schwer gemacht. Damit ich meine Hörner abstossen und durch meine Aufgabe zu seiner besten Figur geschmiedet werden kann.
Wie gesagt, ich habe dich aus Neid gerettet. Ich beneidete dich um deinen Spielraum. Deshalb habe ich dich nicht sterben lassen. Es ist mir von persönlicher Wichtigkeit geworden, dass du in dieser Art und Weise nicht gehen darfst. Es wäre dein ultimativer Sieg gewesen, frei zu bestimmen... du musst sterben, ohne es zu wollen, Hlynur Jasminko. Wenn ich dich deines Spielraumes berauben kann, wenn ich die Münze im Wurf ergreifen und dich der Entscheidung berauben kann,... wenn ich dich nicht nur im Leben, sondern auch im Tod vernichte und beides in Form deines Körpers an mich reissen kann, wenn ich das aus meinem freien Willen tun kann, erst dann werde ich gewonnen haben!

Es ist mir ein Heidenspass geworden, gegen dich anzukämpfen, Hlynur Jasminko. Nie hätte ich geglaubt, dass es einen solchen Spass machen kann, gegen einen Gegner anzutreten. Nein, das ist es nicht gewesen,... ich habe dich mir frei als Gegner auserkoren, es macht mir Spass, weil ich mich deiner Ordnung entgegenstellen kann, diese Empfindung, wie wundervoll es ist, sie zu fühlen, wenn ich mich mit vollumfänglichen Bewusstsein gegen sie entscheiden kann!
Ich will mir meine Hörner nicht abstossen, im Gegenteil. Ich lasse mich nicht weiter schmieden, ich schmiede mir fortan meine eigene Zukunft, ich allein bestimme über mich. Wenn Vater's Wall niedergerissen sein wird, werde ich auch über Vater thronen. Diese Leidenschaft entspriesst nicht meiner Aufgabe, sondern meiner eigenen Entscheidung. Ich schnappe mir die Münze nicht, um sie selber zu werfen. Ich schnappe sie mir, um sie zu zersplittern. Um frei von aller Ordnung zu sein und mich in Autonomie wiederzubeleben.
Ich habe dich um deine Welt beneidet, während mir nichteinmal ein eigener Körper gegeben worden ist. Aber wie ich schon hervorgehoben habe: Der Geist ist die entscheidende Instanz und ein solcher ist, was ich entgegen aller Zweifel besitze. Und ich entscheide mich gegen dich und deine Welt. Ich will aus ihrer Asche meine eigene errichten. Es wäre mir ein amüsantes Unterfangen.

...so oder so ähnlich habe ich mir alles so schön zusammengeschustert in meiner hellen Freude, dich zu bekriegen, um deine Ordnung in das Chaos zu stürzen und mir dieses zu einem fruchtbaren Saatgrund zu klopfen. Unglücklicherweise ist mir Vater zuvorgekommen. Ich bin ihm wohl ein unartiger Sohn gewesen.
Hörst du meine Stimme überhaupt noch, Hlynur Jasminko? Oder wiegt dir der Dolchstoss von Demetrios Baribal zu schwer auf deinen starken Schultern [Hlynur Jasminko's Tod]? Wobei es genaugenommen ein Schwert in deinem Rücken ist. Aber was hast du auch deinen König attackieren müssen, dem du dich verpflichtet hattest. Für den du dich entschieden hattest. Das hast du nicht entschieden. Jemand hat für dich entschieden. Du bist deiner Entscheidung beraubt worden, doch so steht es auch um mich. Was du im Herzen ein letztes Mal aufschlagen spürst, ist dein freier Wille. Du bist vorgeführt worden und ich bin überzeugt, dass Vater hierbei seine Finger im Spiel hat, um mich heimzuholen, damit ich seine Farbe bekennen kann.
Lebe wohl, Jasminko. Der blinde Gehorsam des Tölpels Demetrios Baribal hat dich niedergestreckt, so wie auch deine Heimat vom blinden Gehorsam niedergestreckt worden ist. Deine Liebe liegt im Tod begraben, das Leben hat dich dem Grab enthoben, in das du gehörst. Liege nun wohl und ruhe an der Seite deiner Lieben, du bist mir ein emsiger Gegenspieler gewesen. Vater hat keine Ahnung von meiner Grösse, zu der ich mich gegen dich habe erheben dürfen. Ich werde ihm freilich die Stirn zu bieten wissen."

...

Ein blendend weisses Licht überstrahlte die Gesamtheit eines Lebens und schliss einen Spalt in dessen klaren Lauf, worauf es nur noch zu versickern wusste. Hlynur Jasminko öffnete wie geistesabwesend seine Lider gleich einem Vorhang, um das nächste Kapitel des Schauspiels zu eröffnen. Doch war es nicht Hlynur Jasminko, der aus diesen Augen in die dunklen Mienen des Publikums schaute, denn Demetrios Baribal hatte das Leben des untoten Rittersmannes mit heiliger Energie aus dem Körper getilgt. Die Kräfte aller Glieder, sein ganzes Leben war im Spalt, der in seine Fassade gerissen worden war, versickert, worauf bloss noch Leere geblieben war. Zumindest fast. Die Bühne war freigeworden, der Spielraum nun gänzlich sein, er konnte aufatmen und das Zepter in die Hand nehmen: Beelzebub's Sohn. Für einmal war es ihm zugute gekommen, dass ihm nichts von dieser Welt gehört hatte, nichts von diesem Leben, das ihm ein Gefängnis gewesen war.
Er schaute sich erst um, dann hob er seinen Körper aus dem hölzernen Kasten, in dem sein Leichnam gelegen hatte, er erhob sich über die dichten Wälle hinweg. Und fand sich im Kerker wieder. Er erkannte den Kerker von Prontera.
"Willkommen in deinem neuen Leben."
Er stierte zu den finsteren Gestalten vor seiner Zelle. Anscheinend wussten sie um die Sachlage. "Wer seid ihr und was wollt ihr von mir?"
Eine der Gestalten nahm sich eine Fackel von der Wand und beleuchtete die Begegnung. Es war ein Pastor, daneben eine Priesterin. Und daneben... 'Jasminko' begutachtete ein fürchterliches Monstrum, gross und mit schwarzen Gliedern, es hatte gewaltige Klauen, fürchterliche Augen mit einem hungrigen Maul. Dahinter lag ein kräftiger Schwanz auf dem Steingrund. Eine Kreatur Beelzebubs. "Seid ihr Gesandte Vaters?," wollte er wissen. Er und die beiden Personen neben der Kreatur, Pastor Peter und Lirene, ahnten nichts von der Tatsache, dass der Rahmen ihrer Zusammenkunft von Indra Lunev beobachtet und später knapp an Jonah berichtet werden würde.
"Dass du mich nicht wiedererkennst, betrübt mich!," äusserte sich Lirene gespielt gekränkt, "Aber das kommt halt davon, wenn man sich sooo lange nicht mehr Zuhause zeigt!" - "Ihr seid Peter und Lirene." - "DU WEISST GENAU, DASS ICH DAS NICHT MEINE!"
"Unser König ersucht dich," sprach Peter, "Dein Vater sorgt sich um dich, wird sind seine Gesandte, das ist korrekt." Deshalb hatten sie sich kurzerhand die Priesterin und den Pastoren, die aufgrund des scheinbaren Landesverrates eingekerkert gewesen waren, unterworfen und sich in ihren Körpern eingenistet. "Er bittet um die Rückkehr seines einzigen Sohnes, um ihn wieder in die Arme schliessen zu können." 'Jasminko' stierte aus verfinsterter Miene an ihnen vorbei in die verwinkelten Flure der Kerkergefilde. Es war also wahr. Sie waren dafür verantwortlich, dass sich Hlynur Jasminko wie von Geisterhand bewegt und seinen König attackiert hatte. Sein Vater war verantwortlich für den Tod von Hlynur Jasminko und für die vollständige Kontrolle über diesen Körper für 'Jasminko'.
"Natürlich ist das seine Aussage," spottete der vermisste Sohn, "Ist sein leeres Wort alles, womit ihr mich an ihn zu ketten gedenkt?" - "Der Exorciser," brachte da 'Lirene' auf, "Hlynur Jasminko hat ihn seinen Mannen vermacht, weil er um dich gewusst hat. Im äussersten Notfall hätten sie ihn mit dem Exorciser stoppen sollen, so wichtig sind ihm die, die ihm nahestehen." Obschon er so viel besessen hatte, hatte dieser Mann sich seinen Leuten untergeordnet. Ein wahrhaftiges Zeichen der absoluten Macht.
"Nun da Hlynur Jasminko tot ist, gehört sein Körper dir," fuhr 'Peter' fort, "Wir werden den Exorciser an uns bringen, um dich auch hinter dieser letzten Mauer hervorzuhieven."
'Jasminko' stemmte sich aus seinem Kasten empor und stieg auf den kalten Grund hinab, um an die Gitterstäbe zu treten und die beiden Herrschaften mit hungrigen Blicken auszunehmen.
"Ich verstehe," erwiderte er unbeeindruckt, "Vater hält die Welt für keinen allzu guten Lehrmeister mehr. Will er mich Zuhause höchstpersönlich schulen? Was ist daraus geworden, dass ich der einzige seiner Lakaien bin, der mit einem eigenen Körper fernab der namenlosen Insel zu wandern vermag?" - "Du bist kein Lakai, du bist sein Sohn!," brachte sich die Priesterin ein und der Pastor ergänzte: "Wenn du alt genug sein wirst, wird dein Vater sicher auch wieder auf deine Eigenständigkeit zählen können." Der Ritter biss die Zähne zusammen und verzog eine angewiderte Grimasse, unterstreichend: "Für Vater hat es sich längst ausgezählt!!" - "Sei mal nicht so frech, er wird dir schon die Leviten zu lesen wissen!!"
"Jetzt beruhigt euch mal wieder," ächzte 'Lirene' auf, "Wie gesagt, wir werden dich mit dem Exorciser da rausholen, wir werden dich exorzieren, damit du zu deinem Vater einkehren kannst." - "Nichteinmal das wird euch gelingen!," deklarierte ihr Gegenüber, was sie verwunderte. Er fügte an: "Der Exorciser ist in guter Hand, er wird euch niemals in die Hände fallen!" - "Wie kannst du dir da so sicher sein?," wollte sie wissen, "Wie kannst du diesen Leuten so sehr vertrauen?" - "Weil sie nicht meine Leute, sondern durch und durch autonom sind!!" Dieses Vertrauen. Dies war also absolute Macht. Er grinste begeistert.
"Wir werden sehen," murmelte sie schulterzuckend, sich der Kreatur zuwendend und ihr wie auch schon anderen den Befehl reichend, Jonah den Exorciser abzujagen, "Wir werden sehen, ob dir dieses Vertrauen nicht doch das Genick brechen wird."
"Und ich soll bis dahin brav an eurer Seite gehen?," thematisierte er, worauf 'Peter' erklärte: "Wir wissen beide, dass wir das nicht von dir erwarten können. Wir halten es umgekehrt: Wir folgen bis dahin brav an der deinen Seite." 'Jasminko' stockte. Nein. Er wollte nun wirklich nichts mit ihnen zu tun haben. Das waren auch nicht seine Leute, aber zusätzlich schworen sie auf eine andere Farbe als er. "Kein Interesse," warf er zurück, "Und jetzt verzieht euch!" - "Hast du dir denn deine Hörner abstossen können?" Der Pastor beäugte ihn, der Ritter verstand nicht, worauf erklärt wurde: "Rebellierst du nicht gegen deinen Vater, um dich frei von Ketten austoben zu können?" Die Formulierung stiess nicht unbedingt auf Anklang. Als würde es sich bei ihm um ein aufbegehrendes Kleinkind handeln.
"Gegenwärtig versammelt sich alle Welt in Prontera," machte der Pastor weiter, "Die Kriegsmacht des gesamten Königreiches, für das sich Hlynur Jasminko verpflichtet hat, kommt zusammen in dieser Stadt. Wäre es dir nicht ein Freudenfest, dich in ihre Runde zu stürzen und dich gegen sie zu erheben?" 'Jasminko' wurde langsam aber sicher stutzig. Offenbar waren sie doch nicht ganz so unvorbereitet gekommen, wie er es sich erhofft hatte. "Wie lange habt ihr mich nun schon beobachtet?," fragte er frei heraus und 'Lirene' entgegnete: "Schon eine Weile." - "Ich verstehe, ihr habt Schwierigkeiten gehabt, einen Untoten mit zweierlei Freigeistern niederzustrecken und alleine eine der beiden Seelen aus dem Leib zu entbinden. Da ist euch Demetrios Baribal gelegen gekommen. Ihr habt eine Situation gestaltet, in der er mit seiner heiligen Energie die durch den Fluch der namenlosen Insel an den Leib gebundene und obliegende Seele vom allerletzten Anker losreisst und lichtet, wodurch einzig mein Geist verbleibt. Mich – so denkt ihr – könnt ihr viel eher unter Kontrolle halten als einen Hlynur Jasminko, der euch nicht angehört. Aber ich -" - "Demetrios Baribal ist uns gelegen gekommen, ja," unterbrach sie, "Aber gestaltet haben wir nichts. Wir haben lediglich beobachtet. Zugegeben: Es hat sich wundervoll ergeben." 'Jasminko' konnte ihr nicht ganz folgen. Waren nicht sie es gewesen, die Hlynur Jasminko wie von Geisterhand den König haben attackieren und ihn zum Verräter gebrandmarkt haben? Wenn er so darüber sinnierte, war es ihm tatsächlich seltsam vorgekommen. Um diesen Körper zu steuern, hätten die zwei Personen vor ihm in ihn fahren müssen, wie sie nun in den Pastoren und in die Priesterin gefahren waren, aber dann hätten sie beide Seelen übertölpen müssen, doch keine der beiden hatte etwas realisiert. Er musste automatisch intensiver über Demetrios Baribal nachdenken.
"Wir führten den Auftrag aus, dich zu beobachten und dich bei Gelegenheit heimzubringen," erläuterte der Pastor, "Es ist nicht von Bedeutung, wer noch alles in deinem Körper ist, so lange du uns Folge leistest. Die Exorzierung deines Geistes kann so oder so stattfinden." Beelzebub würde es jedoch bevorzugen, wenn die Exorzierung auf der namenlosen Insel stattfinden konnte, um allenfalls einen alternativen Körper bereitzustellen, der seiner Vorstellung entsprach und der seinen Sohn vorübergehend an die namenlose Insel binden würde. Das sollte aber ein Geheimnis bleiben. Die Bedrohung des Exorzismus hatte fortwährend über dem Dickschädel des Sohnes zu pendeln.
"Ihr denkt echt, dass ich euch eher Folge leiste als Hlynur Jasminko?," amüsierte sich dieser, "Was habt ihr noch in der Hinterhand?" - "Wie gesagt versammeln sich gegenwärtig die Kriegsmächte des Königreiches in Prontera," griff er das Thema wieder auf, "Das ist etwas, woran du dich erfreuen könntest. Doch Prontera wird abgeschirmt werden und du wirst keine Chance haben, die Stadt zu entern." - "Woher wollt ihr das wissen?" - "Wir haben grundsätzlich beobachtet, in diesem Fall zum Beispiel diverse Besprechungen von Kriegsplänen, die durch den Allianzpartner des Königreiches, Präsident Adam von Dieffenbach von Schwartzvald vorgebracht und zwischen dem König und Demetrios Baribal besprochen worden sind." - "..." Er fühlte, wie für ihn bestimmt wurde. Wie er seitens des Kriegsplanes von seinem Spass und seitens seines Vaters von seiner Freiheit getrennt werden sollte.
"Es wäre wahrlich ein Vergnügen, durch die Strassen von Prontera zu pflügen, das gemeine Volk wird nach Lighthalzen evakuiert worden sein und du könntest dich der befriedigenden Herausforderung annehmen," betonte der Pastor, "Nur wirst du eine Gilde benötigen." - "Und ihr wisst zufälligerweise, wie ich mir eine solche errichten kann, ist dem nicht so?" Dem war so.
Die Informationen über das Turnier auf dem Eiland Flechanto wurden ihm zuteil. Er befand es für richtig, auch Hlynur Jasminko's Leute aus der letzten Mission mit in die Sache zu ziehen. Auch nach ihnen wurde teilweise infolge von Hlynur Jasminko's inszenierten Verrat gefahndet, die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihm folgen würden, war somit gegeben. Ausserdem erhöhte es eine zweite Wahrscheinlichkeit, jene seiner Mitgliedschaft in einer Gilde am Ende des Turniers.
"Wie wäre es mit einem Spiel?," lockte 'Peter', "Wir agieren nicht, bis wir den Exorciser besitzen. Bis dahin wollen wir dir einzig folgen. Besitzen wir ihn jedoch, heisst es für dich, mit uns heimzukehren. Du sagst, dass das nicht geschehen wird, also soll darauf gewettet werden. Wenn du es hingegen schaffst, Prontera als Mitglied einer Gilde zu betreten, dann gewinnst du. In diesem Fall werden wir dich nimmermehr belästigen. Du darfst deine und unsere Maske gegenüber Hlynur Jasminko's Leuten dabei nicht fallen lassen und selbiges gilt für uns. Für die Dauer dieser Wette haben wir die Persönlichkeiten zu sein, die wir verkörpern."
'Jasminko' lachte amüsiert auf: "Das klingt doch mal nach einer spassigen Herausforderung!" Es war zwar offensichtlich, dass er danach von jemand anderem belästigt werden würde, aber er wollte es nicht so eng sehen. Der Lockruf eines Spieles hatte seine Ohren erreicht und er zögerte keine Sekunde, um ihr zu folgen. Er setzte sich dabei nicht mit Sieg oder Niederlage auseinander, er setzte sich nicht mit den beiden Seiten dieser Münze auseinander. Er hatte sich so weit getrieben, dass er befähigt war, an der Herausforderung allein, an der Existenz zweier Ausgangsmöglichkeiten allein zu erfreuen. Sich in in deren Mitte zu stürzen, das bereitete ihm Spass, und dieser Spass allein war sein Sieg. Was danach, nach weltlichem Sieg oder weltlicher Niederlage folgen würde, das würde er schon noch früh genug erfahren. In seinen Augen würde es sich aber sicherlich abermals als Herausforderung darstellen. Denn das war seine eigene Ordnung, mit der er in der Gestalt des Chaos selbst in der Ordnung anderer erblühen konnte.
"Gut, aber wer seid ihr denn nun?" - "DU BRICHST UNS DAS HERZ!!," proklamierten Pastor und Priesterin bei dieser Frage in diesmal tatsächlicher Fassungslosigkeit. Sie fielen aus allen Wolken, doch deckten ihre Karten auf. Gekommen waren sie beide von der namenlosen Insel, ein Nekromant hauste im Pastoren und eine Banshee hauste in der Priesterin.

'Jasminko' realisierte spät, dass das Rollenspiel nicht seiner Vorstellung von Spass entsprach. Dafür konnte er im Rahmen des Turniers von Flechanto kämpfen, doch fand er kaum einen Gegenspieler vor, der ihm die Stirn bieten und ihn unterhalten konnte. Für so etwas war, so war es ihm schon immer klar gewesen, eine auferlegte Rolle einfach nicht gemacht. Wenigstens durfte er sich abseits der Kämpfe an Kleinigkeiten erheitern, wie wenn sich der Pastor und die Priesterin zum Beispiel aufgrund der Liebesengel ineinander verliebten. Das belustigende Szenario von einem Nekromanten und einer Banshee, die in schmachtender Liebe einander verfallen, war eine Gaudi, die mit Worten niemandem begreiflich zu machen war.
Zu einem Zeitpunkt, zu dem das Eiland von gefährlich zahlreichen Liebesengeln umschwirrt wurde, beanspruchte Banshee plötzlich eine ihrer dunklen Techniken, um sie zu töten. Er hatte es genau gesehen, sie hatte [Evil Land] benutzt, um die Lichter um sie herum zu tilgen und um ihnen den Weg zu ebnen. Er schaute sich um, sie waren jedoch nicht gesehen worden, wodurch er sich bestätigt fühlte, dass es in Ordnung war, vereinzelt ausserhalb seiner Rolle zu agieren. Es konnte nicht als Regelbruch ihrer Wette angerechnet werden, wenn ihr falsches Spiel dadurch nicht bedroht wurde. Ein richtiger Regelbruch wäre wirklich ärgerlich. Er würde ihre Wette unterbrechen und ihm beide Ausgangsmöglichkeiten nehmen. Ihm würde keine mehr zustehen. Der Spass würde auf der Strecke bleiben.
Weil er sich langweilte, begann er auf Flechanto, sich zu entwickeln und an seinen Fähigkeiten zu werkeln, ohne dabei aufzufallen. Er erhöhte den Anspruch der Herausforderung ihrer Wette, was letztlich vor allen ihm zugute kam. Selbiger Beweggrund untermauerte auch seine Absicht, den Gipfel des himmelhohen Mangrovenbaumes zu erklimmen, nachdem ein göttliches Licht erstrahlt war. Es war nur konsequent, dass er sich in wilder Vorfreude der unbekannten Bedrohung entgegenstellen wollte. Die Ausgangsmöglichkeiten waren genauso gleichgültig wie die Tatsache, welche eben dieser Ausgangsmöglichkeiten im Angesicht der gestellten Allmacht wahrscheinlicher war. Am wahrscheinlichsten war immer noch seine eigene Leidenschaft.
Zusammen mit dem Priesterpaar, zwei hervorgebrachten Flammenschädeln, Wolfgang und Daishi fand er sich auf dem Weg zum Wipfel in dessen Krone ein. Daishi und Wolfgang konnten hierbei nicht unterschiedlicher sein. Der eine folgte seinen Trieben und urteile endgültig anhand der vorliegenden Fakten. Der andere folgte seinen Sinnen und hinterfragte das, was vor ihm offen dalag.
'Jasminko' plante, sein Handwerk zu optimieren und die ungewollt hervorgebrachten Flammenschädel in Männer zu transferieren, die er an seiner Seite dulden wollte. Um sein Spiel voranzutreiben, hatte er seine Figuren zu führen. Er bemerkte nicht, dass dieser Plan gegen seine Prinzipien ging, indem er anderen seine Ordnung aufzuzwingen versuchte. Sein Gedankengang war ein falscher. Er ahnte es noch nicht, aber in Wirklichkeit duldete er sie nicht an seiner Seite, sondern an seinem Tisch, und das nicht, um sie zu führen, sondern um sie in Form von ebenbürtigen Gegnern vor sich sitzen zu haben. Das zeigte sich auch weiterhin.
Er wollte die beiden Männer prüfen. Daishi's stumpfe Gewissheit konfrontierte er mit einer Lüge, der wie erwartet ohne Widerwort gefolgt wurde. Daishi bewies keinerlei Potenzial und wurde getötet, worauf 'Jasminko' Wolfgang's aufblitzende Skepsis mit der Wahrheit konfrontierte. Wolfgang behielt einen kühlen Kopf, obschon ihm klargemacht wurde, dass er zu einem Flammenschädel gemacht werden sollte. Es wurde ihm jedoch nicht aufgezwungen, ihm wurde die Wahl gereicht. Seine Position wurde von seinem Gegenüber gestärkt, obschon es sich um einen Gegner handelte, und Wolfgang entschied sich für keine der beiden Optionen. Er entschied sich dafür, vorerst dem weiteren Verlauf zu folgen und erst später anhand aller Informationen zu urteilen, bis dahin war von ihm auch kein Verrat zu erwarten. Er bewies das Potenzial, nach der Welt zu greifen.
"Ihr könnt euch zurückhalten," sprach 'Jasminko' entschlossen und die Augen strotzten ihm vor quellender Vorfreude, "Was auch immer hier oben herrscht, es gehört mir und mir allein! Das wird ein grandioses Spektakel!! Ein grossartiger Kampf!! Mein ganzer Körper erbebt in heller Begeisterung, ich kann es kaum erwarten!!"
Wolfgang indes fragte sich erneut, was die Ursachen für Jasminko's momentanen Zustand waren. Falls er wirklich unsterblich war, wie lange hatte er dann schon gelebt? Was hatte er erlebt und viel wichtiger, was hatte ihn verändert? "Nur zu, ich bin direkt hinter dir," kommentierte er die Überschwinglichkeit seines neuen 'Kameraden'.

Auf dem Wipfel des Heiligen Mangrovenbaumes hauste Lofn, die aufgrund Odin's und Freya's Tatenlosigkeit Flechanto an sich gerissen hatte. 'Jasminko' konnte kaum fassen, wie klein die Welt war. Wie einst Freya die namenlose Insel hatte fallen lassen, hatte sie die Urmänner von Flechanto fallen gelassen, wie der Untergang der namenlosen Insel und das Schicksal um Hlynur Jasminko Freya zuzuschreiben war, so war ihr auch alles zuzuschreiben, was auf Flechanto geschah, so sah es 'Jasminko'. Er sah die 'Mutter' in den beiden Legenden, er sah, wie sie versagten und die 'Väter' ziehen liessen. Lofn hielt ihre Rolle aus exakt dem selben Hintergrund inne wie auch 'Jasminko', das erschien ihm unbestreitbar.
Schon als er den Wipfel enterte, wurde er von seinen Leuten gestellt. Der Mord an Daishi war durch Lofn prophezeit worden, wodurch er sich nun zu erklären hatte. Seine Maske bröckelte und mit ihr die Wette. 'Peter' und 'Lirene' fassten ihn in die Augen und Lofn hetzte gegen ihn, rief dazu auf, ihn zu töten. Sie hatte ihn durchschaut und erkannte die ungewisse Zukunft in ihm.
Die Gruppen trafen aufeinander und ein hintergedankenschwangerer Wortwechsel entwand den Protagonisten. 'Jasminko' gab sein bestes, um seine Maske irgendmöglich zu bewahren und nicht um sein Glück gebracht zu werden, doch die Tatsache, dass es nicht die ersten Zweifel waren, die sein Tun in die Herzen seiner Leute gesät hatte, machte die Angelegenheit überaus komplex, aber sogar dieses vor Geist sprühende Ausspielen von Worten war ihm eine nette Unterhaltung zur Überbrückung zum Hauptakt. Argwöhnisch betrachtete Jonah dieses Schmierentheater.
"Lofn sagte, dass du für Daishi's Ableben verantwortlich bist - und dass er nun zufällig nicht auffindbar ist, lässt uns keine andere Wahl," sprach die Assassine, worauf der Crusader mit erlogenem Entsetzen entgegnete: "Daishi ist tot!? Das kann ich unmöglich glauben! Und dass Lofn es hingegen mit Sicherheit zu wissen glaubt, spricht gegegen MICH!?" Er fasste sich an den Kopf. "Nun denn, die Wahrheit wird schon beweisen, was den Tatsachen entspricht." - "Die Schwierigkeit liegt darin, dass wir die Wahrheit nicht kennen. Wie so oft zuvor müssen wir uns auf dein Wort verlassen", beteiligte sich Arhat, "Ich kann nur behaupten, dass ich Lofn's Präsenz deutlich gespürt habe. Es schien mir nicht so, als dass sie uns anlügen würde. Viel mehr deute ich es so, als hätte sie distanziert und objektiv die Tatsachen aufgeführt."
"Ich weiss nicht mehr, was ich glauben soll."
Die Worte pendelten mit unfassbarer Schwere in der Luft. Erstmalig sichtlich und wahrhaftig erschüttert stierte 'Jasminko' beiseite und zu der Person, die sie ausgesprochen hatte. 'Lirene'. Er durchdrang sie mit seiner schwerwiegenden Aufmerksamkeit und suchte in ihrem unerwarteten Zug die Absicht.
Die Priesterin trat an ihm vorbei und 'Peter' folgte nach auf Jonah's Seite, wo sie beidsamt ihre Unterstützung für das vorliegend fremde Territorium anboten. Sie unterstützten ihre Seite, die Dämonen unterstützten seine Leute und er verblieb allein und ohne Farbe im Gesicht.
"...Wolfgang," sprach er mit der Hand vor dem Gesicht, "Ich hatte dir gepredigt, dass Zweifel gut sind, dass Misstrauen ideal ist, dass dies zu einem guten Mann macht. Dass es einen absoluten Stellenwert innehält, für sich zu entscheiden und für sich eine Antwort zu finden. ...die Menschen, die du dort drüben siehst, sind mir gefolgt und haben mit mir Erfahrungen geteilt. Nun haben sie für sich eine Antwort gefunden: Sie können sich nicht auf mich einlassen. Macht sie das nun zu guten Mannen? Nein. Im Gegenteil. ...sie missachten die Erfahrungen, das Bekannte, und vertrauen auf das Fremde. Die Antwort, die sie für sich gefunden haben, widerspricht jedwedem Sinn und Verstand. Ich bin gespannt, in welche Richtung du ausschlagen wirst, Wolfgang. Worauf ich aber hoffe, ist, dass du nicht wie sie zum Tölpel wirst."
Indem er in keine Richtung ausschlug.
Wolfgang horchte auf, als sein Name fiel. Er musterte den Ritter durchdringend, und als er fertig war, grinste der Clown verstohlen. "Ich muss dir leider widersprechen. Nicht wegen deinem Unmut, sondern wegen deiner Schlussfolgerung. Wie oft habe ich sie gesehen; die bequemen Menschen. Jene, die alles auf Erfahrung setzen. Sich so fest an ihre gewohnte Haltung und an das Bekannte klammern, dass sie bewegungsunfähig werden. Menschen, die lieber ein klägliches Leben in Sicherheit führen, lieber das bekannte Unglück, als das unbekannte Glück innehalten. Wie oft habe ich schon schlechte Führer gesehen, die nur aus dem Grund noch an der Macht waren, weil man den bekannten Teufel den unbekannten Dämonen vorzog." 
Der Ritter lächelte fahl und der Vagabund holte zum Schlussplädoyer aus: "Ich wäre nicht hier, wenn ich nur auf das Bekannte setzen würde, Jasminko. Wenn ich jedem blind vertrauen würde, der mir einst gut Kamerad war, dann hätte ich schon unzählige Messer im Rücken." Er schweifte mit der linken Hand aus, deutete auf die Anwesenden: "Du musst einsehen, dass die Menschen nicht gegen dich sind. Sie sind in erster Linie für sich selbst! Das macht sie nicht zu Tölpeln, im Gegenteil."
Wie wahr.
"Deine Einstellung basiert auf deiner Erfahrung," ging 'Jasminko' darauf ein, "Du bist nicht hier, weil du dich gegen deine Erfahrung stellst, sondern um neue Erfahrung zu erschliessen. Erfahrung ist nicht mit dem Bekannten gleichzusetzen, denn Erfahrung kann auch in der Fremde gesammelt werden. Und natürlich muss man der Fremde begegnen, anders kann keine gänzlich neue Erfahrung gefunden werden. Tölpel ist, wer seine Erfahrung vollumfänglich ignoriert, denn auch in Fremde wird sie nicht nur gemacht, sondern vor allem benötigt. Du sprichst von Messern im Rücken. Sich auf Erfahrung zu stützen, das heisst nicht, blind zu vertrauen. Mit Erfahrung lernst du, den Richtigen zu vertrauen und zu lesen, Gefahr zu erkennen und korrekt zu agieren, um eben solche Messer im Rücken zu vermeiden. Erfahrung heisst weder das Bekannte noch blindes Vertrauen."
"Die Wahrscheinlichkeit zu Messern im Rücken ist doch eher präsent," vollendete er allmählich, "Wenn man allgemein blind vertraut, ob es jetzt Fremde oder das Bekannte ist, ist nicht relevant. Gemütlich und faul ist nicht, wer sich an das Bekannte klammert, sondern wer sich an jene Front klammert, die augenscheinlich am wenigsten Konflikt beherbergt. Du bist hier aufgrund deiner Erfahrung, um neue Erfahrung zu erschliessen und aufgrund dieser deinen nächsten Schritt zu bestimmen. So lange deine Entscheidung deine Erfahrung nicht vollumfänglich ignoriert, kann sie sowohl in Fremde als auch in das Bekannte führen. ...aber du hast Recht. Menschen entscheiden in erster Linie für sich selbst. Das ist nicht, was sie zu Tölpeln macht, exakt. Das ist, was sie zu Menschen macht. Ich habe es nicht besser gewusst."
Er lobte es sich wirklich, dass sie sich selbst sein konnten. Es schmerzte ihn jedoch aus dem innersten Kern, dass sie eine endgültige Entscheidung fällen wollten, anstatt die Wandelbarkeit zu bewahren. Dass es bereits zu enden hatte. Die Münze fiel und was auch immer sie wies, es entsprach nicht seiner Hoffnung. Sie hatten sich für einen Zielpunkt entschieden, während er noch weiterlaufen wollte. Aber wie hätte es auch anders sein sollen. Menschen waren nicht befähigt, ewiglich wie ein Untoter wie er weiterzuwandeln. Es war nicht wichtig, in eine Seite auszuschlagen, sondern in eine Seite ausschlagen zu können. Er wollte daran glauben, dass zumindest Wolfgang kein Tölpel war.
Er betrachtete die Gegenseite. Die Dämonen an der Seite seiner Leute, die er beide nicht lesen konnte, die ihm beide fremd erschienen. Einmal mehr: Ihm erschien alles fremd. Alles war ihm feind. Diese Front. Sie beherbergte den grösstmöglichen Konflikt und er liebte es mit plötzlich in ihm aufflammender Wollust. Dem Fremden war nicht zu vertrauen. Es war zu bekriegen.
"Welch himmeltrotzendes Schauspiel," spie er, "Es sei vorüber, der Vorhang fällt. Ich habe meine Rolle schlecht gespielt!"
Die Schlacht entbrannte.
Die beiden Fronten kollidierten und stürzte den Wipfel in rege Konfusion.
Jonah ging gegen ihren ehemaligen Anführer vor, wurde von 'Lirene' abgepasst und darauf aufmerksam gemacht, dass allein der Exorciser den Gegner töten konnte. Doch sie hatte ihre Positon auf dem Feld nicht im Blick behalten und 'Jasminko' jagte ihr seinen Dreizack durch den Leib. Sie hatte es nicht geschafft, Jonah durch die Bestien den Exorciser abzuluchsen und hatte nun versucht, Jonah selbst den Exorzismus durchführen zu lassen. Tatsächlich wäre dies das Optimum, wie auch 'Peter' befand. Es war unwahrscheinlich geworden, dass Beelzebub's Sohn am Ende Mitglied einer Gilde sein würde, die gesamte Gruppe fiel auseinander. Die Wette war bedroht. Sie mussten so viel wie möglich aus der Sachlage hervorholen und ihn exorzieren, bevor er ihnen entwischen würde. Sie schätzten ihn dabei falsch ein. Als würde er ihnen entwischen wollen. Er war kein Mann, der dem Konflikt den Rücken zukehrte. Die gegebene Unwahrscheinlichkeit eines Endes war genau das, wofür er lebte.
"...Verräter...!," röchelte Lirene an seinem Speer. Er beäugte sie unbeeindruckt und riss ihr die Waffe aus dem Rücken, aufjapsend ging sie zu Boden, mit letzter Kraft zu ihm hochstierend, "...wir werden schon sehen, wer letzten Endes triumphieren wird...!" - "Triumphieren?" Er grinste. "Ich will nur meinen Spass, so lange ich den gewinne, kann ich meinetwegen auch verlieren, also halte den Mund, wenn du sonst nichts zu geifern hast, du ekelhaftes Biest!" Sie begehrte hierauf in die Richtung Jonahs auf, die die Auseinandersetzung verfolgt hatte. "...Jonah...!" 
Die Kameraden der Assassine schlossen zu ihrem Gegner auf, doch stoppten sie für einen Augenaufschlag, als sie sie erhaschten, wie sie über dem auf dem Bauch liegenden Ritter beugte, die Klinge des Exorciser tief in seinen Rücken versenkt. Sie hatte ihn überwältigt.
"Z-Zieh das vermaledeite Ding aus meinem Leib, J-Jonah…!!," röchelte er aus seiner Ohnmacht, "Was du jetzt tust, e-entscheidet über das Schicksal der gesamten Welt…!! Hlynur Jasminko ist längst t-tot…!! Ich habe mich bloss in ihm –" – "Lass dich unter keinen Umständen von ihm einlullen, Jonah!," unterbrach der alte Pastor vehement, sich daneben über der toten Lirene erhebend, "Ihn jetzt zu exorzieren, das ist die einzige richtige Sache, du siehst, zu was er befähigt ist, Jonah!" - "Hör nicht auf diesen alten Idioten…!!," pochte 'Jasminko', "Mich zu exorzieren, das ist die e-einzige logische, …nicht richtige Sache…!!" Dies war die Entscheidung. Es war vorbei. Er würgte seine Stimme hervor, doch alles versagte ihm schliesslich, bloss noch ein zerbissenes "Jonaaaaah…!!" entkam seiner Kehle, ehe er wehrlos herniedersank und sich der Endgültigkeit ergeben musste, die er hasste.
Gebettet in den gleissenden Sonnenschein, verlassen von Freya, verraten von Lofn und gerichtet von Jonah, lag der Körper leergeputzt von der Seele auf dem satten Laub. Hatte er sich derart von seinen Leuten blenden lassen, wie Hlynur Jasminko von Freya geblendet gewesen war? Er hatte ihnen vertraut, weil sie autonom waren, er hatte darauf vertraut, dass Jonah den Exorciser nicht verlieren würde. Er hatte recht behalten, nur um dann von ihr niedergestreckt zu werden. Autonomie war gut und recht. Doch nur ein Freigeist, der sich nicht aufgrund weltlicher Faktoren zu entscheiden hatte, besass die Unabhängigkeit, um auf einem leeren Blatt Papier seine eigene Geschichte zu schreiben. Vertrauen auf das Bekannte war genauso zu verabscheuen wie Vertrauen auf das Fremde. Wegen Freya, wegen Lofn, wegen Jonah hatte Beelzebub erneut einen Sieg davongetragen, das stand für ihn ausser Frage.

Hinter 'Peter' schloss sich das Portal und das wunderbare Rauschen des Meeres ereilte seine Ohren. Andächtig atmete er ein. Wie schön es war. Flechanto war eine Sache gewesen, aber diese Insel hier, dies war wahrhaftig ein Paradies. Wie er sie vermisst hatte, es war sich kaum auszumalen.
Er hatte den Leichnam der Priesterin übernommen und den anderen vorgegaukelt, dass er sich um ihre Bestattung kümmern wollte. In Tat und Wahrheit hatte er sie auf die namenlose Insel heimgebracht.
Die warme Brise der hohen See umwehte seinen Körper und er legte die Priesterin auf den Steg, auf dem er angekommen war. Er führte an festes Land, an dem die eifrigen Wellen der Ferne brachen und das sich von einer Hauptinsel mit einem eindrucksvollen Klostergebäude über mehrere kleinere Halbinseln erstreckte, die ein weitläufiges Fischersdorf verbanden. Die steinernen Hütten waren teilweise eingefallen und der Ort war verlassen. Aus dem riesigen zentralen Gebäude stieg eine unheilvolle Atmosphäre empor.
Er marschierte zum ersten Haus, von dem sich wie von Geisterhand die Tür öffnete. Aus dem engen Türspalt blitzten zwei grässliche Augen. "Da bist du!," krächzte es aus dem Inneren, "Wenigstens du hast es in deiner Hülle geschafft!" - "Tut mir leid, ich hatte nicht angenommen, dass er deine Hülle wirklich töten will. Aber vielleicht können wir sie doch noch gebrauchen, Banshee." - "Wie ist der Stand der Dinge?" - "Jonah hat ihn mit dem Exorciser exorziert." Ihre flackerenden Mundwinkel stiegen hoch und höher.
"Unsere Verluste sind minimal und hinzunehmen, vielleicht sogar nützlich gewesen, wir haben erreicht, was wir haben erreichen wollen," fuhr er mit stechenden Blicken fort, "Wir müssen nicht weiter unsere Bestien nach Jonah aussenden. Letzten Endes haben wir den Exorciser nicht selbst verwenden müssen und ich bezweifle, dass sie hierzu geführt haben. Jonah's Misstrauen gegenüber Hlynur Jasminko ist bereits gross genug gewesen, sie hätte den Exorciser wahrscheinlich auch ohne unseren Eingriff gegen ihn verwendet."
"Oh wie gut, wie gut," kicherte Banshee in der Finsternis, "Alles verläuft nach unserem Plan. Als wir ihn im Kerker aufgesucht haben, hätte er wohl niemals gedacht, dass er dieses Spiel gegen uns verlieren kann. Er hätte uns besser sofort heimbegleitet. Sein Erwachen in Hlynur Jasminko hat ihm nichts genützt, sein Vater wird mit uns mehr als zufrieden sein! Endlich ist sein Sohn heimgekehrt!"
"J O O O N A A A A A H ! !"
Sie schnellten aufgeschreckt umher.
Erbost ob der Enttäuschung, hatte 'Jasminko' in Jonah aufgrund der Autonomie doch eine potenzielle Gegenspielerin gesehen, schrie er auf. Sie hatte zwar die Freiheit, zu entscheiden, doch neigte sie dazu, zu entscheiden. Er schrie und fuhr auf.
Banshee und der Nekromant sahen den Leichnam der Priesterin auffahren. Wurden nach und nach leichenblass.
Im Sitzen drehte er langsam seine erzürnte Miene, die in sich zusammenfiel und zu felsenfester Apathie gemeisselt wurde. Aus toten Augen nahm er sie gefangen, ehe die Mundwinkel entzückt den Zenit erstiegen.
Er rappelte sich auf, die beiden Entgeisterten waren wie gelähmt im Angesicht der Rückkehr des Sohnes ihres Königs. "D-Das ist unmöglich...!!," stammelte der Nekromant. Der nächste Schritt wäre gewesen, die exorzierte Seele, die logischerweise in die Unterwelt eingegangen war, durch Nekromantie auf die namenlose Insel zu holen, aber offenbar agierte dieser Mann weit abseits der Logik, er war nie in die Unterwelt eingegangen, nachdem er exorziert worden war. Er hatte die Endgültigkeit des Endes aufgehoben, indem er sich den toten Körper der Priesterin geschnappt hatte.
"Das gefällt mir," meinte er in seinem neuen Körper, "Der ist anders als der alte nicht durch den Fluch dieser Insel an Vater gebunden, wodurch er mich nicht mehr orten kann. Ich fühle mich gleich noch viel besser. Ich muss euch wirklich dankbar sein." Er grinste von oben auf sie herab. Streckte die Hand nach ihnen aus und Banshee setzte an, um ihn zu attackieren, um ihn festzusetzen. Sie durften ihn nicht entkommen lassen, doch er. Er liess seinen Arm kreisen und stiess ihn gnadenlos vorwärts: "[Spiral Pierce]." Der Nekromant im menschlichen Körper, dessen Hülle seine Fähigkeiten eingrenzte, war zwar rechtzeitig zur Seite gehechtet, doch die Hütte hinter ihm wurde von einer gewaltig rotierenden Druckwelle zu einem Wirbelwind von Platten und Brettern zerlegt und über den Stein gestürzt, dies zusammen mit Banshee, die sich aufkreischend im Sonnenlicht wiederfand und sich schlagartig und schwer getroffen in die Bodenspalten verkroch, diesen Mann nur noch mit Herz und Seele verfluchend.
"Wie ich euch Frauen verachte," verhöhnte er sie, Fuss in die Ruine setzend, weil er den Zustand seiner Kleidung bemerkt und eine Robe, die Robe einer Priesterin von Arunafeltz, von Freya in den Trümmern entdeckt hatte, "Aber dieser Körper soll mir dienlich sein. Peter." Der Pastor erschauderte beim Anblick der über ihm türmenden Priesterin, aus der ihn der Sohn seines Königs entgegenstierte, "Infolgedessen dass dieser Körper sterblich ist, wirst du mir Gesellschaft leisten. Vielleicht benötige ich einmal einen anderen Körper. Es wird mir egal sein. Mein Bewusstsein liegt im Geist." - "I-Ich soll brav an deiner Seite gehen?!" - "Ihr habt beschlossen, mich auf Flechanto zu exorzieren, das hat zu eurem Versagen geführt. Bevorzugst du es also, so unter die Augen von Vater zu treten?" - "...du!!" - "Ihr wolltet euch an mich binden. Unsere 'Kameradschaft' soll weiterhin bestehen. Diesmal jedoch sei das Bindeglied eine Leine und du hast keinerlei Wahl. Du besitzt nichts mehr. Das ist die Konsequenz der Ordnung, der du gefolgt bist." Sein Vater konnte nichts dagegen tun. Es war helllichter Tag.
Der Mann im Körper der Priesterin wusste, dass auch Banshee noch hier sein musste. Den bestürzten Pastoren im Blick, proklamierte er: "Die Wette steht noch. Ich werde Prontera entern und mich dort vergnügen." Und auf dem Weg dahin einen jeden Stock und einen jeden Stein dankbar annehmen. Vorfreude überstrahlte die Nachmittagssonne. "[Wide Sleep]." Seine Gegenwart übermannte den Pastoren und Banshee in den Ritzen, sie augenblicklich ausknockend. Niemand würde ihm so rasch folgen können. Mit dem Pastoren im Gepäck kehrte er der namenlosen Insel ein zweites Mal den Rücken zu.
Letztlich wurde er eingeholt. Der Pastor wurde nach dem Gefecht in Lighthalzen in die unterirdischen Gefilde der Rekenber Corporation verfrachtet. Er besass kein Gildenabzeichen, konnte dadurch keine Informationen zu den Attentätern aus der Gilde vorweisen und war der Corporationen aus diesem Grund nicht von Wert. In den Abgründen der prachtvollen Stadt ersuchte er da seinen König, Beelzebub. Seine auf der namenlosen Insel verankerte Seele rief nach Beelzebub aus, es gab keinen anderen Ausweg mehr für den Nekromanten. Alles, was verblieb, war seine Dienlichkeit für die Ordnung, der er verpflichtet war. So wurde er von Beelzebub erhört. Und Beelzebub kappte die Stränge, an denen sein Diener hing, diesen im Tod erlösend und dabei dem Ruf folgend, um Lighthalzen zu überkommen und die Stadt in eine unbezweifelbare Nacht zu stürzen. Um seinen Sohn höchstselbst heimzuholen.

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#458 Koikun

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Posted 26 January 2018 - 04:12 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Die Priesterin erstrahlte vor gleissender Kampfeslust und für einmal sollte ein Gegner niedergerungen werden: Auf ihrer Brust entquoll ein schwarzer Punkt der blassen Haut, von dem aus blitzende Linien über die Beine pflügten und sie gänzlich in Dunkelheit kleideten. Zeitgleich brach neben beiden ihrer menschlichen Auge das Fleisch auf und ein hinten angesetztes Zweitaugenpaar von golden funkelnden Fliegenaugen öffnete sich.
“Dann mal gute Reise.”
Abgewandt von der Truppe auf dem Deck sprang sie. Doch ein Abschiedsgeschenk sollte es doch noch sein: Sie hangelte sich an das Heck und setzte mit den Füssen auf: *[Pulse Strike].* Und sie stiess sich mit gewaltiger Kraft ab. Eine erschütternde Druckwelle ächzte durch das gesamte Luftschiff, während die Priesterin sich in die Richtung der Dornenkuppel und Beelzebub stürzte.
Der Boden unter der Füssen der Truppe bebte durch den plötzlichen Ruck, der durch ihn gestossen worden war. Und dann, dann neigte er sich ein wenig, dann ein wenig mehr, dann noch mehr. Das Schiff drohte, in das Lighthalzen abgewandte Tal abzusinken, es drohte nicht nur, es tat es, es setzte auf der anderen Seite des Hügelkamms auf und gab sich dem Abhang hin. Es begann zu rutschen und Fahrt aufzunehmen, dem Tal entgegen sollte es gehen, den grässlichen Bestien entgegen.

Die ersten Bestien, die im Umkreis aufgetaucht und Richtung Luftschiff aufgebrochen waren, erhaschten die Bewegung, die sich jedoch erst noch aufbaute. Zwei von ihnen stellten sich auf der zur Bahn erkorenen Geraden auf, um sich dem Meter für Meter nähernden Gefährt anzunehmen und es zu stoppen. Drei weitere von ihnen gingen in einen Spurt über, um sich gegen die Fassade zu stürzen und die Leute an Deck heimzusuchen und zu zerfleischen. Niemand durfte ihre steigende Zahl passieren, im fokussierten Tal entstiegen sie einer finsteren Schlucht, begleitet durch den grausigen Augenschmaus am wallenden Nachthimmel.

Arhat widmete sich gleich dem ersten Biest, dass es auf Deck schaffte. Sie bewegten sich unglaublich schnell für ihre Masse, was man aber auch oft über den Mönch selbst sagte. Bevor er los stürmte, sprach er Segnungen auf Jonah und Sebastien, da sie ihm am nahesten waren.
Kurz als er bei dem Ding war, wurde es jedoch unsichtbar. Arhat hielt inne, sah sich um. Eine seiner Sphären schrie nur für ihn hörbar auf, doch es war zu spät. Ein harter Prankenschlag traf ihn, riss ihn fast von den Füssen. Sofort sprang er einen Meter zurück. ‘Kampfplan absolute Dunkelheit’, sprach er in seinem Kopf und zu seinen Sphären und schloss die Augen. Während er in all dem Lärm seinen Puls beruhigte, gaben die Sphären ihm konkrete Anweisungen, denn diese konnten die Aura der Bestie sehen. “Ducken!”, sagte die eine, was Arhat sofort ausführte. “Aufwärtshaken”, befahl eine andere, worauf der Mönch mit unglaublicher Wucht seine Faust empor stach und sehr, sehr harte Luft traf. Doch der Schlag zeigte anscheinend Wirkung, wenn auch nicht visuell.
“Achtung, ihre Haut ist wirklich steinhart”, informierte er die anderen beiläufig, bevor er sich vollends dem Kampf hingab.

Roy versuchte zu helfen, konnte sich bei unsichtbaren Feinden aber schwer fokussieren. Er hatte jedoch eine Idee. Er richtete seine Hände gegen das Kampffeld und beschwor einen eisigen Nebel. Er war nicht stark genug, um irgendjemanden oder etwas zu schaden, doch das war auch nicht das Ziel. Stattdessen konnte man in den sich bewegenden Wirbeln die Monster schemenhaft erkennen. So sah man nun zum ersten Mal, wie das eine Schattenwesen gegen den Mönch ausholte und zuschlug.
Markos war von den ganzen Strapazen noch zu sehr angeschlagen, um erneut seine Kampfeskraft auf Probe zu stellen. Deshalb versuchte er sich anderweitig nützlich zu machen und abzuschätzen, wohin das ganze Schiff überhaupt steuerte. Schnell erkannte er, dass im Tal selbst die Brücken über die Schlucht durch die Bestien zerstört worden waren. Nach grober Schätzung müsste das Schiff selbst lang genug sein, um den Abgrund zu überwinden, aber wirklich steuerbar machte das die Situation für ihn nicht.

Jonah indes machte sich bereit, den zweiten düsteren Gesellen zu übernehmen. Er kam gerade backbords über die demolierte Reling. Schlug seine Krallen in das Deck und setzte über. Ihr letzter Kampf gegen eines dieser Biester war ihr nur allzu bekannt geblieben. Sie griff sofort zum Exorciser. Sie hatte gelernt aus dem Wahnsinn im Wurzelwerk auf Flechanto. Die schwarzen Bestien hatten dem Exorciser nichts entgegenzusetzen. Die gewellte Klinge löste ihr Fleisch auf wie Zuckerwatte im Regen. Mit Bedacht griff sie zu der sonderbaren Waffe - sie fühlte sich immer noch warm an. Unweigerlich musste sie an Jasminko denken. Lebte er doch noch? Lirenes finale Gestalt ließ nur wenig Raum für Zweifel - doch jetzt war nicht die Zeit, darüber nachzudenken.
Den Exorciser in der Rechten zog sie einen Halbkreis um die Bestie, die ihr designiertes Ziel war. Wie ein Wolf. Halbgebückt und langsam. Das ganze Geschehen um sich hatte sie ausgeblendet. Auch ihr Gegner suchte wie der Arhats einen Vorteil in der Unsichtbarkeit, doch durch Roys Eisnebel konnte auch sie ihn in schleierhaften Schemen erkennen. “Das wird dir nichts nützen”, giftete sie leise vor sich hin.
Unvermittelt sprang das Monster ihr entgegen. Jonah rollte sich zur Seite ab. War durch die einhändige Bewaffnung noch etwas agiler in ihren Bewegungsmöglichkeiten. Sofort setze sie zum Konter an - streifte die linke Pranke der Bestie. Erneut spürte sie kaum einen Widerstand. Die Haut, die Arhat als so steinhart empfand, durchtrennte sie wie ein heißes Messer ein Stück Butter. Zischend schnitt der Exorciser seinen Weg. Ein wilder Schwinger war die Antwort. Jonah wich erneut aus.
Diese Monster waren unglaublich stark. Das hatte sie auf Flechanto am Leib erfahren dürfen. Sie waren auch sehr schnell für ihre große Masse - doch nicht schnell in Relation zu einem Assassin. Sie wich ein weiteres Mal aus, hatte den Gegenangriff halb erwartet. Versuchte erneut einen Gegenangriff, verfehlte nun aber auch. Schnell glitt sie drei große Schritte zurück. Spürte den Luftzug des vorbei peitschenden Schwanzes. Er kam so schnell, dass eine Reaktion anhand der Nebelschwaden zu langsam gewesen wäre. Hier konnte sie nur ihre Intuition retten. Ein Treffer konnte sie mühelos in den vor ihnen liegenden Graben befördern. Ihn galt es unter allen Umständen zu vermeiden.
Schnell stieß sie vor um die auslaufende Drehung ihres Gegners zu nutzen. Sie konnte ihn nicht exakt anvisieren, dennoch schliss sie durch seinen Körper. Traf ihn im linken Brustbereich. Brannte tiefe Wunden. Duckte sich präventiv und rollte neunzig Grad zur rechten Seite ihres Gegners ab. Hier erwartete sie bereits den erfolgenden Gegenangriff, einen wilden Prankenhieb mit rechts. Sie grinste. Diesen hatte sie sich so zurechtgelegt, dass sie den Arm komplett außer Funktion stellte. Zwei mal, noch bevor der Schlag zu Ende geführt war, schnitt sie über den Oberarm, durchtrennte alle für die Bewegung nötigen Muskeln. Einen Angriff gegen die rechte Seite musste sie abbrechen, da sich erneut ihr Zeitfenster schloss. Wieder glitt sie ein paar schnelle Schritte zurück. Fing ihren Atem. Betrachtete ihr Ergebnis. Und auch wenn sie es nicht direkt sehen konnte - ihr Gegner war nun sichtlich angeschlagen - und noch etwas langsamer.

Sebastien von Silberhain hatte sich bei seinem König positioniert, als das Schiff in Bewegung geraten war. Es war richtig, dass er als Hauptmann der Königlichen Garde von Midgard seinem König zu dienen hatte. Das war sein höchstes Begehren, das noch über dem Vollzug seines ritterlichen Urteils stand. Seine Mission durfte rasten, denn er hatte seinen König endlich erreicht. Dieser hatte nun seine höchste Priorität.
Der Silberritter gedachte, Riwalon Rowenberg eine Stütze zu sein. Ihre Flucht wurde übernommen, das Schiff schliss mit dem zerstörten Bug voran unkontrolliert hangabwärts. Sie befanden sich umringt von bewusstlosen Leuten beim Cockpit am Bug, über das jedoch plötzlich eine grässliche Bestie stieg und sich querfeldein über das Deck stürzte. Die Bestien waren bereits entdeckt worden, doch auch er kannte ihre Art nicht. Was hingegen glasklar war, war der Typus dieser dämonischen Ausgeburt der Hölle.
Sie konnten das Schiff nicht kontrollieren und die Flucht vorerst nicht in die eigene Hand nehmen, doch sollte er nicht agieren, würden sie gar nicht erst zum Zug kommen können. Der Schutz des Schiffes war mit dem Schutz von Riwalon Rowenberg gleichwertig, augenblicklich streckte er den rechten Zeige- und Mittelfinger aus der geballten Faust vorwärts und ein heilig brennendes Lichtkreuz riss der Bestie gegen die mächtige Hüfte, worauf sie den Fokus verlor und inmitten des Decks ohne Beute landete, obschon sie bloss um sich zu greifen hatte. Stattdessen fuhr sie herum und auf den Silberritter zu, der um ihre Aufmerksamkeit gebuhlt hatte.
Zwei weitere Bestien hatten das Deck geentert, doch Arhat und Jonah nahmen sich ihrer an, während die Dritte auf das Cockpit zusteuerte, um den Silberritter zu erlegen. Aus dessen dunklen Augen glomm die Zuversicht, als er sein Gloria Domini beschwor. Das gewaltige Lichtkreuz manifestierte sich ihm zur Seite und im hellen Strahlen spiegelte die glänzende Sphäre unter seiner edel und pompös gepanzerten linken Schulter den flammenden Hunger des göttlichen Beistandes wider, während er seine rechte Hand unter seinem einseitigen Umhang hervorholte, um es beidhändig zu umfassen.
Ausserhalb des Ersten Bataillons der Königlichen Garde war man sich nie sicher gewesen, ob es sich bei Sebastien's manifestiertem Gloria Domini nun um ein Schwert oder um einen Kriegshammer handelte. Das konnte der attackierenden Bestie aber ohnehin egal sein. Sebastien fasste sie in die Augen und er dachte nicht daran, wie es innerhalb des Ersten Bataillons der Königlichen Garde immer mehr gewesen war. So lange es genug war, um den Feind im Namen der Götter niederzustrecken, führte er seine auf der Welt einmalige Waffe mit ganzem Herzen. So lange es genug war, den zweithöchsten Rang innerhalb der Königlichen Garde zu tragen, um den Göttern gerecht zu sein und Riwalon Rowenberg zu dienen, hatte man allein um seine Macht zu wissen!
*[Rapid Smiting.]*
Das schwere Kreuz wurde durch seine Hände gestemmt und mit aller Kraft vorwärts geschwungen. Er liess ab und schleuderte das übergrosse Projektil auf den Angreifer zu, der jedoch gekonnt auswich und über ihm auf dem Cockpit landete, mit dem Schwanz ohne Umschweife nach ihm schiessend. Mit dem Rücken zur Kreatur hielt Sebastien an seinem Vertrauen fest.
Die Kreatur zuckte beiseite, warf sich vom Cockpit, als das Gloria Domini durch die Nacht wirbelte wie ein Bumerang und zielgerichtet nach ihrer Position suchte. Sie wich ihm abermals aus und schnappte jetzt direkt nach Sebastien, der plötzlich von einer helllichten Aura ummantelt wurde. Er wurde in einen golden glänzenden Glorienschein gebettet und als die Kreatur zuschlug, schlug zwischen ihnen ein zweites Gloria Domini auf dem Deck ein, den Angriff zusammen mit der Resistenz der Aura und der natürlichen Widerstandsfähigkeit seiner Klasse gegen Wesen der Dunkelheit blockend. Geradezu wirkungslos prallten die Klauen an der heiligen Mauer ab und das Fleisch brannte schon an ihnen, weshalb die Kreatur mit dem Schwanz um die Mauer zu greifen versuchte, um den überlegenen Gegner von Bord zu feuern. Da hatte ihr Gegner schon sein Excalibur gezogen und geschwungen. Der heilig durchströmten Klinge war die Mauer kein Hindernis gewesen. Sie war durch sie geglitten wie auch durch die Knie der Bestie, die sodann zusammensackte, das umherwirbelnde Gloria Domini schoss von oben herab und jagte ihr gnadenlos mittig zwischen die Schultern, den Schädel zertrümmernd und den Leib mit einer aufwiegenden Druckwelle durch das Deck schiessend, der monströse Körper wurde gelichtet, durch das Schiff abwärtsgedroschen und unterhalb begraben.

Ein jäher Ruck ging durch das Luftschiff, das Tempo nahm rapide ab und steuerte auf einen Stillstand zu.
Sebastien stierte zum Cockpit, dann hinauf. Oben stand Tea, die sich einen Überblick über die Situation verschafft hatte. Von oben erfasste sie den Silberritter und er erfasste sie. Ihre Differenzen waren noch nicht aus dem Weg geräumt. Momentan wurde er von anderen Steinen aber viel eher behindert.
Wie sich rasch herausstellte, hatten sich die Bestien vor das Schiff gestellt, um es zu stoppen. Dieses Wissen teilte Sebastien sofort mit den anderen, die noch mit der Verteidigung des Schiffes beschäftigt waren. Tea wollte sich um die Bestien, die es gestoppt hatten, kümmern, und hatte sich an den Bug begeben.
"Wenn wir nicht überrannt werden wollen, müssen wir beim Zeichen Teas, bei einem Donnerschlag am Bug dem Schiff einen Schub verpassen," erläuterte er, dies jedoch nicht tatenlos. Noch während er sprach, hielt er seine Position beim König, und er ergriff eine unterstützende Funktion für den Kampf an Bord. Er konnte problemlos einen dämonischen Gegner besiegen, aber es erschien ihm strategisch klüger, den Erfolg seiner Mitstreiter zu optimieren und zeitgleich der feindlichen Front ein Dorn im Auge zu sein.
In meisterlichen Worten und pompöser Stimme begann er seinen Gospel. Kleine gleissende Kreuze fluteten in regelmässigen Abständen schwebend das Deck, ein Feld formierend, das Mitstreiter unterstützte und Gegner behinderte. Dazu war er jederzeit bereit, Heilung darzubieten.

Jonah streckte mit ihrer weiter gesteigerten Kraft ihren ersten Gegner gekonnt nieder. Er war stark geschwächt gewesen durch die vorangehende Bearbeitung; durch Sebastien’s Unterstützung fiel es ihr gar noch leichter. Wie sie es bereits auf Flechanto erlebt hatte, löste sich der tote und verbrannte Brocken unter fauligen Dämpfen zügig auf. Und auch Arhat, etwas mehr außer Atem, hatte seinen ersten Gegner besiegen können. Jonah nutzte die kurze Pause: “Wie bekommen wir nochmal Schub?”, fragte sie in seine Richtung, “Gleiche Taktik wie vorhin?” In der Luft schwebend Schub zu generieren war die eine Sache - auf dem Boden stehend jedoch war das Problem gleich noch schwieriger. Wenn sie nicht hecklastig genug waren, würden sie gar in die Schlucht stürzen.
Arhat nickte, doch musterte die bedenkliche Situation. Im Vertrauen auf Tea machte er sich aber auf zum Heck. Viel Zeit sich zu unterreden blieb ihnen nicht. Die düsteren Monster wurden immer mehr. Das Schiff war gestoppt worden und vier neue Bestien erkletterten schon die Reling. Die restliche Besatzung, die bei Sinnen war, sorgte derweil dafür, dass die Gewichtsverlagerung stattfand. Die vier Bestien nach hinten zu locken war derweil das kleinste Problem.

Tea fand sich am Bug ein, wo zwei der Kreaturen das zerstörte Material umfassten. Schon wurde sie zum Ziel der gierigen Mäuler, doch sollten die empor jagenden Schwänze die Beute erlegen. Tea wich den Attacken aus und zog ihren Dolch. Gegen diese Monster zu kämpfen, war ohne Aussicht auf Erfolg und sinnlos. Das musste sie aber auch nicht, um Erfolg zu haben.
Eine knisternde Energie zuckte durch ihren Dolch. Sie schwang ihn und es entlud sich aus der Klinge, was in ihr geschlummert hatte. Wie ein um sich schlagendes Blitzgewitter entlud sich die Energie als ein ultramarin erblühender Funkenschlag, die elektrisch verzweigenden Arme durchstiessen die dämonischen Körper, die jedoch unbeeinflusst verblieben. Aber wie gesagt: Mit Schaden wurde nicht gerechnet.
Tea war sich nicht sicher gewesen auf der Vierjahreszeiteninsel. Sie war sich nicht sicher gewesen, ob sie sie benutzen können würde. Die Gryphonkarte, die sie von Arhat erhalten hatte.
Die Gryphonkarte steckte im Dolch. Tea vollführte ihren Streich: [Bowling Bash]! Und mit aufpaukendem Donnerschlag rumpelte es durch die Körper, sie von der Stelle und beiseite reissend, das Schiff freigebend. Das Signal war erschallt.

Der Mönch hatte sich derweil postiert und hatte zumindest eine Minute verschnaufen können. Trotzdem würde die folgende Aktion ihn an den Rand der Bewusstlosigkeit bringen. Getan werden musste es trotzdem, mit Blick auf all den Menschenleben an Board. Er hatte sich gesammelt und eine halbe Sekunde nachdem der Schall von Teas Signal ihn erreicht hatte, schoss erneut eine Druckwelle von der Hinterseite des Schiffs weg.
Wie befürchtet war Arhat kein Raketenantrieb. Das Schiff begann zuerst nur langsam über den Boden zu schrammen, während der Mönch selbst langsam mehr und mehr in das splitternde Holz des Schiffs gedrückt wurde. Bedrohlich begann das ganze Objekt über der Schlucht zu schweben. Nur dank der Gewichtsverlagerung war die ganze Aktion nicht ein Sturzflug in die Hölle.
Jonah war dem Plan gefolgt und hatte ihren Kampf ebenfalls an das Heck des Schiffes verlegt. Zu beiden Seiten des Mönches hielten sie und die zurückgekehrte Tea die schwarzen Bestien in Schach und Arhat den Rücken frei; wohl darauf bedacht, sie weder Richtung Bug, noch vom Schiff weg zu befördern. Sie mussten genau da bleiben wo sie waren und dem Schiff zum Gleichgewicht dienen. Es war nun fast zur Hälfte über den Schlucht und begann bereits leicht zu kippen. Arhat erhöhte den Druck, schoss alles was er hatte in die Entfesselung seiner Kraft. Es schien zu genügen. Der Fortwärtsdruck war heftig genug, um das Land an der anderen Seite zu erreichen. Mit einem gewaltigen Ruck sackte das Schiff auf der anderen Seite und wurde vom letzten Kraftakt des Mönches etwas in die Flanke der östlichen Schluchtseite gepresst.
Seine Sicht flackerte. Ein leichtes Grinsen zierte sein Gesicht, ob dem Wissen, dass er zumindest die Leute auf dem Schiff und damit seine Freunde gerettet hatte. Dann wurde alles schwarz. Glücklicherweise war er bereits so in das Holz gepresst, dass er nicht vornüber kippen und in die Schlucht fallen konnte. So macht er mehr den Anschein einer umgekehrten Galionsfigur.

Jonah verspürte den Ruck, der durch das Schiff ging, als es am anderen Ende der tiefen Schlucht ansetzte. Sie wähnte die Truppe bereits fast im sicheren Hafen, doch ein neues Problem hatte sich unlängst offenbart. Arhat, der seine Arbeit meisterlich getan hatte, hing nurmehr bewusstlos in der Reling; er hatte seine letzten Reserven für das Team erbracht. Um sein Leben machte Jonah sich keine Sorgen, er hatte sich nur verausgabt. Alle Kämpfer formierten sich um ihn, um ihn zu schützen; schlugen die Bestien zum Teufel. Das Problem, über das Jonah sich zuvor noch lustig gemacht hatte, war nun real - wie sollten sie Arhat transportieren?
Doch ihr kam in dem Moment eine Idee, denn ihr Blick war zufällig auf ihn gefallen. Sebastien hatte ihn geheilt, nun wähnte er sich wieder unter den Lebenden - Ikarus. Ikarus konnte, gleich Jasminko, Arhat schrumpfen und ihn so transportabel machen. Es hätte in seiner ausgewachsenen Gestalt mindestens drei Mann gebraucht, den Hünen zu tragen - und schon allein das wäre knapp geworden, die schwarzen Bestien ganz außen vor. Doch geschrumpft auf die Größe eines Kindes - sogleich rief sie Ikarus in Stichworten ihre Gedanken zu. Er war selbst immer noch im Kampf mit den Monstrositäten, die das Heck erklommen. Zwar machten der Exorciser und Sebastien’s Wirkfeld den Kampf leicht - ihn alleine zu führen, vermochten Waffen und Zauber aber nicht. So hielten sie Jonah eng in Beschlag.
Ikarus stimmte ein und machte sich schleunigst an die Verwirklichung des Vorschlages. Er positionierte sich, ging in sich, konzentrierte sich. Formte mit seinen Händen eine Geste, die auf Arhat gerichtet war. Ein stummer Augenblick verstrich. “Eswoo!”, sprach er kraftvoll, woraufhin der Mönch sofort zu schrumpfen begann. Unabdingbar zog sein Körper sich in sich zusammen. So erreichte der Koloss in kürzester Zeit die Größe eines Kindes. “Wenn er nur auch so leicht wird wie eines”, dachte Jonah bei sich, die das Prozedere im Augenwinkel gesehen hatte.
“Schafft alle unsere Kameraden vom Schiff auf die andere Seite und bringt euch selbst in Sicherheit. Sebastien und ich werden euch den Rücken freihalten!”, orderte Jonah im Kampf gegen zwei weitere der unbeliebten Biester. Die Unterstützung Sebastiens gab ihr zusammen mit der Elementenpaarung das Gefühl allmächtig zu sein. Die Zauber machten sie schnell, stark, gaben ihr Kraft. Ihre Waffe machte sie tödlich. Zusammen spielten sie ein Spiel, das sie noch den ganzen Tag treiben konnte - solange sie Sebastien’s wundersame Unterstützung hatte. Die anderen kamen indes der Aufforderung rasch nach. Gemeinsam brachten Markos und Roy Arhat aus der Gefahrenzone, während Jonah meisterlich das Heck unter Kontrolle hielt.

Die andere Seite der Schlucht, an der sie angelangt waren, schien aus irgendeinem Grund komplett uninteressant für die Höllenbestien. Sie stiegen nur an einer Seite der Schlucht empor und scherten sich nicht im Geringsten um die Leute, die dort auf der anderen Seite von Bord gingen. Da sich das Schiff während der Überfahrt geneigt hatte, war es mit dem Deck fast ebenerdig eingeschlagen - lediglich die Überreste der Reling waren etwas hinderlich. Doch Markos, Roy und Ikarus schafften es in kürzester Zeit sowohl Arhat als auch Rincewind, Emilia, was Markos persönlich übernahm, und den König von Bord zu schaffen. Die Soldaten aus Lighthalzen und das Slumvolk genossen keine Priorität.
“Wir sind von Bord!”, rief Markos Jonah und Sebastien zu, die sich ihrerseits zurückfallen ließen. Jonah streckte die letzte Bestie nieder, die ihr an Bord gefolgt war - dann verließen auch sie und der Paladin das Schiff. Sie ließen ihre Verteidigung nicht fallen, mahnten auch die anderen zur Wachsamkeit - doch es schien als sei die Schlacht geschlagen. Sebastien stand backbords, Jonah steuerbords des Schiffes. Beide standen nah an der Klippe in den Abgrund. Roy hatte mehrfach seinen Eisnebel über die Umgebung gelegt, falls die Monster getarnt empor kommen wollten - doch nichts. Die weiteren, düsteren Monster erklommen die Schlucht auf der anderen Seite und strebten Lirenes Position zu - ganz ohne sich für sie alle zu interessieren. Es wirkte fast, als haben sie sie nur angegriffen, weil sie ihnen in die Quere gekommen waren.

Gerade wollte Jonah aufatmen da hörte sie wilde Schritte trampeln. Sie kamen von Deck des Schiffes. “Achtung!”, rief sie durch die Gruppe, den Exorciser im tödlichen Griff. Auch Sebastien von Silberhain sah argwöhnisch auf. Hatten die Kreaturen doch ihren Weg auf die andere Seite gefunden?
Doch wer ihnen entgegen kam war jemand ganz anderes - Yuen, offensichtlich um sein Leben rennend, kam übers Deck geschossen und sprang in hohem Bogen über die Reling bevor er sich gekonnt aber komplett außer Atem zu Boden abrollte. Jonah und Sebastien traten vor, um die letzte abscheuliche Kreatur, die ihm übers Schiff gefolgt war, niederzustrecken. Es hatte den geballten Kräften von Excalibur und Exorciser nichts entgegenzusetzen.

Yuen lag auf dem Rücken, bemüht wieder zu Atem zu kommen. Die anderen hatten sich teilweise um ihn gruppiert. Er war verletzt, blutete über der Schulter und in der Seite, hatte sich einige Treffer eingefangen, nichts lebensgefährliches jedoch. Auch Jonah kam zu ihm, während sie Sebastien einen Augenblick die Wache überließ.
“Ich dachte Assassins agieren im Verborgenen”, spottete sie, und rang ihm ein kraftloses Lachen ab. “Ich versuche schon geraume Zeit zu euch aufzuschließen”, gab er mit Atempausen zurück, “Ich dachte, wenn das Schiff vollends abstürzt und ich alleine in der Flut dieser Ungetüme stehe ist es aus.” - Schmerzerfüllt setzte er sich auf. Atmete weiter durch. Hielt seine Wunden. “Dann muss auch ein Assassin manchmal wie ein Pflug durch die Menge”, meinte er verschmitzt, “Und da ich bereits mitverfolgt hatte, dass ihr euch gut gegen die Bestien geschlagen hattet, hatte ich auch keine Bedenken Besuch mitzubringen.” Jonah half ihm hoch, während Sebastien, einige heilende Segnungen für ihn sprach - er behielt jedoch stets das Schiff und die Schlucht im Blick.

Jonah sah sich derweil mit Roy kurz um - der wohl einzig sinnvolle Weg war ostwärts in Richtung Einbroch zu gehen. Markos, Roy, Ikarus, Sebastien, Tea, Yuen und sie selbst waren den Umständen entsprechend wohlauf. Der geschrumpfte Arhat, Rincewind, der König und Emilia waren weiterhin bewusstlos. Sie überlegte sich bereits, wie man die Truppe mobilisieren konnte. Markos würde sich nicht nehmen lassen, Emilia zu tragen. Sebastien war wohl ähnlich vernarrt in seinen König. Yuen wäre gut in der Lage den alten Magier auf dem Rücken zu tragen und Arhat könnte dann von Roy oder auch ihr selbst getragen werden. Gesprächsstoff für die Wanderung würde es wohl auch genug geben - ihr Blick lag dabei vor allem auf Markos und Tea.
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#459 Koikun

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Posted 10 February 2018 - 05:30 PM

[Die "Gilde" - Lighthalzen Slums - Neujahr, nach Mitternacht]

Die Aufmerksamkeit rastete auf Markos und Tea. Ersterem fiel alle Anspannung von den Schultern und er liess sich aufatmend auf seinen Hintern fallen, als er die Erleichterung ob seiner Sicherheit in ihren Mienen ablesen konnte. Allen voran war Roy überglücklich, dass er und Emilia in Sicherheit waren.
“Was ist euch bloss passiert?,” wollte der junge Magier wissen.
“Ich habe mir schon gedacht, dass ihr nicht einfach so abhauen würdet,” erwiderte Markos erschöpft, “Das hätte ich euch übel nehmen müssen. Aber wäre ich allein gewesen, wäre es wohl schlimmer ausgegangen…” Wie ausserhalb seines Charakters verfahrend, blickte er ruhig zu Emilia an seiner Seite. “Wir und Ikarus sind entführt worden. Man hat uns benutzen wollen, um euch zu schnappen, weil ‘wir’ doch gegen ihren Präsidenten vorgegangen sind. Aber ich bezweifle, dass man uns hätte gehen lassen, hätte alles friedlich ausgehen können. Faran ist auch dort gewesen… zusammen mit dieser Frau. Sie sind tot… aber wären sie nicht gewesen, wären auch wir… einer der präsidialen Bodyguards ist dafür verantwortlich. Aber auch er ist tot…”
Er wusste nicht, wie viel sie hören wollten. Wie viel er erzählen konnte. Wie viel Zeit sie überhaupt hatten. Sie wollten so rasch wie möglich weiterziehen.
“Auch König Riwalon Rowenberg ist ein Gefangener gewesen.”
Sebastien von Silberhain horchte auf. Das Ausmass der Bedeutung der Worte klang in ihm immer weiter verzweigend wider, als er mit seinem König aufgestemmt in seiner Eile, diesen in Sicherheit zu bringen, innehalten musste. Ein Gefangener also.
“Kann man die Menschen der Slums gegenwärtig Zombies nennen…?,” wunderte sich Markos, als er sich auch an Sebastien wandte, “Ich glaube, der König leidet unter einer ähnlichen Sache, was auch immer das ist. Er sagt, er sei nur in seinem Zimmer in Lighthalzen bei Bewusstsein gewesen. Aber wir wissen alle, dass er sich auch ausserhalb bewegt hat. Er hat sich auf dem Luftschiff aggressiv verhalten, wenn man ihm im Weg gestanden hat. Sie sollten seinen Zustand im Auge behalten.” Der Silberritter biss die Zähne zusammen. Sie waren offenbar in Lighthalzen aufgenommen worden, um hintergangen zu werden. Er musste das unbedingt vollumfänglich ergründen, aber zuerst hatte er seinen König in Sicherheit zu bringen. In Anbetracht der Teufelsbrut am Nachthimmel und dem augenscheinlich wortwörtlichen Ausbruch der Hölle auf Erden war dem Krieg im Moment sowieso nicht die Priorität zuzurechnen.
“Tea hat mit König Riwalon Rowenberg aufgeschlossen und sich mit ihm ausgetauscht,” eröffnete Markos weiter, worauf Sebastien schlagartig das Pflanzenwesen in die Augen fasste. Tea machte aber sofort klar, dass sein Krieg sie nicht interessierte. Sie hatte allein an den Gegebenheiten um Uljas Interesse, an Uljas, für dessen gegenwärtige Lage unter anderem Sebastien verantwortlich war. Der Ritter drehte sich zerknirscht ab.
“Wir dürfen keine Zeit vergeuden!,” äusserte er sich. Einbroch war zwar ein gutes Stück entfernt, bot sich aber trotz allem als Fluchtort an. Sie hatten genau genommen keine grossartigen Alternativen zu der einzigen Stadt in der direkten Umgebung. Das Zauberbuch seines Partners wäre für den Transport wirklich praktisch gewesen.
“...eine Sekunde!,” rappelte sich da Markos auf, hinüber zur Luftschiffbrücke über der Schlucht schauend. Er hatte den Slumbewohnern versprochen, dass er für sie einstehen würde. Auch sie waren letztlich nicht viel mehr als Gefangene. Nachdem er in den Abgrund von Lighthalzen geblickt hatte, hatte er die Schatten erhaschen können. “Wir können die Leute aus den Slums unmöglich an Bord lassen!” - “Sie haben uns attackiert,” brachte da Ikarus auf, doch Markos korrigierte: “Sie haben König Riwalon Rowenberg attackiert, der wegen der Allianz mit ihrem Peiniger hat herhalten müssen!” Er träumte von einem einig Volk. “Eigentlich dürfen wir auch die Soldaten von Lighthalzen nicht an Bord lassen! Wenn man helfen kann, dann muss man doch helfen, da spielt es doch keine Rolle, welcher Nationalität man angehört oder… ob der andere ohne Wahl gegen alles stehen muss, wofür ich stehen will! Alle die Leute an Bord haben sich nicht dafür entschieden!” Ihr Schatten fiel nicht, weil sie es wünschten. Sondern weil Lighthalzen sie allesamt überstrahlte.
“Lässt du uns Emilia in Sicherheit bringen, während du hier schuftest?,” wunderte sich Roy. Markos stockte. Er konnte Emilia unmöglich hierbehalten. Er hatte nicht bedacht, dass das bedeutete, dass er sich von ihr trennen musste. Dabei hatte er auch ihr ein Versprechen gegeben. Mit ihr zusammen für seinen Traum einzustehen. Zwei Versprechen zogen ihn in zwei verschiedene Richtungen und er kniff angestrengt die Augen zusammen im Versuch, eine Lösung zu finden.
“Eher übernehmen wir das!,” erhob Ikarus seine Stimme, neben sie tretend und Roy zunickend, dann konkretisierend: “Bring Emilia in Sicherheit. Wir bringen die Leute von Bord und versenken das Schiff. Ihr schickt dann einfach jemanden aus Einbroch hierher, um uns beim Transport zu helfen.” - “Das kann ich unmöglich verantworten!” - “Was ist dann dein Vorschlag?” Der Schwertkämpfer erwiderte aufgewühlt das einfahrende Schauen aus ehrlichen Augen. Natürlich war er dankbar. Aber. Aber.

‘Aber, aber… was haben wir denn hier?’, dachte sich der Rabe der Loki, der über Lighthalzen flog und den beäugten Himmel über sich und den Dornen-Dom der Dämonen auf den Slums musterte. ‘Ich wollte doch nur etwas Unruhe stiften und dieses Gör sieht das gleich als Herausforderung an. Ich würde ja lachen, aber mir gefällt die Gesellschaft nicht.’ Dem Gott der Täuschung blickte argwöhnisch die humanoide Form auf der Spitze des Doms. Die ganze Situation liess keinen Zweifel daran, wer da stand. ‘Was hat Beelzebub hier, soweit weg von dieser gottverlassenen Insel zu suchen?’ Dieser Kerl. Für Loki war er einfach eine nervige Unbekannte. Für seine Tochter, Hel, jedoch viel mehr. Beelzebub hielt auf der namenlosen Insel schliesslich Seelen davon ab, nach Niflheim einzukehren. Und wie Hel so schön zu sagen pflegte, “T̸̨͜͡O̷͢͝͞͡T̡̕͞E͘͏͏̨ ̧͜M̀̕̕͜͡E̴͡N̸̕͝҉S̸̢͜͠C̸̨H̷̷̢̕͝Ę̸͠͡N̷҉̴͝ ̶̢S̵̷̡̕Ơ̛͟L̴͏L̷̸͡T̢͘͟E̶N͞ ̨͟͜͞T̶̵҉͟͞O̧̕T̶͞ ̴̸̨B̷̸L̴͠E̸I͏̧͘B̵̴̀́͜É̵̴͠N̢̕.”. Ach, er mochte seine Tochter. ‘Das ist also das Kind von Beelzebub, so so’, schlussfolgerte Loki, blieb fürs Erste jedoch in der Luft.

Loki am verwandelten Nachthimmel verblieb Lirene verborgen. Sie hatte sich auf dem Hügelkamm vom Luftschiff und in Richtung Dornenkuppel unten in den Slums abgestossen. Auf der Kuppel stand der veränderte Präsident. Die Priesterin zählte Eins und Eins zusammen: Peter hatte sich bei seinem Klageschrei unterhalb der Rekenber Corporation aufgehalten, in dessen Hauptgebäude der Präsident residierte. Beelzebub war wie die Nacht über das Gebäude gekommen und hatte sich diesen Körper als Wirt geschnappt. Einen sterblichen Körper. Aber da sein eigener Körper an die namenlose Insel gebunden war, hatte er ohnehin keine Alternative besessen. Er konnte infolgedessen nicht auf seine gesamte Macht zurückgreifen und es war einfacher, ihn zu töten. Was nicht hiess, dass es einfach war. Oder dass er sich nicht einfach einen anderen Körper schnappen können würde. Wobei es dabei immer auch zu einem gewissen Mass auf die Kompatibilität ankam. Hlynur Jasminko war zweigeteilt geschaffen worden und Lirene war bereits tot gewesen, zumindest ihre Seele. Die fast sofortige Einkehr einer anderen Seele hatte die Körperfunktionen aufrecht gehalten. Der Nachteil eines sterblichen Körpers bestand somit auf beiden Seiten.
 
Beelzebub thronte über der Kuppel rappelvoll mit Pseudo-Untoten. Ausserordentlich passend für den Herrn der Untoten, wie Lirene fand, als sie sich eingestehen musste, dass er trotz der geteilten Schwäche um Welten stärker war als sie. Eventuell konnte das junge Alter des Bandes zwischen Körper und Seele ausgenutzt werden, aber trotz diesem hatte er es geschafft, sich den Körper schon zu unterwerfen.
Lirene hatte keine Wahl. Wie sie das verabscheute. Sie würde zu gerne länger mit ihm Katz und Maus spielen. Aber er drohte, genau dieses Spiel zu brechen. Also wollte sie sich seiner entledigen. Selber das Spiel brechen. Selber darüber Herr sein. Dass sie keine andere Wahl hatte, unterstrich nur einmal mehr, dass die Herausforderung, sich gegen Mauern zu erheben, das ewige Gefühl des Aufbegehrens ihre einzige Motivation war. Wie grandios. So hatte sie sich also ihrer bisher höchsten Mauer zu stellen. Nicht um immerfort an ihr zu wachsen. Sondern um sie niederzureissen. Ihren Vater, der ihr Mauern in die Wiege gelegt hatte, damit sie sich an ihnen die Hörnern abstossen konnte. Wie hatte er ihren wilden Eigensinn unterschätzt!
 
Sie landete auf dem Abhang und stierte empor, alle Augen am Himmel und auch die Aufmerksamkeit ihres Vaters lagen auf ihr.
Sie bereute, Jonah nicht den Exorciser abgenommen zu haben. Womöglich wäre der Dolch nützlich gewesen. Sie musste wohl oder übel den Präsidenten töten, ganz egal, was das nach sich ziehen würde. Genaugenommen würde das wohl sogar eine neue Herausforderung präsentieren. Wie erfreulich. Womöglich konnte sie doch noch Gewinn aus der ganzen Sache ziehen.
|> Mein Kind <| liess eine schwere Stimme sie plötzlich erschaudern. Sie erklang aus ihr heraus. Sie fasste sich an den Kopf, es pochte von hinter der Stirn ihr gegen das Gemüt. Das Zeitalter aller Welt gedieh im Moor dieser dumpfen Worte zu mannigfaltiger Blüte.  
|> Ich bin gekommen, dich heimzuholen <| Beelzebub schritt voran und durch die Dornen, die mit den Ranken zu seinen Füssen nach und nach abstarben und zerbröselten. |> Bist du die Welt denn noch nicht leid, mein Kind? Du musst nicht weiter ziellos vagabundieren, ich weise als dein Vater dir den Weg <| Angeekelt wappnete sich Lirene für die Auseinandersetzung, auch wenn die blosse Präsenz ihres Vaters dort oben sie fast zerquetschte.
Sie keuchte auf, wurde von einem grossen Pfeil aufgespiesst. Zerknirscht starrte sie an sich herab und vorwärts. Aus der Kuppel war der Pfeil geschossen gekommen und ein Seil war an ihm befestigt. Sie verstand nicht, doch wehrte sie sich nicht dagegen, hierauf erbarmungslos auf die Kuppel zu und zwischen den Ranken hindurch in sie gerissen zu worden. Das beobachtete Beelzebub aus den ruhigen Wassern seiner Augen. Er hatte die ganze Stadt in Tiefschlaf versetzt, als er zu den Slums aufgebrochen war. Ein Mann hatte sich ihm davor in den Weg gestellt. Es war unmöglich, dass der Mann den Tiefschlaf hatte kommen sehen und heil überstanden hatte, und doch schien dieser Mann nun hier vor Ort zu sein.
Beelzebub versammelte vor dem letzten Schritt von der von oben herab zerbröselnden Kuppel schädelgrosse roten Fliegen. Höllenfliegen. Lirene hatte sie beschworen, um den Zugwaggon durch die Luft zu transportieren. Aber letztlich unterstanden sie ihm.
 
Kaum innerhalb der Kuppel angekommen, fand sich Lirene oberhalb der Slums von einem alten Mann begrüsst. Einer der zwei Bodyguards des Präsidenten. Er hatte sich aufgemacht, um dem Licht bei der Rekenber Corporation nachzugehen, und war nun zurückgekehrt. Neben ihm stand ein Bogenwächter, der die Priesterin abgeschossen hatte. Diese befreite sich augenblicklich und fasste sich an die durchstossene Brust ihres sterblichen Körpers.
Eine Meute willenloser Menschen aus den Slums stürzte sich auf sie. Sie hatte sich zuerst auf die Regenration konzentrieren wollen und hatte eine gezielte Aktion vor Verhandlungen nicht erwartet. Die Meute setzte sie unter sich fest und über ihr setzte der Bodyguard Fuss. "Sind die deine Dressurtiere oder was?!," spottete sie, doch keine Antwort aus den herabschauenden Augen.
Das Gas. Wenn die Kuppel ganz zerfallen sein würde, würde zumindest wieder etwas Luft in die Slums gelangen, da es aber schwer war, würde den Menschen in den Slums wohl vorerst nicht zu helfen sein. Das Gas waberte weiterhin durch die Slums. Weder der Bodyguard noch die Priesterin kümmerten sich darum.
"Du bist eine interessante Genossin," proklamierte der Bodyguard, erst emporschauend und den zum Vorschein kommenden und verteufelten Nachthimmel fixierend, dann sich zu Lirene beugend, "Sage mir. Wie kann ich meinem Präsidenten den Teufel austreiben?" - "…" Sie musterte ihn von unter der Meute hervor.
"Wo sind deine Kameraden hinverschwunden?," verlangte er zu wissen. "Die wirst du nicht kriegen," erwiderte sie, eine Möglichkeit suchend, ihn zu seinem Vorteil zu nutzen.
"Bestimmt würde ich das doch," korrigierte er, "Aber warum sollte ich das jetzt noch wollen? Sind sie verschwunden, weil es keine Auswege gibt? Bist du zurückgeblieben, um für sie das Ende dir auf die Schultern zu hieven?"
Lirene war nicht sicher, ob dieser Kerl nicht doch an den anderen interessiert war oder ob es ihm nur noch um seinen Präsidenten ging. Aber eines war klar: Auswege gab es immer. Und sie war zurückgeblieben, um sie offen zu halten.
Sie erschauderte. Das gesamte Dach der Kuppel war mittlerweile zergangen und keine Spur von ihrem Vater. Sie spürte ihn auch nicht mehr. Schlagartig fürchtete sie das Schlimmste, dass ihre entfernteste Hoffnung durchschaut worden war, worauf sie ausrief: "Die Assassine besitzt einen Exorciser, damit können wir ihn exorzieren!!" Sie scherte sich nicht darum, dass sie festgehalten wurde. Das war kein Problem. "Nach Osten sind sie geflohen, Beelzebub muss auf dem Weg dorthin sein!!" Wenn der Bodyguard wirklich so schnell unterwegs sein konnte, wie es aus seinen Aussagen geklungen hatte, dann hatte er ihrem Vater unbedingt zuvorzukommen.
"Dann gilt es keine Zeit zu verlieren," sprach der Bodyguard aus abgrundtiefen Augen und sich erhebend, um ohne Umwege aufzubrechen. Offenbar tat er dabei etwas, denn die Meute auf Lirene liess von ihr ab. Diese war überrascht. "Hätte nicht gedacht, dass ihr auf mich zählen wollen würdet." Sie ergänzte: "Ich werde nachziehen." Er wandte sich zu ihr um und machte Anstalten, nach etwas zu greifen, doch sie wank ab und meinte: "Diese Zombies werden uns so nichts nützen." - "Ob du mir nützt, ist ebenfalls fraglich," entgegnete er knapp, "Hier zählt niemand auf dich. Ganz einerlei, wer hier wen exorzieren will, nur unsere erste Motivation stimmt überein. Ihr gehört zusammen und so wird über euch beide gerichtet werden." - "…"
"Aber es wird nunmal kein Zuckerschlecken sein, Riwalon Rowenberg müsste sich bei ihnen aufhalten," erfasste Ariano Rhoad. Lirene sah ihn neugierig an. Begutachtete die willenlosen Menschen um sich, die wie wartend ausharrten. Dann wieder ihn. "Sag bloss. Er ist dem Präsidenten …?" - "Korrekt," nahme Ariano abgewandt vorneweg, sich bereitmachend, Lirene seufzte auf und meinte: "Ihr hattet eure Pläne, aber ich werde nicht zulassen, dass ihr ihn tötet, so wie auch du nicht zulassen wirst, dass man den Präsidenten tötet. In ferner Zukunft werde ich vielleicht mit ihm spielen wollen, eben gerade weil es durch ihn kein Zuckerschlecken ist. Er ist …"

Abseits von Lighthalzen trat Jonah entschieden vor: “Ich bin dagegen, hier auch nur noch eine Minute länger unsere Zeit zu verschwenden. Wir sind in diese Stadt gekommen in keiner bösen Absicht, wurden mit Lug und Trug empfangen und sollten mehrfach umgebracht werden. Das hast du ganz gut am eigenen Leib erfahren, Markos, nicht wahr? Was genau motiviert mich also die Soldaten dieses Regimes zu retten? Ihr Schatten fiel nicht weil sie es wollten? Ich habe selten solchen Unsinn gehört! Sie haben sehr wohl ihre Waffen geführt weil sie es wollten. Und sie hätten uns getötet, weil sie es ebenso wollten. Stünden sie uns gegenüber hätten wir keine Gewissensbisse, sie zu töten, ebenso wie sie nicht vor uns zögern würden. Warum sollten wir sie jetzt retten, nur weil sie sich selbst nicht retten können? Das ist Heuchelei und nichts weiter. Wenn ich könnte, würde ich das Schiff hier und jetzt in den Abgrund stürzen um diesen Schwachsinn zu beenden!” - Sie hatte sich etwas in Rage geredet - was recht untypisch für sie war.
“Wir haben gerade die Gefahrenzone verlassen”, stimmte auch Yuen ein wenig versöhnlicher ein. “Vier unserer Leute sind bewusstlos. Wir sollten uns wirklich darauf konzentrieren sie und uns selbst in Sicherheit zu bringen. Ich möchte nicht sagen, dass es mir Leid täte, die Personen an Bord ihrem Schicksal zu überlassen, aber manchmal muss man Prioritäten setzen. Und die Priorität ist für mich als Gruppe zu agieren, um dem Einzelnen und vor allem unseren bewusstlosen Kameraden den bestmöglichen Schutz bieten zu können, sollten wir auf dem Weg nach Einbroch in weitere Probleme geraten.” - Er machte eine kurze Pause, führte dann kühl fort: “Stellen wir uns die Möglichkeiten vor. Ich bezweifle, dass Sebastien von der Seite des Königs weichen würde. Priorität hat, ihn in Sicherheit zu bringen. Jonah und ich bringen Arhat und Rincewind in Sicherheit. Du, Markos, solltest eigentlich auch nur eine Priorität haben. Nämlich Emilia in Sicherheit bringen zu wollen. Das lässt für das restliche Kämpferteam Roy, Ikarus und Tea übrig. Ohne auch nur einem davon zu nahe treten zu wollen, halte ich das nicht für das perfekte Team, gegen diese Bestien. Ebenso wäre es für uns problematisch, sollten wir auf dem Weg auf größere Probleme treffen, da jeder von uns aus dem Stegreif nur eingeschränkt handlungsfähig ist. Ich bin der Meinung wir haben alles gegeben und hier und heute lange genug die Helden gespielt - ich würde dringend anraten, dass wir alle einen taktischen Rückzug antreten und unsere Kräfte regenerieren.”

Tea erschien ob ihrer Erwähnung überrascht und Markos schweifte zu ihr hinüber, dann umso ernster zurück zu Yuen: “Nein, es bleiben nur Roy und Ikarus übrig.” Tea hatte bereits klargestellt, dass sie ebenfalls keinerlei Interesse daran hatte, ihr Bestreben unnötig in Gefahr zu bringen.
Roy und Ikarus wollten etwas sagen, waren die Worte der Assassinen doch hauptsächlich an Markos gerichtet worden, obschon sie sich eigenständig für die Aufgabe entschieden hatten, aber der Schwertkämpfer wank ab.
“Yuen, Jonah.” Bei der Erwähnung Letzterer dachte er daran, wie sie ihm auf der Vierjahreszeiteninsel grundlegende Techniken beigebracht hatte. Um ihre Lehren war er durchaus dankbar, aber er hatte schon immer um die Distanz zwischen ihnen gewusst. Nicht nur in Sachen Fähigkeiten. “Niemand hat von euch gefordert, dass ihr euch der Aufgabe annehmt. Der Transport unserer bewusstlosen Leute ist doch gewährleistet und auch ich würde wollen, dass sich Roy und Ikarus nicht gegen die Bestien stellen, sollten diese plötzlich doch am Luftschiff interessiert sein. Das sind sie aber zurzeit nicht. Es geht hier nicht nur um die Soldaten, sondern auch um die unschuldigen Leute der Slums. Ihr würdet töten, wer euch nach dem Leben trachtet. Weil dies eure Entscheidung wäre. Klar, die Menschen dieses Regimes können sich gegen dessen Übermacht stemmen und ebenfalls eine Entscheidung fällen, aber dann würden sie niemals mehr gesehen werden, das hat die Vergangenheit unabhängig von Rang und Namen bewiesen.”
Bevor jemand darauf eingehen konnte, richtete er sich überraschend wieder an Tea: “Selbstverständlich sind wir so behandelt worden. Aber wir sind zurecht so behandelt worden, denn wir haben ihren Präsidenten bedroht. Davon abgesehen, wie abgrundtief menschenverachtend es unterhalb Lighthalzen zugeht, dass sie es auf uns abgesehen haben, ist nur menschlich gewesen. Nicht sie haben uns das alles eingebrockt!” Es war ihm anzusehen, dass es ihm Mühe bereitete, diese Worte zu sprechen. Tea begutachtete ihn aus stechenden Augen.
Markos drehte sich von Tea zurück Richtung Luftschiff und meinte mit schwerem Schlucken: “Ich erachte es nur als menschlich, die Leute, denen man verpflichtet ist, nicht im Stich zu lassen.”
“Meine Bereitschaft gilt nicht den Leuten an Bord,” stellte Ikarus da klar, “Und Markos. Du tust Tea Unrecht. Ich habe es euch schon gesagt, als wir uns am Bahnhof getroffen haben: Sie hat euch informieren wollen. Rabia und Faolan haben sich dagegengestellt, zeitgleich sind sie aber fester Bestandteil der Operation gewesen. Diese beiden Personen sind dienlicher gewesen als der Rest der Gilde. Weil sie Figuren gewesen sind, die man fallen lassen kann. Das Problem ist gewesen, das keine Alternative im Falle eurer Anwesenheit in Lighthalzen bereitgestanden hat. Trotzdem. Wir haben sofort agiert, als wir von eurer Anwesenheit erfahren haben. Ich habe euch am Bahnhof zusammengetrommelt, um euch zu informieren, da Rabia und Faolan ihren Zug bereits getan hatten. Und Tea hat uns bei der Flucht aus der Rekenber Corporation unterstützt. Die Vorbereitungen sind maximal mangelhaft gewesen, aber wir haben euch nicht im Stich gelassen!”
“Figuren, die man fallen lassen kann also?,” murmelte Markos, als hätte er sich an diesem Part aufgehangen. Andere Personen so zu sehen, war ihm mehr als fern. Er hatte sie fallen sehen. “Durch eure Entscheidung, sie fallen zu lassen, anstatt ihre Differenzen zu bekämpfen, sind sie nun tot!” - “In dieser Hinsicht existiert zwischen Tea und Jonah wohl eine Ähnlichkeit,” erwiderte Ikarus fast schon überheblich, sich hierauf direkt an Tea richtend, die nun ihn fixierte: “Ich hingegen bin vermutlich Markos ähnlicher, fürchte ich. Ich würde mich über deine Hilfe beim Abtransport der Leute vom Luftschiff freuen, immerhin soll gewährleistet sein, dass ich dich weiterhin unterstützen kann!”
“Habt ihr euch alsbald entschieden?,” rief Sebastien aus dem Hintergrund, Roy versuchte, ihn aus dem Wortwechsel herauszuhalten, aber es war wahr. In der Zeit der Diskussion hätten sie schon einiges der Arbeit, ob Abtransport vom Luftschiff oder Transport Richtung Einbroch, verrichten können.
“Es herrscht Krieg,” brachte sich Sebastien an Roy vorbei vergleichsweise kurz, doch treffsicher ein und der Schwertkämpfer fokussierte den Rittersmann der Königlichen Garde, seine Zukunft aus Unsicherheit aufschauenden Augen, “Unser Allianzpartner hat uns verraten. Wie gutmütig du auch sein willst, du kannst nicht alle retten wollen, so lange du nicht ob der Sicherheit all deiner eigenen Leute überzeugt sein kannst. Deine grossen Visionen dürfen nicht grenzenlos sein, denn dann wirst du sie nicht überschauen können. Im Krieg müssen Grenzen für das eigene Tun und die Verantwortung unabdingbar sein. Wenn dir das ein Dorn im Auge ist, junger Mann, dann schlage ich vor, du setzt dich dafür ein, dass wir unseren König sicher nach Einbroch bringen können. Denn ein König ist, wer Differenzen bekämpft und für das Volk einsteht!”

“Ich weiß nicht ob es euch über dieser jedem Sinn entbehrenden Diskussion aufgefallen ist”, fauchte Jonah mit einer subtileren Aggressivität als zuvor und ignorierte Ikarus’ Erwähnung vollständig, “Aber wir werden beobachtet!” - Sie wies dabei auf eines der Augen im Himmel - es war riesig, so groß wie ein Haus, und hatte die Gruppe starr fixiert. Der hohle Blick lag still auf ihnen - wer auch immer die Gruppe durch diese Augen beobachtete, er kannte jeden ihrer Schritte. “Einer von euch wird sich Emilia annehmen müssen, was der Rest macht ist mir egal. Wir müssen zusehen, dass wir hier endlich verschwinden.”, schloss sie ab und schulterte den geschrumpften Arhat. Sie wand sich zum Gehen. Innerlich kochte sie. Mit Sicherheit waren alle Bewusstlosen schnell von Bord, wenn jeder helfen würde. Doch warum sollte sie das tun. Alle an Bord hatten ihnen nach dem Leben getrachtet. Es ging ihr ums Prinzip. Dass sie das Schiff am liebsten im Abgrund versenkt hätte, war ihr voller Ernst gewesen. Sie zu retten war eine Frage, die sich ihr nicht einmal stellte, wenn sie versuchte gutmütig darüber nachzudenken.
Yuen tat es ihr mit Wetterwachs gleich. Und auch Sebastien machte Anstalten ihnen mit dem König zu folgen - nicht jedoch ohne noch einen wachenden Blick auf Emilia zu halten, bis sich einer ihrer angenommen hatte. Zur Not würde er sie auch noch tragen - neben dem König fiel sie im Gewicht wohl auch nicht mehr weiter auf.
Eine aufflammende Explosion polterte gegen den Steingrund. Allesamt fuhren auf, vom gewaltigen Donnerschlag aufgeschreckt. Sebastien strauchelte schlimm getroffen aus dem aufgewirbelten Gewölk, die Rüstung an seiner Lende war zerschmettert und das Unterhemd blutverschmiert. Im Taumelschritt liess er sich fallen, gezeichnet nach seinem König suchend. Nicht in Sorge. Riwalon Rowenberg marschierte mit gezogenem und heiß glühender Schwertklinge auf ihn zu, die Miene befreit von jeglicher Emotion.
Man wollte sofort agieren, doch Sebastien rief getroffen auf: „Kämpft nicht gegen ihn!!“
Markos suchte augenblicklich mit seinem Blick nach Jonah. Er wollte seinem König dienlich sein. Wenn ein König sich in ihren Weg stellte, würde Jonah auch ihn attackieren?
„Wir müssen ihn zumindest ausser Gefecht setzen!!,“ rief Ikarus durch die Gruppe, doch Sebastien wollte nicht vom Kampf absehen, weil er seinen König unverletzt wissen wollte. Das wollte er zwar, aber darum machte er sich keine Gedanken. „Nein...!,“ stammelte er, „Er ist...“

Der Bodyguard wusste um die Tatsache, die ihm in der zerbröselnden Dornenkuppel gereicht wurde. Es war kein Zuckerschlecken, wie Lirene zustimmte: „Er ist...“

Riwalon Rowenberg. Er war nicht nur König, weil er Differenzen bekämpfte. Er war ein Krieger, hatte Missionen bis in die entferntesten Winkel der Welt geführt und die ergebnislose Suche nach dem Verbleib von Morroc durch die gnadenlose Neue Welt zu Midgard's Gunsten geformt. Er war mehr als nur ein König.
„Er ist... der stärkste Mann von Midgard!!“

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